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„Netzathleten“ nehmen Stellung : Olympia in Handschellen

  • -Aktualisiert am

Der Kanute Stefan Pfannmöller: „Wenn nicht wir, wer dann?” Bild: picture-alliance/ dpa

Deutsche Profisportler treten für Menschenrechte und Pressefreiheit in China ein. „Wir als Sportler tragen eine große Verantwortung und müssen diese auch zeigen“, sagt Kanu-Olympiamedaillengewinner Stefan Pfannmöller, Gründer der „Netzathleten“.

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          Es schien ein Riss durch den Sport zu gehen: auf der einen Seite ehemalige, zum Teil mit olympischen Medaillen ausgezeichnete Athleten, die offen ihr Entsetzen über das chinesische Vorgehen in Tibet und über das betretene Schweigen der Sportorganisationen äußern; auf der anderen Seite jene, die sich in Peking ihren persönlichen Traum erfüllen wollen, nichts so sehr fürchten wie einen Boykott und die deshalb bloß die Funktionärsrhetorik („Brücken bauen statt Mauern errichten“) nachplappern, anstatt zu sagen, wie es ist: Was in Tibet passiert, ist menschenverachtend.

          Doch nun treten viele noch aktive deutsche Profisportler im Internet (www.netzathleten.de) für Menschenrechte und Pressefreiheit in China ein. Die Macher nennen es eine „spontane Massenbewegung“, zu der sich innerhalb weniger Tage Tausende Sportler zusammengefunden hätten.

          „Was in Tibet passiert, ist menschenverachtend“

          Während der Olympischen Spiele wollen sie - mit einem blau-grünen Silikonbändchen mit dem Slogan „Sport for human rights“ - ihren Protest sichtbar nach außen tragen. Da die olympische Charta jegliche politische Propaganda an olympischen Stätten untersagt, „soll der Protest während der Spiele nicht in Bezug auf Tibet zum Ausdruck gebracht werden, sondern allgemein in der Achtung der Menschenrechte und Pressefreiheit“. Das habe China schließlich bei der Vergabe der Spiele so zugesichert, heißt es.

          An der Spitze des Protests stehen viele Olympiamedaillengewinner wie Stefan Kretzschmar (Handball), Dagmar Hase (Schwimmen), Katrin Boron (Rudern) und Stefan Pfannmöller (Kanu). Er wünsche es niemandem, seinen Traum nicht verwirklichen zu können und nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen, meint der Silbermedaillengewinner Kretzschmar. Aber ebenso deutlich sagt er den wichtigen Satz: „Was in Tibet passiert, ist menschenverachtend. Deswegen sollten wir nach China zu den Spielen fahren und dort für die Menschenrechte eintreten, ohne unseren Traum aufgeben zu müssen.“

          „Wir als Sportler tragen eine große Verantwortung“

          Als Sportler könne man einfach nicht mehr wegschauen, wenn vor den Spielen systematisch Menschenrechte und Pressefreiheit verletzt würden, so der Bronzemedaillengewinner Pfannmöller. „Wir als Sportler tragen eine große Verantwortung und müssen diese auch zeigen. Wenn nicht wir, wer dann?“ Pfannmöller ist der Gründer der „Netzathleten“.

          Die Interessengemeinschaft scheut nicht vor drastischer Symbolik zurück: Das offizielle, als Markenzeichen geschützte olympische Logo von Peking wird von ihnen mit Handschellen überdeckt. Mal sehen, ob Peking nicht bald Anwälte in Marsch setzt, um gegen die Sportler vorzugehen. Den „Netzathleten“ ist für ihre Initiative langer Atem (und guter Rechtsbeistand) zu wünschen.

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