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Ai Weiwei über Tibet : „Es ist Zeit für die Wahrheit“

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Die chinesische Gesellschaft ist etwas für die Erfolgreichen und Mächtigen, glaubt Ai Wei Wei Bild: AFP

Der chinesische Konzeptkünstler Ai Wei Wei fordert ein Ende der Zensur in seinem Land. Hass und Wut könnten nur durch den freien Zugang zu Informationen besiegt werden, sagte er im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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          Der chinesische Konzeptkünstler Ai Wei Wei fordert ein Ende der Zensur in seinem Land. Hass und Wut könnten nur durch den freien Zugang zu Informationen besiegt werden, sagte er im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Mit ihm sprach Mark Siemons.

          Ai Wei Wei, wie haben Sie die Ereignisse der letzten Wochen in Tibet und die westlichen Reaktionen darauf wahrgenommen?

          Als einem Beobachter will mir scheinen, als wären beide Seiten in gewisser Weise falsch unterrichtet, sowohl im Westen wie in China. Es gibt keine tiefergehende Berichterstattung darüber, was eigentlich die Unruhen verursachte. Es gibt keine wirkliche Kommunikation, außer dass beide Seiten mit dem Finger aufeinander zeigen und anderen die Schuld geben. Das ist sehr schade gerade in diesem Augenblick unserer Geschichte. Was China betrifft, hat das vor allem damit zu tun, dass es keine öffentliche Diskussion gibt. Wir leben immer noch in einer Gesellschaft, die streng von Ideologie kontrolliert ist, insbesondere bei all den Themen, die mit ethnischen Minderheiten zu tun haben. Es lässt nicht gerade auf eine Lösung der Probleme hoffen, wenn ein Großteil der Han-Chinesen diese Minderheiten einfach für Sklaven hält, die sie befreit hätten. Die Realität ist viel komplexer. Sie haben ihre eigene Religion, ihre eigene Art der Entwicklung, ihre eigene Mentalität. Die Tibeter werden jetzt einfach als gesetzlose Menschen beschimpft. Ich glaube nicht, dass das die Probleme lösen kann. Es erzeugt nur Hass zwischen den Han-Chinesen und den Minderheiten, vertieft die Kluft zwischen ihnen noch mehr.

          Als auf der Documenta in Kassel seine Installation „Template” einstürzte, freute er sich über die Verbesserung

          Und was könnte die Kluft überwinden?

          Am wichtigsten wäre ein wirklicher Respekt gegenüber den Minderheiten und ein Eingeständnis der Fehler, die an ihnen in der Vergangenheit begangen worden sind. Denn dieser Aufruhr zeigt doch auf jeden Fall das Scheitern der Minderheitenpolitik. Uns ist es nicht gelungen, ihre Religion und Lebensweise zu verstehen. In der Geschichte haben wir viele ihrer Tempel und Statuen zerstört. Das sind die Basisfakten. Jetzt haben sie Häuser zerstört und Menschen angegriffen. Aber man muss fragen: Woher kommt diese Wut? Oder wollen wir eine Gesellschaft sein, die völlig ihre Rechte ignoriert und dabei behauptet, alles sei in Ordnung? In einer demokratischen Gesellschaft müssen die Rechte und Unterschiede der verschiedenen Gruppen respektiert werden. Das Problem muss gelöst werden. Wenn man es nicht löst, ist man mit seiner Politik gescheitert. Man muss den Dialog suchen. Es nützt nichts, Leute anzuklagen, dass sie die Nation spalten würden. Wir bilden nun einmal verschiedene Gruppen mit verschiedenen Sprachen, verschiedenen Überzeugungen, verschiedenen Lebensstilen, verschiedenen Mentalitäten. Also: Respekt und Toleranz und Verhandeln und Gespräch!

          Weshalb meinen Sie, dass der Westen falsch unterrichtet war?

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