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Medienfreiheit in China : Satellit W5 sendet nicht mehr

Kein Kanal frei für „New Tang Dynasty Television” Bild: Snapshot von Homepage

Der unabhängige Sender NTD-TV ist in China nicht mehr zu sehen. Technische Probleme, heißt es beim Satellitenbetreiber Eutelsat. Ob das stimmt, ist fraglich.

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          Den internationalen Berichterstattern legt die chinesische Führung weiterhin Fesseln an. Am Dienstag sorgte ein Erlass für Unmut, der Journalisten, die vom Tiananmen-Platz berichten wollen, „ermutigt“, sich vierundzwanzig Stunden vorher anzumelden. Die Mitarbeiter des in New York ansässigen chinesischen Senders „New Tang Dynasty Television“ (NTD-TV) haben grundsätzlichere Probleme: Ihr Programm ist in China gar nicht mehr zu sehen. Am 16. Juni wurde die Ausstrahlung über einen Satelliten des europäischen Anbieters Eutelsat unterbrochen. Aus technischen Gründen, sagt das Unternehmen. NTD-TV und die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ vermuten, dass es dafür andere Gründe gibt. Eutelsat, beklagt sich NTD-TV, nehme Millionen von Zuschauern in China den Zugang zu dem einzigen unzensierten chinesischsprachigen Programm. „Reporter ohne Grenzen“ spricht von einem „klaren Fall von Zensur“. Vanessa O’Connor, die Sprecherin von Eutelsat, hingegen meint, ihr Unternehmen stehe „im Zentrum einer Polemik“ und werde unfair attackiert.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In der Nacht vom 16. auf den 17. Juni gab es bei dem Eutelsat-Satelliten W5, der den asiatischen Raum bestrahlt, einen „technischen Vorfall“. W5 soll Probleme mit seinen Sonnensegeln haben. Vier sogenannte Transponder habe man abschalten müssen, heißt es bei Eutelsat, um den Satelliten weiter nutzen zu können, vierundzwanzig Programme habe man streichen müssen, um wenigstens noch zwanzig weitere zu übertragen. Betroffen sei nicht nur der Sender NTD-TV, sondern zum Beispiel auch der Sender Euronews, der aber Platz auf einem anderen Satelliten gefunden habe. Man habe alle Kunden ermutigt, nach Lösungen auch bei anderen Anbietern zu suchen, doch habe der chinesische Sender NTD-TV davon keinen Gebrauch gemacht, sagt Vanessa O’Connor auf Anfrage. Eutelsat selbst habe definitiv keine Möglichkeit mehr, einen Satellitenplatz für den asiatischen Raum anzubieten.

          Druck aus Peking?

          Ob das wirklich so ist, daran gibt es Zweifel, die ein Dokument nährt, das „Reporter ohne Grenzen“ ins Internet gestellt hat. Zu lesen ist die Mitschrift eines Telefonats, das ein anonymer Aktivist mit einem Repräsentanten von Eutelsat in Peking geführt hat. Der Anrufer gab sich als Vertreter der chinesischen Zensur aus und plauderte mit dem Eutelsat-Mann in lockerem Ton darüber, dass man den lästigen Sender NTD-TV ja nun endlich losgeworden sei. Der Vorstandsvorsitzende von Eutelsat höchstselbst, Giuliano Beretta, habe beschlossen, das Sendesignal von NTD-TV zu stoppen, heißt es da: „Wir hätten auch jeden anderen der Transponder abschalten können.“

          Ganz schrecklich aber wäre es, gibt der Eutelsat-Vertreter preis, würde jemand erfahren, dass es noch Ersatzplätze gibt. Dem Himmel sei Dank, dass ein technisches Problem die Gelegenheit eröffnet habe, den chinesischen Sender vom Satelliten zu nehmen, seit Jahren habe die Pekinger Regierung darauf gedrungen, auch der chinesische Botschafter in Frankreich sei in der Causa vorstellig geworden. Nun werde man mit dem chinesischen Staatsfernsehen CCTV ja vielleicht besser ins Geschäft kommen.

          Fragwürdige Koinzidenzen

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