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Kultur in Fernost : Was sagt uns Chinas Kunst?

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Zheng Guogu: Honeymoon, 1996, Fotografie 100 cm x 60 cm Bild: Dumont Verlag

Alle reden von chinesischer Kunst. Sie erzielt auf Auktionen Rekordpreise. Alle Galerien wollen Filialen in Peking haben. Aber was sieht man, wenn man dort nach Kunst sucht? Niklas Maak hat sich im Reich der Mitte umgeschaut.

          6 Min.

          Chinesische Kunst? Man kennt Ai Weiwei, der bei der Documenta im vergangenen Jahr tausend Landsleute einflog und aus alten Türen einen Turm aufstapelte, der dann beim ersten Sturm zusammenbrach. Man weiß vielleicht, dass - laut Branchendienst „Artprice“ - unter den hundert teuersten zeitgenössischen Künstlern gut ein Drittel Chinesen sind.

          Man weiß aber leider auch, wie diese Kunst aussieht, die da zu Höchstpreisen verkauft wird: rote Köpfe in Öl. Kalkbleich gemalte Maoisten in Acryl. Breit grinsende Figuren, die sich darüber totzulachen scheinen, zu welchen Preisen sie gerade verkauft werden. Und es sind vor allem die Bilder des Malers Yue Minjun, die knallrosafarbenen, grienenden Lachchinesen, die daran schuld sind, dass man beim Stichwort „chinesische Gegenwartskunst“ sofort Kopfschmerzen bekommt.

          Natürlich kann das nicht alles sein; natürlich muss es irgendwo in China auch interessante, gute, spannende Kunst geben. Aber wo?

          Yue Minjun: ohne Titel, 2005, Öl auf Leinwand, 2,20 m x 2 m

          Auf der Suche

          Wer in Peking auf die Suche geht, macht vor allem die Erfahrung, dass immer schon jemand da ist, der einem sagt, hier sei nun leider der völlig falsche Ort, man müsse ganz woanders hin. Im National Art Museum of China, dem „Namoc“, sahen wir die üblichen blassen Ölgemälde von irgendwie halb ironisch gemeinten rotköpfigen Porzellanmaoisten. Auf der Kunstmesse CIGE sahen wir die gleichen Köpfe, dazu kopulierende Skelette in Öl.

          Man sagte uns, wir sollten in den Kunstbezirk 798 fahren, wo sich das vielgefeierte Ullens Center for Contemporary Art befindet und die New Yorker Galerie Pace Wildenstein pünktlich zum Beginn der Olympischen Spiele in einer alten Munitionsfabrik eine millionenteure Filiale eröffnet. Im Quartier 798 trafen wir die junge Künstlerin Wang Yun, die uns sagte, hier hänge leider größtenteils nur kommerzielle und offizielle Kunst; das wirkliche Kunstpeking finde im Cao Chang Di Village statt.

          Also nahmen wir eines der porösen Hyundai-Taxis und fuhren dorthin. Das Taxi rumpelte über die Wu-Yuan-Brücke und unter der fünften Ringstraße hindurch in ein Viertel aus flachen, grauen Backsteinbauten, das ein wenig nach Los Angeles aussah.

          Orangensaft und schrille Mode

          Es war ein warmer, trockener Abend, wir fuhren an Ai Weiweis Atelier vorbei und hielten in einer Toreinfahrt, vor der ein paar schwarze Range Rover parkten und überhaupt alles sehr danach aussah, als sei der internationale Kunstmarkt auch schon da.

          In der Galerie Boers-Li fand gerade eine Eröffnung statt. Der Galerist stand mit einer schmalen, eleganten Lederkrawatte an der Außenbar, drinnen in der alten Backsteinhalle waren die Ruinen eines lebensgroßen Wohnzimmers zu sehen, das der Künstler Zhang Peili für einen Film kunstvoll in die Luft gejagt hatte.

          Wir tranken einen Orangensaft und schauten uns das Pekinger Vernissagepublikum an. Es waren zur Hälfte Chinesen, die, wie es in Peking gerade Mode ist, schrille, neonfarbene Leggins und andere, latent hysterische Achtziger-Jahre-Postpunk-Glamour-Dinge anhatten, eine Mode, wie sie auch in den Bezirken hinter Tokios Omotesando Hills kultiviert wird.

          Nachholbedarf

          Die meisten Leute in Europa sind ja froh, dass die achtziger Jahre mitsamt ihren giftigen Farben und Ventilatorfrisuren vorbei sind; in China, wo die Achtziger das traurige Jahrzehnt der Ein-Kind-Politik und des Tiananmen-Massakers waren, hat man da noch Nachholbedarf.

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