https://www.faz.net/-gd7-wxvm

Sharon Stone verärgert China : Ein Streit mit Dior

Sharon Stone Bild: AFP

„Ist das Karma?“ hat sich die amerikanische Schauspielerin Sharon Stone laut gefragt. Könnten die Chinesen selbst Schuld sein am Erdbeben - wegen ihrer Tibet-Politik? Dior distanziert sich von seiner Werbeträgerin. Und die entschuldigt sich.

          2 Min.

          Werbung mit Prominenten ist so eine Sache: Hersteller von Konsumgütern setzen immer wieder auf bekannte Gesichter aus der Showbranche und dem Sport, um ihre Produkte zu bewerben. Das kostet oft viel Geld und ist vielleicht etwas einfallslos, kann aber sehr effektiv sein: Der Wiedererkennungswert der Prominenten kann einer Marke unmittelbare Aufmerksamkeit und ein bestimmtes Image verschaffen. Parfums oder Hautcremes dürften vielen Verbrauchern begehrenswerter vorkommen, wenn sie von einer strahlenden Hollywood-Schönheit beworben werden. Müslis oder Brotaufstriche erscheinen womöglich gleich um einiges nahrhafter, wenn sie von einem erfolgreichen Leistungssportler in einem Werbespot vertilgt werden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Strategie, Prominente zu engagieren, hat aber ein ganz großes Risiko: Die angeheuerten Stars können von einem Tag auf den anderen in Ungnade fallen, wenn sie in einen Skandal verwickelt sind. Das passiert immer wieder, zum Beispiel wenn sich ein Sportler auf einmal als gedopt erweist, oder wenn sich ein Filmstar irgendeine Peinlichkeit leistet. Für ein Unternehmen, das auf ein berühmtes Gesicht als Werbefigur gesetzt hat, ist das ein Albtraum: Statt Imagegewinn ist dann plötzlich Krisenmanagement angesagt.

          Genau das ist dem französischen Modehaus Christan Dior nun mit der amerikanischen Schauspielerin Sharon Stone passiert. Seit gut zwei Jahren bewirbt Stone eine Reihe von Dior-Produkten, sie ist auf Plakaten und in Werbespots zu sehen. Unter anderem gibt Stone ihr Gesicht für eine Hautpflegeserie her, die auf Frauen mittleren Alters zugeschnitten ist. Die 50 Jahre alte Schauspielerin scheint dafür eine ideale Werbefigur: Berühmt geworden im Jahr 1992 mit ihrer Rolle als Vamp im Thriller „Basic Instinct“, wird sie bis heute zu den Frauen mit dem meisten Sex-Appeal in Hollywood gerechnet.

          Stone verneigt sich vor dem Dalai Lama - während einer Veranstaltung im Jahr 2004
          Stone verneigt sich vor dem Dalai Lama - während einer Veranstaltung im Jahr 2004 : Bild: AFP

          Unsensibel und taktlos

          Jetzt aber hat sie mit einer als unsensibel und taktlos empfundenen Äußerung für Aufregung gesorgt und damit den Luxusgüterkonzern Dior in arge Erklärungsnot gebracht: Vor wenigen Tagen hat sie bei den Filmfestspielen in Cannes suggeriert, China habe sich das jüngste verheerende Erdbeben womöglich selbst zuzuschreiben – wegen seiner umstrittenen Politik in der nach Unabhängigkeit strebenden Region Tibet.

          Stone äußerte auf einem Roten Teppich in das Mikrofon eines Fernsehsenders aus Hongkong ihren Unmut darüber, wie die Chinesen die Tibeter behandeln, und fügte die brisante Aussage hinzu: „Und dann passiert das Erdbeben und alle diese Dinge, und ich dachte mir: Ist das Karma? Dass schlimme Dinge passieren, wenn Du nicht nett bist?“

          Die Bemerkungen lösten in China einen Sturm der Entrüstung aus. Viele Chinesen empfanden die Aussagen als Beleidigung für die Opfer der Katastrophe, bei der nach bisherigen Schätzungen 68.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Sehr schnell entstand eine Boykottbewegung – sowohl gegen Sharon Stone als auch gegen Dior. Der Betreiber einer der größten chinesischen Kinoketten kündigte an, in seinen Theatern keine Filme mit der Schauspielerin mehr zu zeigen. Lokalen Zeitungsberichten zufolge wurde in chinesischen Warenhäusern Werbematerial für Dior-Produkte entfernt, die das Gesicht von Stone zeigten. Christian Dior betreibt 68 Läden in China, davon 11 in Peking.

          Rückzieher gemacht

          Das französische Modeunternehmen sah sich gezwungen, zu reagieren: Dior distanzierte sich in einer Stellungnahme von seiner Werbeträgerin und kündigte an, dass Sharon Stone nicht mehr in China eingesetzt wird. Gleichzeitig machte die Schauspielerin einen Rückzieher und veröffentlichte eine Entschuldigung: „Es tut mir aus ganzem Herzen leid, dass ich das chinesische Volk verletzt habe.“

          Es blieb zunächst unklar, ob die Kontroverse auch Auswirkungen auf die Werbeaktivitäten von Stone für Dior außerhalb Chinas haben wird. Andere Fälle in der Vergangenheit haben indessen gezeigt, dass über solche Skandale recht schnell Gras wachsen kann. So hat das britische Model Kate Moss im Jahr 2005 eine ganze Reihe von hochdotierten Werbeverträgen verloren, nachdem Fotos an die Öffentlichkeit gekommen waren, in denen sie Kokain zu konsumieren schien. Schon nach kurzer Zeit wurde sie aber schon wieder mit neuen Angeboten für Werbeverträge überschüttet.

          Weitere Themen

          Kongress leitet Ermittlungen gegen Trump-Verbündeten ein Video-Seite öffnen

          Matt Gaetz : Kongress leitet Ermittlungen gegen Trump-Verbündeten ein

          Das amerikanische Repräsentantenhaus hat eine Untersuchung zu Sex- und Drogenvorwürfen gegen den umstrittenen republikanischen Abgeordneten Matt Gaetz eingeleitet. Gaetz wies die Vorwürfe zurück und gab an, er sei Opfer von Erpressung.

          Topmeldungen

          Jérôme Boateng muss den FC Bayern nach zehn Jahren verlassen.

          Abschied vom FC Bayern : Boateng im Abseits

          Als Hoeneß neulich Boateng anzählte, wurde dieser öffentlich nur von einem Bayern-Mitarbeiter verteidigt: Trainer Flick. Und so könnte die Trennung von Boateng in München noch weitere Folgen haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.