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China nach dem Beben : Bürgergesellschaft der Helfenden

  • -Aktualisiert am

Die gesellschaftlichen Folgen des Bebens sind noch nicht abzusehen Bild: dpa

Die Art und Weise, wie China mit dem verheerenden Erdbeben in Sichuan umgegangen ist, hat die Welt überrascht - und ein wenig sogar China selbst. Es wird sich zeigen, ob die da aufbrechende Energie in die Entstehung einer Zivilgesellschaft mündet.

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          Die Art und Weise, wie China mit dem verheerenden Erdbeben in Sichuan umgegangen ist, hat die Welt überrascht - und ein wenig sogar China selbst. Im Unterschied zu früheren Katastrophen reagierte die Regierung rasch und umsichtig und ließ zudem eine Medienberichterstattung zu, die sich zwar nicht allen kritischen Fragen des Ereignisses stellte, aber doch ungleich umfassender, akkurater und verlässlicher war als bei schlechten Nachrichten in der Volksrepublik früher üblich.

          Das Ungewohnteste aber war die Reaktion der chinesischen Gesellschaft. Vor allem aus den ersten Zeiten der kommunistischen Herrschaft ist sie mit kollektiven Kampagnen fürs Gemeinwohl, im Namen der Nation oder der Revolution, vertraut. Was sich in den beiden letzten Wochen in China abspielte, war aber etwas ganz anderes.

          Erschüttert von dem Leid, das da innerhalb weniger Minuten über Hunderttausende hereinbrach und das das Fernsehen rund um die Uhr vor Augen führte, bildete sich noch vor dem ersten staatlichen Appell eine Bürgergesellschaft der Helfenden, wie man sie bis zu diesem Zeitpunkt nicht kannte. Zweihunderttausend Freiwillige stellten sich den Rettungskräften zur Verfügung, Zahllose spendeten ihr Blut, die Geldspenden erreichten Rekordhöhen.

          Als die Regierung Anfang der Woche drei Trauertage verhängte, entsprach sie damit nur einem vorher von vielen im Internet geäußerten Verlangen. Insbesondere die drei Trauerminuten am Montag boten das bislang unbekannte Schauspiel einer Nation, die nicht aus „Massen“ besteht, wie der bislang gern gebrauchte Begriff lautet, sondern aus vielen Einzelnen, die auf eine sehr persönliche Weise dem Erlass folgen.

          Es wird sich zeigen, ob die da aufbrechende Energie bloß in einen Patriotismus mündet, den sich der autoritäre Staat zunutze machen kann, oder in die Entstehung einer Zivilgesellschaft.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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