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Chinas Außenpolitik : Die „Umarmung“ Afrikas

  • -Aktualisiert am

Plakat beim China-Afrika-Gipfel in Peking 2006 Bild: picture-alliance/ dpa

Kaum ein chinesisches Auslandsengagement ist so umstritten wie das in Afrika. Zur Sicherung seiner Rohstoffversorgung investiert Peking enorme Summen auf dem schwarzen Kontinent - und geht dabei nicht gerade zimperlich vor.

          Kaum ein chinesisches Auslandsengagement ist so umstritten wie das in Afrika. Zur Sicherung seiner Rohstoffversorgung investiert China enorme Summen auf dem schwarzen Kontinent und geht dabei nicht gerade zimperlich vor. Die Chinesen schauen weder auf die demokratische Gesinnung ihrer Geschäftspartner noch auf die Achtung von Menschenrechten und konterkarieren somit die Bemühungen des Westens, neue Kredite für afrikanische Regierungen an politische Bedingungen zu knüpfen.

          Das beste Beispiel dafür ist Sudan. Dort ist der staatliche chinesische Konzern „China National Petroleum Corporation“ (CNPC) zum größten Ölförderer aufgestiegen, während China das Regime in Khartum mit Waffen beliefert. Alle Bemühungen der Vereinten Nationen, den Krieg in Darfur zu beenden, sind nicht zuletzt aufgrund chinesischer Wirtschaftsinteressen bislang ins Leere gelaufen. Rund 70 Prozent der sudanesischen Jahresproduktion an Öl fließen mittlerweile nach China, was sechs Prozent des chinesischen Ölbedarfs entspricht.

          Kredit gegen Öl

          Ein anderes Beispiel ist Angola, das 2003 von China einen Kredit über zwei Milliarden Dollar erhielt, nachdem die Weltbank einen solchen mit Hinweis auf die grassierende Korruption in dem Ölland verweigert hatte. Mittlerweile ist der Kredit auf sieben Milliarden Dollar gewachsen. Chinesische Firmen bauen dafür in Angola Straßen, Eisenbahnlinien, Trabantenstädte und ein flächendeckendes Telekommunikationsnetz. Der Kredit wird mit Rohstoffen - sprich Öl - getilgt. Mittlerweile hat Angola Saudi-Arabien als Chinas größter Öllieferant abgelöst. 500.000 Fass der täglichen Fördermenge von 1,4 Millionen Fass gehen ins Reich der Mitte.

          Präsident Hu empfing damals Sudans Präsident Baschir - und verteidigte Chinas Engagement in dem Land

          In Kongo-Kinshasa wiederum schlossen drei chinesische Unternehmen unlängst einen Vertrag ab, der vorsieht, dass Kongo den Unternehmen über einen Zeitraum von 30 Jahren die Versorgung mit Rohmetallen garantiert. Dabei geht es um acht Millionen Tonnen Kupfer, 200.000 Tonnen Kobalt und knapp 400 Tonnen Gold. Im Gegenzug wollen die Chinesen zwölf Straßen, drei Autobahnen, eine Eisenbahnlinie, 32 Krankenhäuser, 145 Gesundheitszentren, zwei Universitäten und 5000 Sozialwohnungen in Kongo bauen.

          Die „Industrial and Commercial Bank of China“ (ICBC) erwarb zu Beginn dieses Jahres für 5,5 Milliarden Dollar 20 Prozent der südafrikanischen Standard Bank, die stark in der Finanzierung von Bergwerken unter anderem in Kongo engagiert ist. In Nigeria wiederum wollen die Chinesen eine Freihandelszone schaffen, in der von Lebensmitteln bis zu Zement alles Mögliche preisgünstig produziert und anschließend exportiert werden kann.

          China könnte Amerika bald abgehängt haben

          Betrug das Handelsvolumen zwischen China und dem afrikanischen Kontinent im Jahr 2002 noch rund 10 Milliarden Dollar, lag es im vergangenen Jahr schon bei 56 Milliarden. Bis 2010, so die Prognosen, soll das Handelsvolumen auf mehr als 100 Milliarden Dollar klettern, womit China Amerika als größten Handelspartner verdrängen würde. Schon jetzt arbeiten mehr als 800 chinesische Firmen in Afrika. Schätzungen zufolge gewinnen chinesische Unternehmen mittlerweile 50 Prozent aller öffentlichen Ausschreibungen auf dem Kontinent. Ist China dabei, Afrika zu übernehmen?

          Der senegalesische Präsident Abdoulaye Wade jedenfalls machte in einem Beitrag für die Londoner „Financial Times“ zu Beginn des Jahres eine einfache Rechnung auf: Mit der Weltbank muss er bis zu fünf Jahre über die Finanzierung von Infrastrukturprojekten verhandeln, mit den Chinesen hätten die gleichen Verhandlungen genau drei Monate gedauert. Und darauf komme es an: Afrika braucht Infrastruktur, nicht morgen, sondern heute. Und die Chinesen liefern sie.

          Insofern, so Wade, sei das Gejammer der westlichen Welt über die chinesische Welle, die gegenwärtig über Afrika rolle, wohl eher von der Sorge getragen, dass den etablierten Handelsmächten mit China eine Konkurrenz in Afrika erwachse, die nicht nur wettbewerbsfähig sei, sondern auch Angebote mache, die exakt auf die Bedürfnisse des Kontinents zugeschnitten sind.

          Unwohlsein vor einem „Neokolonialismus“

          Gleichwohl regt sich in Afrika bereits Unwohlsein über diese Umarmung aus Fernost. Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki jedenfalls warnte im vergangenen Jahr vor einer „ungleichen Beziehung“ zu China, die sich zu einer Form von „Neokolonialismus“ entwickeln könne. Kurz darauf führte Südafrika Importquoten für chinesische Textilien ein, um die heimische Industrie vor der billigen Konkurrenz zu schützen. Und der erklärte China-Fan Wade lässt sich sein Staatsdefizit lieber von französischen Banken als von chinesischen finanzieren.

          In Nigeria lockten die Chinesen ebenfalls mit einem milliardenschweren Kredit für Infrastrukturmaßnahmen, um im Gegenzug einen Fuß in die Tür zum Ölgeschäft zu bekommen. Eine Sonderbehandlung aber erhielten sie nicht, und wenn sie nunmehr doch einen Anteil an einem ergiebigen Ölfeld in Nigeria halten, dann nur, weil sie die Konzession nach Ansicht von Analysten bar und vor allem viel zu teuer bezahlten. Die Nigerianer hatten den Chinesen vielmehr klargemacht, dass sie sich mit den Konkurrenten aus Indien, Südkorea, Malaysia und Brasilien messen müssten.

          Ohnehin kann von einer chinesischen Dominanz speziell bei der Rohstoffförderung in Afrika vorerst noch keine Rede sein. Bestenfalls zwei Prozent aller nennenswerten Ölfelder in Afrika werden gegenwärtig von chinesischen Unternehmen bewirtschaftet. Bei den metallenen Rohstoffen sieht es ähnlich aus. Von dem begehrten Kupferminen in Kongo und Sambia ist lediglich eine größere (in Sambia) in chinesischer Hand. Der Rest wird von Bergbaukonzernen aus Australien, Kanada, Amerika und Südafrika ausgebeutet.

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