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China und Japan : Der Krieg bleibt unvergessen

  • -Aktualisiert am

Kriegsveteranen am Yasukuni-Schrein Bild: picture-alliance/ dpa

Chinas Aufstieg bietet für Japans Wirtschaft große Chancen. Doch politisch ist er eine Herausforderung: Besorgt sieht man den Zuwachs chinesischer Militärmacht. In der Volksrepublik dagegen bleibt die Zeit der japanischen Besatzung unvergessen.

          Die Zeit der japanischen Besatzung ist in China unvergessen. Nicht nur die ältere Generation, auch die junge weiß darüber bestens Bescheid, dank auch der ausführlichen anti-japanischen Propaganda in China. Denn die Vertreibung der Japaner, den Sieg im „anti-japanischen Krieg“, hat sich die Kommunistische Partei auf die Fahnen geschrieben. Er ist ein Teil der Legitimationsgrundlage für ihre Herrschaft.

          Zwar haben China und Japan 1972 mit einem Vertrag die Beziehungen normalisiert und einander versichert, in die Zukunft schauen zu wollen. Die chinesische Regierung verzichtete auf Reparationszahlungen, die japanische gewährte im Gegenzug großzügige Entwicklungshilfe-Kredite. So konnten die Wirtschaftsbeziehungen blühen und der politische Austausch gut nachbarlich abgewickelt werden. Doch kommt die Kriegsvergangenheit besonders in China jedes Mal wieder hervor, wenn die Beziehungen sich schwierig gestalten.

          Seite an Seite mit Amerika

          Chinas Aufstieg bietet für Japans Wirtschaft große Chancen. China ist nicht nur billiger Produktionsstandort für japanische Unternehmen, es ist auch ein riesiger Markt für japanische Produkte, von Autos bis zu Elektronik-Artikeln. In den vergangenen Jahren wurde die Volksrepublik China für Japan aber auch immer mehr zur politischen Herausforderung.

          In schwarzem Anzug besuchte Ministerpräaisent Koizumi den Schrein im August 2006

          Noch ist Japans Macht zwar stärker, doch das riesige Nachbarland mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern wird zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten in Asien. Besorgt sieht man auch den Zuwachs der chinesischen Militärmacht. In den vergangenen Jahren hat das chinesische Militärbudget jeweils um die 18 Prozent zugenommen. Das wurde besonders in Japan kritisiert. Dort fühlt man sich bedroht und fordert mehr Transparenz.

          Unter der Regierung Koizumi reagierte Japan auf Chinas Aufstieg mit enger Anlehnung an Amerika. Da Ministerpräsident Koizumi dazu auch noch den Yasukuni-Schrein besuchte, in dem Japans Kriegstote, darunter auch Kriegsverbrecher, verehrt werden, legte China die hohen politischen Kontakte auf Eis. Öffentliche Empörung über Japan äußerte sich im Jahr 2005 sogar in Ausschreitungen und Protesten gegen Japan.

          Japanisch-chinesischer Schlagabtausch

          China fordert bei solchen Gelegenheiten, dass Japan sich für seine Kriegsverbrechen entschuldigen müsse. Japan stellt sich auf den Standpunkt, dass dies vor langer Zeit schon geschehen sei. China verweist auf konservative Kräfte in Japan, die noch immer die Invasion in China verharmlosen. Japan sagt wiederum, dass dies keine Regierungspolitik sei.

          Erst nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Koizumi konnte Ministerpräsident Abe in seiner kurzen Regierungszeit immerhin durch einen Besuch in China eine Entspannung in den politischen Beziehungen erreichen. Ministerpräsident Wen Jiabao besuchte im Jahr 2007 Japan und war deutlich um eine freundliche Atmosphäre bemüht.

          Im Mai 2008 hat Staatspräsident Hu Jintao als erster chinesischer Staatspräsident in acht Jahren mit seinem Besuch in Japan die Normalität wieder ganz hergestellt. Wichtiges Element der neuen Beziehungen: ein groß angelegter Austausch von Jugendlichen, bei dem der deutsch-französische Jugendaustausch Pate gestanden hat.

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