https://www.faz.net/-gpf-ai30o

Tennisspielerin Peng Shuai : Chinas Staatsfernsehen verbreitet ominöse E-Mail nach Verschwinden

Die verschwundene Tennisspielerin Peng Shua soll sich mit einer Email zu Wort gemeldet haben. (Archivbild von 2016) Bild: dpa

Nach Missbrauchsvorwürfen gegen einen früheren Spitzenfunktionär ist die frühere Profispielerin Peng Shuai verschwunden. Ein fragwürdiges Schreiben soll beweisen, dass es ihr gut geht – doch es gibt Zweifel, ob es überhaupt echt ist.

          2 Min.

          Nachdem zahlreiche namhafte Tennisspieler sich besorgt über das mutmaßliche Verschwinden der früheren chinesischen Profispielerin Peng Shuai geäußert haben, reagierte am Mittwochabend das chinesische Staatsfernsehen. Der englischsprachige Kanal CGTN veröffentlichte auf Twitter eine E-Mail, in der Peng angeblich schrieb: „Ich bin weder verschwunden noch gefährdet, ich habe mich nur zu Hause ein bisschen ausgeruht, und alles ist gut“. Die Darstellung, dass sie Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden sei, sei „nicht wahr“, heißt es dort.

          Die E-Mail ging an den Präsidenten der internationalen Frauentennis-Organisation WTA, Steve Simon. Dieser äußerte umgehend Zweifel, dass der Text tatsächlich von Peng stammt. Die Tatsache, dass das Schreiben vom chinesischen Staatsfernsehen in Umlauf gebracht wurde, „erhöht nur meine Sorge um die Sicherheit und den Verbleib von Peng Shuai“, teilte Simon auf der Website der Organisation mit. „Die WTA und der Rest der Welt brauchen einen unabhängigen und nachprüfbaren Beleg dafür, dass sie in Sicherheit ist.“

          Peng bleibt nicht erreichbar

          Simon sagte, er habe mehrfach vergeblich versucht, Peng auf verschiedenen Kanälen  persönlich zu erreichen. Ihr müsse erlaubt werden, „frei und ohne Zwang oder Einschüchterung zu sprechen“. Simon forderte außerdem eine transparente, unzensierte Untersuchung der Missbrauchsvorwürfe.

          Die frühere Tennisspielerin hatte dem früheren stellvertretenden Ministerpräsidenten Zhang Gaoli Anfang November in einem offen Brief im sozialen Netzwerk Weibo vorgeworfen, sie vor zehn Jahren und vor drei Jahren zum Sex gezwungen zu haben. Zugleich enthüllte sie, mit dem heute 75 Jahre alten Spitzenfunktionär über längere Zeit eine geheime Affäre gehabt zu haben. Ihr Text war von Chinas Zensoren innerhalb weniger Minuten aus dem Internet gelöscht worden. Seither ist Peng nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten, was in der internationalen Tenniswelt Sorgen über ihre Sicherheit ausgelöst hatte.   

          Stichwortsuche im Internet in China blockiert

          Von chinesischer Seite hatte es zu den Vorwürfen bisher keine Stellungnahme gegeben. Medien in China hatten über den Fall nicht berichtet. Auch der Verweis auf die angebliche E-Mail Pengs wurde am Mittwoch allein über den englischsprachigen Kanal des Staatsfernsehens verbreitet. Das chinesische Programm schwieg dazu. Die Stichwortsuche nach Peng Shuai ist im chinesischen Internet noch immer blockiert.

          „Es fällt mir schwer zu glauben, dass Peng Shuai die E-Mail, die wir bekommen haben, tatsächlich geschrieben hat oder daran glaubt, was ihr zugeschrieben wird“, äußerte der Präsident der Spielerinnenvereinigung WTA. Sie habe großen Mut bewiesen, als sie den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs durch einen chinesischen Spitzenfunktionär vorgebracht habe.    

          In der angeblich von Peng stammenden Nachricht heißt es, sie bitte darum, dass weitere Darstellungen der WTA zu ihrer Person mit ihr abgestimmt würden. Sie bedanke sich bei allen Beteiligten für die Fürsorge und Kameradschaft. In den vergangenen Tagen hatten sich führende Spielerinnen wie Naomi Osaka und Serena Williams sowie Spieler wie Novak Djokovic besorgt und geschockt über die Lage Pengs geäußert.  

          Weitere Themen

          Lauterbach will kein Impfregister einführen

          Sorge um den Datenschutz : Lauterbach will kein Impfregister einführen

          Ein Register sei nicht nötig, um den Fortgang der Impfkampagne zu überwachen, argumentiert der Gesundheitsminister. Stattdessen schlägt Karl Lauterbach vor, PCR-Tests zu priorisieren – vielerorts seien die Kapazitätsgrenzen der Labore überschritten.

          Topmeldungen

          Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Montag in Schwerin

          Sorge um den Datenschutz : Lauterbach will kein Impfregister einführen

          Ein Register sei nicht nötig, um den Fortgang der Impfkampagne zu überwachen, argumentiert der Gesundheitsminister. Stattdessen schlägt Karl Lauterbach vor, PCR-Tests zu priorisieren – vielerorts seien die Kapazitätsgrenzen der Labore überschritten.