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China : Der Faktor Untergrund

  • -Aktualisiert am

Trauer um Papst Johannes Paul II. in China Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Traum von Johannes Paul II. erfüllte sich nicht mehr: China hat er nie besucht. Die Katholiken sind dort mit rund fünf Millionen Gläubigen eine Minderheit. Lange Zeit litten sie unter Verfolgung. Nun könnte die Volkrepublik ein Schwerpunkt der Mission werden.

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          Es war ein Traum von Johannes Paul II., der sich nicht erfüllt hat: Oft hat der Papst die Hoffnung ausgesprochen, eines Tages auch China zu besuchen, in vielen Stellungnahmen hat er seine Verbundenheit mit der Kirche in China und seine Sorge um die Gläubigen dort ausgedrückt.

          Dabei schien der Traum im Jahr 1999 kurz vor der Verwirklichung zu stehen. Damals kündigte der Vatikan erstmals öffentlich an, daß er bereit sei, die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abzubrechen und damit den Weg zu einer "Normalisierung" der Beziehungen zur kommunistischen Regierung in Peking frei zu machen.

          Offizielle Entschuldigung

          Doch auf das hoffnungsvolle Angebot des Vatikans ließ die chinesische Regierung eine neue Eiszeit folgen. Als Johannes Paul II. im Jahr 2000 120 Märtyrer der chinesischen Kirche heiligsprach, beschloß Peking, dies als Provokation aufzufassen. Die Kontakte wurden wieder abgebrochen.

          Selbst eine offizielle Entschuldigung von Johannes Paul II. ein Jahr später für Fehler, die die katholische Mission in China im 19. Jahrhundert und im beginnenden 20. Jahrhundert begangen habe, konnte die chinesische Regierung nicht umstimmen. Ob unter einem neuen Papst gelingen kann, was sich unter Johannes Paul II. nicht verwirklichen ließ, wird nun hauptsächlich vom guten Willen Pekings abhängen.

          Haltung nicht geändert

          Anzeichen für einen neuerlichen Versuch der Annäherung gibt es. Wenige Tage vor dem Tod des Papstes hatte der belgische Kardinal Danneels die chinesische Hauptstadt besucht. Zum ersten Mal wurde ein Kardinal in Peking nicht nur vom Staatlichen Religionsbüro, sondern sogar von einem stellvertretenden Ministerpräsidenten zu einem Gespräch empfangen.

          Wegen der Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Papstes mußte der Kardinal seinen Besuch vorzeitig abbrechen, es wurde nicht bekannt, welche Nachrichten aus China er mit nach Rom genommen hat. Allerdings zeigte sich dann bereits bei der Entscheidung über eine Teilnahme am Begräbnis in Rom, daß die Pekinger Führung ihre Haltung zur katholischen Kirche nicht geändert hat.

          Potentieller Hort des Dissenses

          Die offizielle katholische Kirche Chinas durfte keinen Repräsentanten zum Begräbnis senden, weil Taiwans Präsident Chen Shui-bian anwesend war. Und die Pekinger Führung zeigte auch aus Anlaß des Begräbnisses keine Flexibilität und kritisierte in altgewohnter Manier den Vatikan und Italien dafür, daß sie dem Präsidenten Taiwans ein Visum für die Reise nach Rom gewährt hatten. Wie alle Religionsgemeinschaften wird auch die katholische Kirche von der Kommunistischen Partei als potentieller Hort des Dissenses betrachtet und genau kontrolliert.

          Religion kann nur in einem von der Partei vorgegebenen Rahmen praktiziert werden. Der Pekinger Führung ist aber daran gelegen, sich vor den Olympischen Spielen in Peking im Jahr 2008 der Welt als religiös tolerant und weltoffen zu präsentieren. Und es wäre ein willkommener Prestigegewinn für die Volksrepublik und ein Schlag für die von Peking geschmähte Regierung Taiwans, wenn der Vatikan Taiwan aufgäbe und diplomatische Beziehungen zu Peking unterhielte.

          Die katholische "Untergrundkirche"

          Das Verhältnis zwischen Peking und dem Vatikan umfaßt aber weit mehr Aspekte als nur die Frage der diplomatischen Beziehungen. Die katholische Kirche in China ist gespalten. Die Kommunisten verlangten zu Beginn ihrer Herrschaft vor fünf Jahrzehnten , daß die chinesische Kirche sich von Rom lossagen müsse.

          Sie setzten eine "patriotische Vereinigung" in der Kirche ein, die sicherstellen soll, daß Priester und Bischöfe keine Beziehungen zum Vatikan pflegen und sich genau an die staatlichen Vorschriften halten. Ein Teil der chinesischen Katholiken wollte diese Unterwerfung nicht mitvollziehen, es bildete sich die katholische "Untergrundkirche", die dem Papst treu blieb und deren Priester und Gläubige unter Lebensgefahr ihren Glauben praktizierten.

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