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Cem Özdemir : „Teuerster Kredit meines Lebens“

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Grünen-Abgeordneter Cem Özdemir sagt, er sei mit dem Kredit von PR-Mann Hunzinger keine politischen Verpflichtungen eingegangen.

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          Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir hat erneut betont, mit dem Erhalt eines Kredits über 80.000 Mark vom PR- Berater Moritz Hunzinger keinerlei Verpflichtungen eingangen zu sein. Özdemir sagte am Montag, er sei damals froh gewesen, unbürokratisch und schnell an den Kredit gekommen zu sein. „Ich sage aber im Nachhinein, dass war der teuerste Kredit meines Lebens.“

          Zwei Dinge lege er sich im Nachhinein selber zur Last, sagte Özdemir. Zum einen, dass er damals keine Rücklagen für die Steuer gebildet habe und zum anderen, dass er nicht zu einer regulären Bank gegangen sei. „Ich sage aber nochmal: ein privates Darlehen ist keine irgendwie geartete Zahlung oder Spende oder Honorar. Es gab keine Verpflichtungen irgendwelcher Art.“

          Özdemir hatte am Wochenende eingeräumt, ebenso wie Ex- Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) finanzielle Kontakte zu Hunzinger gehabt zu haben. Er habe im Januar 1999 einen Kredit über 80.000 Mark erhalten und mit dem Darlehen zu „marktüblichen Zinsen“ von 5,5 Prozent eine Steuernachforderung beglichen. Falls dieser Zinssatz unter den damals marktüblichen Preisen gelegen habe, werde er den Differenzbetrag an das Rehabilitationszentrum für Folteropfer spenden, sagte Özdemir.

          Der Grünen-Abgeordnete sagte, er halte den Kredit für nicht deklarationspflichtig. Scharping hatte die von Hunzinger gezahlten Honorare in Höhe von 140.000 Mark dem Bundestagspräsidium nicht angezeigt.

          Hunzinger will Geschäftsmodell überprüfen

          Hunzinger sagte der „Bild“-Zeitung, er werde seine Firmenpolitik überdenken. „Wir werden unser Geschäftsmodell überprüfen“, sagte er. Anlass für eine grundlegende Änderung der Geschäftspraktiken sehe er jedoch nicht. „Hier gibt es keine Tarnkappen und keine Dunkelkammern. Wir arbeiten öffentlich, transparent“, sagte Hunzinger weiter.

          Zahlungen an Parteien und Politiker wie den zurückgetretenen Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) erklärte Hunzinger mit dem Zeitaufwand der Politiker, der entlohnt werden müsse: „Man kann solchen Persönlichkeiten nicht die Zeit stehlen, ohne selbst auch etwas zu geben.“ Auch Besuche von Politikern in Firmen würden fast immer gegen eine Spende an die Partei geschehen. Politiker und Parteien bräuchten Geld für Info-Broschüren, Mitarbeiter und Dienstreisen. Es wäre deshalb „Unsinn“, Parteispenden so zu „dämonisieren“, wie das jetzt geschehe.

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