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CDU-Parteitag : Kommentar: Merkels Bewerbungsrede

  • -Aktualisiert am

Merkel fordert heraus Bild: dpa

Die Kanzlerkandidatur ist nicht Thema des CDU-Parteitages. Die Parteivorsitzende Angela Merkel hielt trotzdem eine Bewerbungsrede. Ein Kommentar.

          2 Min.

          Parteitage sind dazu da, sich zu feiern, sich Mut zuzusprechen, zumindest für einen Moment die Wirklichkeit per Weichzeichner zu sehen.

          Der Parteitag der CDU in Dresden hat zehn Monate vor der Bundestagswahl gleich zu Beginn am Montag ein gutes Stück seines Auftrages erfüllt. Die Parteivorsitzende Angela Merkel erhielt nach ihrer 80-minütigen Grundsatzrede einen mit 6 Minuten, 36 Sekunden ungewöhnlich langen Beifall. Einen Tag, bevor der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber in Dresden ein Grußwort an die Schwesterpartei richtet, hat Merkel einen ordentlichen Vorsprung hingelegt.

          „Nehmer- und Steherqualitäten“

          Nein, offiziell steht das Rennen um die Kanzlerkandidatur nicht auf der Tagesordnung. Dabei ist es das einzige Thema des Parteitages überhaupt - ungeachtet aller Dementis auch der Parteiführung.

          Das weiß auch Angela Merkel. „Wir haben es allen gezeigt. Wir kämpfen, und wir können gewinnen.“ Mit diesen Worten leitete die Parteivorsitzende, die die Kanzlerkandidatur offiziell erst im Frühjahr 2002 entscheiden will, ihre Grundsatzrede ein. Wenn sie davon spricht, dass die Union „Nehmer- und Steherqualitäten“ bewiesen habe und beweise, dann spricht sie offensichtlich auch immer von sich. Dresden wird als Bewerbungsrede in Erinnerung bleiben.

          „Mit aller Konsequenz“

          Nach einem starken Anfang fehlte dem Auftritt der Chefin in der Mitte zwar ein wenig der Schwung, aber sie schließt mit einem großen Finale. „Mein Ziel ist der Sieg bei der Bundestagswahl.“ Merkels Sprecher betonten zwar immer wieder, dass solche Ziele nie ausschließlich persönlich, sondern immer auf die Union als ganzes gemünzt seien. Aber gerade bei solchen Passagen, in denen von Wahlsieg nach nur vier Jahren Opposition die Rede ist, brandete der Beifall der Delegierten nicht spontan auf. Sie hören die Botschaft, aber warum fehlt ihnen offensichtlich der rechte Glaube?

          Trotzdem: Nach diesem - für ihre Verhältnisse - starken Auftritt kann Merkel kaum jemand das Recht des ersten Zugriffs auf die Kanzlerkandidatur streitig machen. Nicht ihr Vorgänger Wolfgang Schäuble, der mit seinem Interview-Hinweis auf eine Entscheidung über die Kanzlerkandidatur durch die Unionsfraktion noch einmal querschießt. Und auch nicht Edmund Stoiber, dem es an Entschlossenheit mangelt, mit aller Konsequenz nach der Kandidatur zu greifen. Selbst wenn er am Dienstag in Dresden mit seiner Rede nachlegt. Das Schlusswort hat Angela Merkel - nicht nur beim Parteitag.

          Malus der Führungsschwäche

          Vor allem wegen der Wirtschaftsprobleme der Regierung Schröder wittert die Opposition Morgenluft. Ob die CDU - von der CSU ganz zu schweigen - allerdings mit Merkel wirklich eine machtvolle Alternative bieten kann, darf bezweifelt werden. „Mit aller Konsequenz“ müsse die Union im kommenden Jahr hinter dem noch zu benennenden Kandidaten stehen, beschwor Merkel die Partei in Dresden. Gegenwärtig sieht alles so aus, dass auch dann der Merkel-Malus der Führungsschwäche die CDU stärker beherrschen wird als ihr Machtinstinkt.

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