https://www.faz.net/-gpf-41iq

CDU in Hessen : Koch - ein politischer Ironman

  • Aktualisiert am

Roland Koch ist tief im christdemokratischen Milieu verwurzelt Bild: dpa

Schon mehrere Sympathiekampagnen haben Staatskanzlei und Hessen-CDU gestartet, um gegen Roland Kochs Image des kalten Machtmenschen anzugehen. Ein Porträt.

          1 Min.

          Wie kaum ein anderer deutscher Spitzenpolitiker spaltet Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) die Meinungen. Seine Partei steht so geschlossen hinter ihm, dass sie ihn mit 100 Prozent der Stimmen zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl kürte.

          Doch ebenso klar mobilisiert der 44-Jährige seine Gegner: SPD-Herausforderer Gerhard Bökel erhält immer dann den meisten Beifall, wenn er den Mann angreift, der vor vier Jahren das einstige sozialdemokratische Stammland eroberte und den nicht einmal die CDU-Schwarzgeldaffäre davon abhalten konnte, sich bundespolitisch als einer der schärfsten Widersacher von Rot-Grün zu profilieren.

          Manchmal charmant und ironisch

          Schon mehrere Sympathiekampagnen haben Staatskanzlei und Hessen-CDU gestartet, um gegen Kochs Image des kalten Machtmenschen anzugehen. Bei vielen Anlässen durchaus zu Charme und Ironie fähig, machte der Rechtsanwalt immer wieder mit aggressiver Rhetorik und mehr oder weniger kalkulierten Tabubrüchen Schlagzeilen.

          So gewann er den Landtagswahlkampf 1999 mit einer vielfach als ausländerfeindlich kritisierten Kampagne gegen die doppelte Staatsangehörigkeit. Nicht weniger umstritten war seine Forderung, Sozialhilfe-Empfängern Sanktionen zuzumuten. Und vor wenigen Wochen entfachte er mit einem verunglückten NS-Vergleich einen Sturm der Entrüstung.

          Medialer Gegenwind kann Koch allerdings kaum noch schrecken, seit er Anfang 2000 die Schwarzgeldaffäre der Hessen-CDU enthüllen und dabei eine öffentliche Lüge zugeben musste. Als das hessische Wahlprüfungsgericht daraufhin die Gültigkeit der 1999er Wahl in Frage stellte und die FDP über die Zusammenarbeit mit Koch zu streiten begann, wurden schon die politische Nachrufe auf den CDU-Hoffnungsträger geschrieben.

          Tief verwurzelt im christdemokratischen Milieu

          Doch Koch stand den Skandal durch, ohne dass die Regierungstätigkeit erkennbar darunter litt. Die nötige innere Stabilität gab ihm nach eigenen Worten der Zuspruch von Freunden und Familie. Koch ist tief verwurzelt im christdemokratischen Milieu: Der Sohn des früheren hessischen CDU-Justizministers Karl-Heinz Koch gründete mit 14 Jahren im heimatlichen Eschborn einen Ortsverband der Jungen Union und war mit 21 jüngster Kreisvorsitzender der CDU.

          Seinem Vater eiferte er auch beruflich nach und arbeitete in dessen Anwaltskanzlei, während er im benachbarten Frankfurt Jura studierte. Erst mit 25 verließ Koch das Elternhaus, um seine Schulfreundin Anke zu heiraten. Weit entfernte sich der Vater zweier Söhne aber nicht: Ihr neues Heim bauten die Eheleute ebenfalls in Eschborn.

          Weitere Themen

          Der überraschende Aufstieg der Serpil Midyatli

          Neue SPD-Vize : Der überraschende Aufstieg der Serpil Midyatli

          Sie wurde nur wenige Stunden vor ihrer Wahl zur stellvertretenden SPD-Vorsitzenden vorgeschlagen: Serpil Midyatli ist die neue Linke im Parteivorstand. Für die Kielerin eine Chance, aus dem Schatten anderer zu treten.

          Topmeldungen

          Ist die Welt noch zu retten? Eine Frau bei einer Demo in Lissabon.

          Raus aus der Klimakrise : „Moralappelle bringen nichts“

          Der Kölner Spieltheoretiker und Verhaltensökonom Axel Ockenfels erklärt im Interview, wo der Knackpunkt im Klimakonflikt liegt – und auf welcher Grundlage das Problem von der Weltgemeinschaft gelöst werden könnte.

          Muhammad Bin Salmans Pläne : Der Ölprinz mit der Billion

          Er ist jung und braucht das Geld: Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman bringt den weltgrößten Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse. Damit will er nicht nur das Land reformieren, sondern auch die eigene Macht sichern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.