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CDU : Die Lücke nach Roland Koch

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Roland Koch war für die CDU mehr als nur irgendein stellvertretender Parteivorsitzender. Um die Lücke zu füllen, muss sich die CDU darüber klar werden, wer Koch eigentlich war.

          Die Lücke danach bestimmt die Größe des Verlustes. Das gilt auch für die CDU und Koch, der für seine Partei und die Union insgesamt viel mehr ist oder schon war als irgendein stellvertretender Parteivorsitzender neben einer übermächtigen Vorsitzenden. Doch mit wem lässt sich diese Lücke füllen, soll sie nicht mitleiderregend offenstehen wie eine unversorgte Wunde?

          Dazu müsste sich die CDU zunächst darüber im Klaren werden, was Koch für sie eigentlich war: ein Steuer- und Finanzfachmann, ein Wirtschaftpolitiker, ein Law-and-Order-Mann, ein Konservativer? Zwischen den beiden ersten und den beiden letzten Kategorien gibt es einen entscheidenden Unterschied: Die ersten sind Fachgebiete, die letzteren Überzeugungen, zumindest Persönlichkeitsmerkmale. Einen Konservativen durch jemanden zu ersetzen, der lediglich konservativ ist, bringt ebenso wenig, wie einen Organisator von Recht und Ordnung durch einen gesinnungsstarken Lautsprecher kompensieren zu wollen. Konservativismus ist ohnehin in jeder Phase neu; Koch war kein Dregger-Ersatz, die CDU sollte nicht nach dem Koch-Ersatz suchen.

          Anders ist es mit der Fachkompetenz. Jede Partei braucht ohne Unterbrechung Fachleute für alle Felder. Nimmt einer seinen Abschied, so ist schnell ein Nachfolger zu finden. In der Finanzpolitik mag die Parteiführung auf Schäuble verweisen, obwohl er – angesichts seiner früheren Einsatzgebiete – als Spätberufener gelten könnte. Für die Wirtschaftspolitik aber braucht nicht nur die CDU, sondern die Union insgesamt baldigst einen Neuen, denn dieses Ressort ist sowohl in Berlin als auch in München mit FDP-Politikern besetzt. Die Union hat in der Bundespolitik nicht einmal die Ausrede, dieses Kompetenzfeld sei – selbstredend unter den Fittichen der Kanzlerin – zumindest beim Koalitionspartner und damit für die nächste Zeit in allerbesten Händen.

          Luft verschafft der CDU lediglich die (betrübliche) Erkenntnis, dass keine deutsche Partei zur Zeit ein wirtschaftspolitisches Zugpferd vorzuweisen vermag. Bei der SPD ist der Wahlkampfmannschaftsplatzhalter Christ ersatzlos in Vergessenheit geraten; die Grünen trauen sich den Namen ihres Kompetenzträgers fast gar nicht zu nennen; die Linke hat nur Theoretiker. Und nicht einmal die FDP hat einen ebenso einsatzbereiten wie anerkannten Praktiker. Welch eine Gelegenheit für einen CDU-Politiker, sich überraschend einen Namen zu machen.

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