https://www.faz.net/-gpf-7vcj2

Affäre um den Nürburgring : Billen the kid

  • -Aktualisiert am

Alle zu weit weg, um sie zu schießen: Billen wird in seiner Partei nichts mehr. Das weiß er, aber es ist ihm auch egal. Und vielleicht wird er deshalb ja doch noch was Bild: Marcus Kaufhold

Der rheinland-pfälzische Landtagsabgeordnete Michael Billen hat eine Affäre verschuldet, die ihn zu erledigen drohte. Er hat sich jedoch gerettet. Wer ihn heute erlebt, wie er raucht, wie er redet, wie er jagt, hat kaum noch Zweifel daran, dass ihm keiner mehr was kann.

          9 Min.

          Michael Billen, CDU-Landtagsabgeordneter aus der Eifel, hat mal über sich selbst gesagt: „Wo ich sitze, ist vorne.“ Das war auf die Hinterbank im Mainzer Parlament gemünzt, auf die ihn die Fraktionsführung zeitweise abgeschoben hatte. Aber es soll natürlich auch für den Hochsitz gelten, auf dem er sich gerade mit Jagdgewehr und Kippenschachtel häuslich eingerichtet hat. „Noch eine Stunde Büchsenlicht“, sagt Billen angesichts der einsetzenden Dämmerung. Genauer: Er flüstert es. Bei seiner Stimme, die mehr Orkan ist als Organ, kommt das einem Kunststück gleich. Billen zieht den Rauch einer frischen Marlboro bis ganz nach unten. Nie hat er versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. Ein Michael Billen versucht nicht – er macht oder lässt es bleiben. „Beim Jagen zu rauchen ist gut“, flüstert er. „Vertreibt die Fliegen, und man weiß, woher der Wind weht.“

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          In unserem Rücken: sieben Windräder. „Wem’s nicht gefällt, der braucht nicht hinzugucken“, flüstert Billen. Vorne: Wald und Wiesen. Fünf Rehe waren schon zu sehen. Schöne Tiere, aber noch jung und alle zu weit weg, um sie zu schießen. Jetzt ruft ein Eichelhäher. Wovor will er warnen? Da, ein Fuchs, keine hundert Meter vom Hochsitz entfernt. Billen schaut durchs Fernglas, dann legt er an – zu spät. „Drecksack!“, zischt er, als der Fuchs schon im Gebüsch verschwunden ist.

          Ein paar Tage vor der Jagdpartie konnte man in Zeitungen über ein hübsches belgisches Mädchen lesen. Es war als Model unter Vertrag genommen worden und machte dann den Fehler, auf Facebook ein Foto von sich mit einer erlegten Oryxantilope zu posten. Das war’s mit dem Modelvertrag. Juan Carlos erging es nicht viel besser, als seine Elefantenjagd in Botswana ruchbar wurde. Und der war immerhin König. Billen hingegen ist Billen.

          Michael Billen (r.) im Gespräch mit Jagdfreunden: „ (.. ) wenigstens noch ein Kerl, der seine eigene Meinung hat und sie auch sagt.“

          Das bedeutet: Er geht nicht nur auf die Jagd, sondern er stellt auch Bilder mit Trophäen auf seine Homepage: Billen neben einem Hirschgeweih, Billen am Bierglas, Billen an Karneval zwischen zwei Frauen im Leopardenkostüm. Er erzählt, dass er vor zwei Jahren mit Kumpels in Namibia gewesen sei und was er dort geschossen habe: einen Springbock, einen Kudu, eine Oryxantilope. Und während viele Jäger so tun, als sei ihre Art zu jagen besonders unschuldig, weil besonders urwüchsig, sagt Billen auf die Frage, was man zur Jagd anziehen solle: „Ich gehe nur auf Hochsitze, auf die man sich mit dem besten Anzug setzen kann.“

          Hat der Mann keine Angst?

          Billen sagt: „Natürlich gab es die Überlegung, ob ich das Bild mit dem Hirsch ins Internet stellen soll. Aber da war meine klare Entscheidung: Das bin ich. Ich bin Bauer, und ich bin Jäger, kein schlimmer Jäger, aber Jäger. Jäger sind anerkannte Naturschützer, die schießen ja nicht nur tot, sondern die hegen auch und pflegen. Warum soll ich das verstecken? Ich verstecke ja auch nicht, dass ich Motorradfahrer bin und Raucher und Biertrinker. Wenn ich in der Politik den Leuten einen vormachen muss, heimlich auf die Jagd gehen, heimlich Bier trinken oder rauchen, dann höre ich auf.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sandra Maischberger

          TV-Kritik „Maischberger“ : Durcheinander als Unterhaltung

          Nun wird Sandra Maischberger künftig mehrere Themen einer Woche aufgreifen und in wechselnder Besetzung erörtern. Auch der neue Anlauf wirkt nicht überzeugend. Das gilt für das Arrangement ebenso wie für die Details.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.