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Burma und China : Der Ruf nach Intervention

Nach dem Erdbeben zeigt das Regime in Peking eine ungewohnte Offenheit. Die burmesische Junta spielt dagegen trotz der dramatischen Folgen des Zyklons mit dem Leben der Davongekommenen. China sollte seinen Klienten Burma das nicht gewähren lassen.

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          Zwei Naturkatastrophen haben zwei asiatische Länder heimgesucht. Das eine wird von einer Militärjunta beherrscht, das andere von der kommunistischen Partei regiert. Das Regime in Peking zeigt – vermutlich nicht ohne PR-Absicht – eine für seine Verhältnisse ungewohnte Offenheit. Drei Monate vor Beginn der Olympischen Spiele führt es dem Volk und der Welt effizientes Krisenmanagement vor und bedankt sich artig für ausländische Hilfsangebote.

          Die burmesische Junta dagegen spielt mit dem Leben der Davongekommenen und verweigert Mitarbeitern ausländischen Hilfsorganisationen die Einreise. Es ist ein Spiel, das noch Tausende ins Verderben stürzen wird. Keine Frage: Die chinesische Regierung bemüht sich, so gut das geht, mit den Folgen des Erdbebens fertig zu werden, die burmesischen Militärs interessiert allein der Fortbestand ihrer Herrschaft. Die Verantwortung zum Schutz ihrer Bevölkerung interessiert sie nicht. Ihr Verhalten ist Zynismus der mörderischen Art.

          Das ist der Grund, warum jetzt immer lauter und von ungewohnter Seite der Ruf nach einer „humanitären, militärischen Intervention“ ergeht: eben weil das Regime seine Verantwortung nicht erfüllt und das, was es tut und/oder verhindert, den Tatbestand der Verbrechen gegen die Menschlichkeit erfülle.

          Aber einmal abgesehen davon, dass eine solche Intervention vor enormen Schwierigkeiten stünde, wenn die Generäle sich ausländischen Soldaten entgegenstellten – im UN-Sicherheitsrat ist die Neigung zu einer solchen Intervention, um es zurückhaltend zu sagen, gering.

          Der UN-Generalsekretär hat zwar die burmesischen Machthaber auf eine Weise gerügt, wie man das bei ihm kaum noch für möglich gehalten hätte, aber den Rat will er nicht mit dem Thema befassen. Weil er weiß, wie stark die Koalition der Verhinderer und der Souveränitätsabsolutisten ist?

          Jetzt eigentlich schlüge die Stunde der Asiaten – derer, die sich so viel auf ihren Aufstieg zugute und ansonsten moralische Appelle des Westens für deplaziert halten. Es wäre nicht zuletzt die Stunde Chinas, dessen Führung bei der Bewältigung der eigenen Katastrophe aus früheren Fehlern zu lernen scheint, ihren Klienten Burma aber gewähren lässt. Dieses Gewährenlassen bedeutet für Tausende den Tod. Es liegt auch in der Verantwortung Pekings, das zu verhindern.

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