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Nach Krawallen in Hamburg : Polizei startet Razzien gegen G-20-Gegner

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Radikale G20-Gegner zündeten in Hamburg im Juli Barrikaden an. Bild: dpa

Fast fünf Monate nach den Krawallen in Hamburg geht die Polizei gegen radikale G-20-Gegner vor. In mehreren Bundesländern führten die Beamten Hausdurchsuchungen durch – auch in Hessen.

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          Rund fünf Monate nach den schweren Krawallen beim G-20-Gipfel in Hamburg hat es am Dienstagmorgen bundesweite Razzien in der linken Szene gegeben. Seit 6 Uhr wurden Wohnungen und Objekte in mehreren Bundesländern durchsucht, wie die Hamburger Polizei mitteilte. Nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR) hat die Polizei konkrete Anhaltspunkte, dass die Ausschreitungen vom Juli von Linksautonomen teilweise gezielt geplant und organisiert wurden.

          Nach NDR-Informationen durchsuchte die Polizei seit dem Morgen insgesamt 24 Objekte in acht Bundesländern, darunter private Wohnungen und linke Stadtteilzentren unter anderem in Göttingen und Stuttgart. Nach Informationen der F.A.Z. ist auch mindestens ein Objekt in Marburg untersucht worden. Einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ zufolge gab es auch Razzien in Köln, Bonn und Stuttgart.

          In Hamburg durchsuchten Beamte demnach die Wohnung eines mutmaßlichen Mitglieds der linksextremen Gruppe „Roter Aufbau Hamburg“, die in Drohvideos gewalttätige Aktionen während des G-20-Gipfels angekündigt hatte. Die Polizei will am Mittag auf einer Pressekonferenz über den Einsatz informieren.

          Die Durchsuchungen stehen demnach im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt laut „Welt“ gegen 21 Männer und Frauen, die beim G-20-Gipfel im Juli an gewaltsamen Aktionen in der Hamburger Straße Rondenbarg beteiligt gewesen sein sollen. Mit den Razzien sollten den Berichten zufolge mögliche Beweismittel beschlagnahmt und neue Erkenntnisse zu Vorbereitungshandlungen gewonnen werden.

          G-20-Polizeivideo : Wie die Randalierer der Polizei auflauerten

          Auch der Zug eines sogenannten schwarzen Blocks durch die Elbchaussee mit zahlreichen brennenden Autos und Sachbeschädigungen wurde nach NDR-Recherchen offenbar durch geheime Depots vorbereitet. Es gebe Belege für Depots mit Vermummungsmaterial, schwarzer Kleidung und Pyrotechnik, die Linksautonome systematisch am Rande von Demonstrationsrouten angelegt haben sollen. Dies ermöglichte es den Linksextremen offenbar, sich an den Gipfeltagen unauffällig durch die Stadt zu bewegen und dem Zugriff der Polizei immer wieder zu entziehen.

          Die Ermittler der Sonderkommission „Schwarzer Block“ vermuten hinter den dort aktiven Autonomen demnach vornehmlich Täter aus dem Ausland, halten aber deutsche Linksextreme für Logistiker und Organisatoren. Soko-Leiter Jan Hieber sagte dem NDR, dass „die Hamburger Szene speziell Verantwortung getragen hat für Logistik in allen Bereichen, das schließt durchaus auch die Militanten ein“. Es habe eine monatelange Vorbereitung gegeben, daraus sei ein Netzwerk „auf Zeit geknüpft“ worden, sagte Hieber.

          Die Soko führt der „Welt“ zufolge mehr als 300 Ermittlungsverfahren gegen namentlich bekannte Verdächtige, die an den Krawallen und Plünderungen beteiligt gewesen sein sollen. Die Ermittler werten derzeit noch riesige Mengen an Bildmaterial aus. Weil sich die Identifizierung schwierig gestaltet, plant die Hamburger Polizei laut NDR kurz vor Weihnachten eine umfassende Öffentlichkeitsfahndung.

          Rund um das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigen Industrie- und Schwellenländer Anfang Juli in Hamburg hatte es trotz des Einsatzes von mehr als 20.000 Polizisten schwere Krawalle gegeben. Randalierer lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, zündeten Autos an und plünderten Läden. In ersten Strafprozessen wurden mehrere Haft- oder Bewährungsstrafen verhängt.

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