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Bundeswehr : Weiter in Afghanistan

  • -Aktualisiert am

Deutsche Soldaten bleiben zwei weitere Jahre am Hindukusch. Das ist richtig – denn es geht nicht mehr primär ums Kämpfen, sondern um Ausbildung.

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          Wäre es besser, die Bundeswehr zum Ende des Jahres vollständig aus Afghanistan abzuziehen, wozu der Abgeordnete Tom Koenigs rät, der immerhin einmal UN-Gesandter in dem Land war?

          In einem Punkt hat er recht: Die Taliban konnten in den vergangenen 13 Jahren nicht von ausländischen Soldaten besiegt werden, und das wird auch nicht in den zwei Jahren geschehen, die die Nato nun zusätzlich am Hindukusch bleiben will. Und gegen Rauschgiftanbau, Korruption und Misswirtschaft kann man militärisch nichts unternehmen; auch das ist unbestritten.

          Trotzdem ist es richtig, dass die Bundeswehr nun erst einmal bleibt. Der Nachfolgeeinsatz der Schutztruppe Isaf dient primär der Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte, selber kämpfen will die Nato nicht mehr. Schon seit längerem hat sie die Hauptverantwortung für die Bekämpfung der Aufständischen an die afghanische Armee und Polizei übergeben.

          Beide sind aber materiell und taktisch noch nicht weit genug, um diese Aufgabe alleine zu bewältigen. Sie brauchen immer noch Schulung und sie benötigen Gerätschaften, über die nur der Westen verfügt. Was geschehen kann, wenn man einheimische Sicherheitskräfte zu früh sich selbst überlässt, war gerade im Irak zu sehen.

          In Wirklichkeit stellt sich die Frage andersherum: Werden die Afghanen in zwei Jahren in der Lage sein, ihr Land ohne fremde Hilfe halbwegs stabil zu halten? Oder muss die Nato womöglich noch länger dort bleiben?

          Afghanistan ist in den vergangenen Jahren nicht zu einem orientalischen Musterland für Demokratie und Marktwirtschaft geworden, wie das hierzulande in vielen Sonntagsreden versprochen worden ist. Deshalb ist in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, die 55 deutschen Soldaten, die in dem Einsatz gefallen sind, hätten ihr Leben umsonst gelassen.

          So schlecht ist die Bilanz aber nicht. Zumindest geht von Afghanistan heute eine wesentlich geringere Terrorgefahr aus als früher, und seiner Gesellschaft konnte eine Chance auf eine bessere Zukunft eröffnet werden, wie es treffend im Bericht der Bundesregierung heißt. Wie andere Verbündete hat Deutschland zu viel Blut und Geld investiert, um das nun zu verspielen.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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