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Bundeswehr : Wehrbeauftragter besorgt über sexuelle Übergriffe

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Der Wehrbeauftragte Königshaus stellt seinen Jahresbericht vor Bild: dpa

Laut dem Bericht des Wehrbeauftragten registrierte die Bundeswehr im letzten Jahr 64 Verdachtsfälle sexueller Belästigung. Königshaus warf dem Verteidigungsministerium vor, Daten lange zurückgehalten zu haben.

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          Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus hat dem Verteidigungsministerium vorgeworfen, bereits 2011 erhobene Daten über die sexuelle Belästigung von Frauen in der Bundeswehr lange Zeit „unter Verschluss gehalten“ zu haben. Die Ergebnisse der in der vergangenen Woche veröffentlichten Studie des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, nach der 55 Prozent der Soldatinnen bereits mindestens einmal sexuell belästigt wurden, nannte er am Dienstag bei der Vorstellung seines Jahresberichts beunruhigend.

          Laut diesem Bericht wurden im vergangenen Jahr 64 Verdachtsfälle sexueller Belästigung bei der Bundeswehr registriert. Im Vorjahr waren es 50. Königshaus beklagt, dass sich viele Frauen nicht trauten, Übergriffe zu melden: „Bei betroffenen Soldatinnen bestehen leider oftmals Hemmungen, Diskriminierung und Fälle von sexueller Belästigung zu melden, weil sie persönliche Nachteile befürchten.“

          „Bundeswehr überlastet“

          Zudem hält Königshaus die Bundeswehr durch die Auslandseinsätze und die laufende Strukturreform für überlastet. „In vielen Bereichen ist die Grenze der Belastbarkeit erreicht, vielfach sogar überschritten“, sagte er. „Personalengpässe und ein über die Jahre angewachsener Investitionsstau bei der Infrastruktur, der Ausstattung und der Bewaffnung der Streitkräfte verlangen schnelle Abhilfe.“

          Der Wehrbeauftragte des Bundestags gilt als „Anwalt der Soldaten“ und berichtet dem Parlament einmal im Jahr in einem ausführlichen Bericht über Missstände in den Streitkräften. 2013 ist die Zahl der Beschwerden aus der Truppe gemessen an der Zahl der Soldaten auf den höchsten Stand seit Beginn der Erfassung 1959 gestiegen. Auf 1000 Soldaten kamen 28 Beschwerden und damit rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

          Die Initiative von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) für eine familienfreundlichere Bundeswehr bezeichnete Königshaus als überfälligen Schritt. „Nun bedarf es konkreter Maßnahmen, insbesondere der Bereitstellung zusätzlicher Haushaltsmittel, für diesen Zweck.“

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