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Bundeswehr-Studie : Drei von vier Deutschen stimmen Afghanistan-Einsatz zu

Deutscher Isaf-Soldat in Afghanistan Bild: AP

Die Bundeswehr genießt ein hohes Vertrauen in der deutschen Bevölkerung. Das zeigt eine neue Erhebung im Auftrag des Verteidigungsministeriums. Mehr als die Hälfte der Befragten gab jedoch zu, „nichts Konkretes“ über den Afghanistaneinsatz zu wissen.

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          Die Bundeswehr misst eine überwiegende Zustimmung zur Wehrpflicht in der Bevölkerung, die in den vergangenen Jahren leicht gewachsen sei. Das geht aus der „Bevölkerungsumfrage 2008“ des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr hervor, die an diesem Donnerstag veröffentlicht werden soll. Die Auslandseinsätze der Bundeswehr werden demnach von einer Mehrheit unterstützt, auch der in Afghanistan. Allerdings gibt auch eine Mehrheit an, nichts oder nichts Konkretes darüber zu wissen.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Insgesamt genießt die Bundeswehr als Einrichtung hohes Vertrauen nach den Ergebnissen der Studie in der Bevölkerung. Sie steht in dieser Hinsicht mit 89 Prozent, die der Bundeswehr „voll und ganz“, „überwiegend“ oder „eher“ vertrauen, an dritter Stelle der öffentlichen Institutionen - hinter Polizei und Bundesverfassungsgericht -, aber vor den Kirchen, dem Bundestag und der Bundesregierung und den weit abgeschlagen an letzter Stelle rangierenden Parteien.

          Wehrpflicht: Zustimmung wächst

          Das sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr erstellt seit 1996 jährlich eine Bevölkerungsumfrage im Auftrag des Verteidigungsministeriums. Für diese Erhebung wurden im Mai und Juni 2422 Personen durch das Meinungsforschungsinstitut Emnid befragt.

          Ihre persönliche Einstellung zur Wehrpflicht geben 42 Prozent als (sehr) positiv an; 28 Prozent sagen abgeschwächt „eher positiv“. Ablehnend in den entsprechenden Abstufungen äußern sich insgesamt 30 Prozent. Auch bei den jungen Männern im wehrpflichtigen Alter (16 bis 29 Jahre) äußerten sich insgesamt 68 Prozent ähnlich zustimmend. Doch ist bei den insgesamt 32 Prozent, die der Wehrpflicht distanziert gegenüberstehen, der Anteil der entschiedenen Ablehnung mit 19 Prozent deutlich höher als in anderen Altersgruppen. Mit Blick auf die Frage nach Abschaffung oder Beibehaltung der Wehrpflicht ergibt sich ein ähnliches Bild: 62 Prozent der Befragten wollen sie beibehalten, 27 Prozent abschaffen; 2005 waren es noch nur 53 Prozent, die die Wehrpflicht beibehalten wollten.

          Jeder Zweite für Anti-Terror-Einsatz

          In der Haltung zu den Auslandseinsätzen misst das Bundeswehr-Institut deutlich höhere Zustimmungswerte, als sie in vielen anderen Erhebungen zutage treten. Dem Kosovoeinsatz stimmen vier von fünf Befragten (eher) zu, dem Afghanistaneinsatz drei von vier, auch dem Anti-Terror-Einsatz unter dem OEF-Mandat noch gut jeder Zweite. Zum Vergleich: In der Zeitschrift „Focus“ wurde zu Beginn dieses Jahres eine Umfrage - ebenfalls von Emnid - veröffentlicht, wonach fast zwei Drittel sagen, es liege nicht im Interesse Deutschlands, dass 3200 Soldaten in Afghanistan stationiert sind; und eine Allensbach-Umfrage für diese Zeitung ergab im vergangenen Jahr, dass nur 29 Prozent die Auslandseinsätze der Bundeswehr guthießen.

          Die Unterschiede dürften sich zum einen - wie stets bei verschiedenen Umfragen - durch unterschiedliche Fragestellungen erklären lassen. Zum anderen weist das Bundeswehr-Institut auch auf Schwankungen hin, die tagespolitischen Ereignissen geschuldet seien. Viele Medien gäben schnelle Umfragen in Auftrag, wenn es zu tödlichen Anschlägen gekommen sei. Die oben erwähnten Umfragen waren allerdings ohne solchen aktuellen Bezug entstanden.

          Die Mehrheit weiß „nichts Konkretes“ über Afghanistan

          Differenziert hat das sozialwissenschaftliche Institut nach den vermuteten Auswirkungen des Afghanistaneinsatzes fragen lassen. Danach sehen 67 Prozent die Einsatzmöglichkeiten internationaler Hilfsorganisationen in der von der Bundeswehr kontrollierten Region positiv beeinflusst, 61 Prozent die Lebensbedingungen der Menschen und 65 Prozent das Ansehen Deutschlands in der Welt.

          Geringer ist der Optimismus, was die Verbesserungen auf die Stabilität in der Gesamtregion (55 Prozent), auf den Kampf gegen den Terrorismus (47 Prozent), die Chancen Afghanistans, sich zu einem freien, sicheren und wohlhabenden Land zu entwickeln (42 Prozent), die Sicherheitslage in Deutschland (31 Prozent) oder gar den Kampf gegen den Drogenanbau in Afghanistan (29 Prozent) betrifft. Dieser Befund zeigt zugleich, dass zwar die Mehrheit der Deutschen (51 Prozent) zugibt, „nichts Konkretes“ über den Afghanistaneinsatz zu wissen, aber dennoch eine recht realistische Auffassung von den Auswirkungen bezeugt.

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