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Bundeswehr : Struck bleibt stur

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Struck: „Mir geht es gut” Bild: dpa/dpaweb

Der wiedergenesene Verteidigungsminister Struck bedauert den angekündigten Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland, beharrt jedoch auf das Vorhaben, auch mehr als 90 Bundeswehrstandorte zu schließen.

          Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) hält trotz der amerikanischen Pläne für einen Truppenabzug aus Europa an der vorgesehenen Schließung von Bundeswehr-Standorten fest. Zugleich ließ er offen, in welchem Umfang die Bundeswehr von den Vereinigten Staaten aufgegebene Standorte übernehmen könnte.

          Den angekündigten massiven Truppenabzug aus Deutschland bezeichnete Struck als „schweren Verlust für viele Regionen“. Die Entscheidung der amerikanischen Regierung sei aber „ohne Alternative“, sagte er. Die Abzugsentscheidung der Vereinigten Staaten werde in die Planungen miteinbezogen. Er könne aber noch nicht sagen, ob die Bundeswehr Standorte übernehmen werde, die die Amerikaner verlassen würden.

          „Jeder weiß, daß wir nicht bei den heute bestehenden 500 Standorten bleiben können", sagte Struck bei einem Truppenbesuch im schleswig-holsteinischen Appen. Es bleibe dabei, daß zwischen 90 und 110 Standorte geschlossen werden müßten.

          Umstrukturierung der Streitkräfte

          Die amerikanische Regierung hatte angekündigt, in den kommenden Jahren rund 70.000 Soldaten aus Europa und Asien abzuziehen. Auch die Bundesregierung reagiert auf die veränderte Sicherheitslage nach dem Ende des Kalten Krieges mit einer Umstrukturierung der Streitkräfte: Die Bundeswehr soll bis zum Jahr 2010 um 30.000 auf 250.000 Soldaten verkleinert werden, dabei sollen rund 100 Standorte geschlossen werden. Eine Entscheidung über die Details soll im Spätherbst fallen.

          Der Truppenbesuch in Appen war der Auftakt einer Reise, auf der sich Struck bis Ende August vor Ort ein Bild von der Lage der Bundeswehr verschaffen will. Es war der erste öffentliche Auftritt nach Wiederaufnahme der Amtsgeschäfte, die Struck wegen eines Schlaganfalls rund zweieinhalb Monate hatte ruhen lassen. Struck sah sichtlich erholt, wenn auch etwas schmaler aus.

          „Wieder mit full Power"

          Struck trat Spekulationen entgegen, er habe das Ministeramt wegen seiner Krankheit aufgeben wollen. „Es gab nie den Zeitpunkt hinzuschmeißen“, betonte er. Er habe eine Woche nach seinem Schlaganfall mit Bundeskanzler Gerhard Schröder gesprochen und dieser habe ihn gebeten, sich so viel Zeit wie notwendig für die Genesung zu nehmen.

          „Die Ärzte haben gesagt, ich sei völlig gesund. Ich arbeite wieder mit full Power", sagte der Minister. „Aber ohne Pfeife, das will ich mir verbieten.“ Außerdem treibe er nun auch mehr Sport. „Ich habe nicht die Absicht, auf kleinerem Gang zu fahren", fügte der Minister mit Blick auf seine Arbeit hinzu. Struck hatte bereits angekündigt, er wolle sein Ministeramt mindestens bis zum Ende der Legislaturperiode 2006 ausüben.

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