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Bundeswehr : Rechtsextremist schulte Soldaten

  • Aktualisiert am

Nazis in der Bundeswehr? Bild: dpa

Karl Richter wurde vor Jahren wegen Volksverhetzung verurteilt. Er ist Redakteur einer rechtsextremen Monatszeitschrift. Erst seit dem Februar 2004 darf er nicht mehr an Wehrübungen der Bundeswehr teilnehmen.

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          Der 1995 wegen Volksverhetzung verurteilte Redakteur der rechtsextremen Monatszeitschrift "Nation und Europa", Karl Richter, darf erst seit dem Februar 2004 nicht mehr als Reservist an Wehrübungen der Bundeswehr teilnehmen.

          Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte dieser Zeitung, daß Richter im Rang eines Stabsunteroffiziers noch bis zum Oktober 2003 an Wehrübungen seiner Einheit im Verteidigungsbezirkskommando 65 in München teilgenommen hat.

          Bei diesen Übungen habe Richter auch Vorträge und Schulungen zur politischen Bildung abgehalten. Seinen Vorgesetzten sei dabei nicht aufgefallen, daß Richter rechtsextremistische Einstellungen vertreten habe, sagte der Sprecher.

          Urteil wegen Volksverhetzung nicht bekanntgeworden

          Der Militärische Abschirmdienst der Bundeswehr habe nach Hinweisen des Bundesamtes für Verfassungsschutz über einen rechtsextremistischen Hintergrund Richters sofort die zuständigen militärischen Dienststellen informiert.

          Seit Februar werde der 1982 aus dem aktiven Dienst ausgeschiedene Richter nicht mehr zu Wehrübungen eingeladen und dürfe in der Öffentlichkeit auch nicht mehr seine Bundeswehruniform tragen. Ob Richter seine Uniform abgeben müsse, werde noch geprüft.

          Das Urteil wegen Volksverhetzung vor neun Jahren sei dem Verteidigungsministerium deswegen nicht bekanntgeworden, weil Richter zu diesem Zeitpunkt schon lange aus dem aktiven Dienst der Bundeswehr ausgeschieden sei. Das Gericht habe deshalb auch keine Informationen an die Bundeswehr weitergeben müssen.

          Komparse im Spielfilm "Der Untergang"

          Der 42 Jahre alte studierte Historiker Richter hatte dieser Zeitung in der vergangenen Woche gesagt, daß er in seinen politischen Seminaren vor Soldaten auch das Thema "Rechtsextremismus" behandelt habe. Die Tätigkeit Richters als Reservist war bekanntgeworden, nachdem dieser über seine Erlebnisse als Komparse in dem deutschen Spielfilm "Der Untergang" berichtet hatte.

          In dem Film über die letzten Tage Adolf Hitlers im "Führerbunker" in Berlin war Richter im Herbst 2003 die Statistenrolle des Adjutanten von Generalfeldmarschall Keitel übertragen worden. Auf Nachfragen der mit der Statistenauswahl beauftragten Casting-Agentur nach seinem auffällig kurzen Haarschnitt hatte Richter angegeben, er nehme als Reservist an Wehrübungen der Bundeswehr teil. Dort werde ein solcher militärisch kurzer Haarschnitt verlangt.

          Rechtsextreme Offiziersanwärter?

          Das Verteidigungsministerium überprüfte in den vergangenen Tagen auch Angaben Richters, er habe während der Dreharbeiten neben anderen Gesinnungsgenossen aus der rechtsextremen Szene auch aktive Offiziersanwärter der Bundeswehrhochschule München mit ähnlicher politischer Gesinnung getroffen. Nach ersten Anhörungen der drei betroffenen Studenten der Bundeswehrhochschule hätten sich jedoch keinerlei Anhaltspunkte ergeben, die die Behauptungen Richters stützten.

          Die 1951 unter anderen vom ehemaligen SS-Sturmbannführer Arthur Ehrhardt gegründet und von Richter mitredigierte Zeitschrift "Nation und Europa" wird regelmäßig in den Berichten des bayerischen Verfassungsschutzes als eine der führenden Publikationen der rechtsextremen Szene aufgeführt.

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