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Bundeswehr : Lahmer Eurofighter

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Nur bedingt einsatzfähig: „Eurofighter“-Kampfjets der Bundeswehr Bild: dpa

Die Probleme der Bundeswehr mit milliardenschweren Rüstungsprojekten nehmen kein Ende. Zahlreiche Kampfflugzeuge müssen nun wegen technischer Mängel am Boden bleiben. Für mehrere Jahre.

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          Der Eurofighter ist das Rückgrat der Luftwaffe. 103, perspektivisch 140 der Kampfflugzeuge sollen der Bundeswehr zur Verfügung stehen. Flexibel einsetzbar, sowohl gegen Gegner in der Luft als auch am Boden. Daraus wird vorerst nichts. Zahlreiche Eurofighter werden erst mal eine andere Rolle einnehmen müssen: die des lahmen Vogels. Wie der „Spiegel“ (Montagsausgabe) berichtet, sind viele Eurofighter auf Jahre hin nicht einsatzbereit. Als Ursachen macht das Magazin, unter Berufung auf interne Berichte einer wehrtechnischen Dienststelle, zahlreiche Gründe geltend: Technische Fehler, Probleme mit der Qualitätssicherung beim Herstellerkonzern EADS, fehlende Ersatzteile, fehlende Prüfspezialisten.

          Die Luftwaffe bestätigte am Sonntag die Schwierigkeiten, relativierte aber ihr Ausmaß und ihrer Bedeutung. Aktuell sei von den bislang ausgelieferten 103 Flugzeugen nur die Hälfte startklar, teilte Luftwaffeninspekteur Generalleutnant Müllner mit. Der Eurofighter befinde sich noch in der Einführung, Rückgaben früherer Maschinen an die Industrie seien „normal“.

          Eurofighter, NH90, A400M

          Die Schwierigkeiten mit dem Eurofighter reihen sich ein in eine lange Liste von Schwierigkeiten von Bundeswehr und Industrie mit milliardenschweren Rüstungsprojekten, vor allem bei Luftfahrtzeugen. Erst am Wochenende hatte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung aufgedeckt, dass das Verteidigungsministerium den Transporthubschrauber NH90 trotz gravierender Mängel in den Afghanistaneinsatz geschickt hat. Der NH90 soll dort die Rolle amerikanischer Rettungshubschrauber und ihrer bewaffneten Begleit-Helikopter übernehmen, die laut F.A.S.-Informationen bis zum März des kommenden Jahres abgezogen werden.

          Das Verteidigungsministerium hatte am Sonntag bestätigt, dass der im scharfen Einsatz stehende NH90 nur bedingt einsatzbereit sei. Mit den an Bord befindlichen Maschinengewehren lassen sich Gegner am Boden nicht wirksam bekämpfen. Die Reichweite der eingesetzten Waffen ist zu gering.

          EADS-Chef droht mit Arbeitplatzabbau

          Die Luftwaffe wartet derweil auch noch auf ein anderes Rüstungsprojekt. Nach immensen Entwicklungs- und Produktionsverzögerungen sowie Kostensteigerungen soll der erste Militärtransporter vom Typ A400M erst im Herbst 2014 an die Bundeswehr ausgeliefert werden. Die französische Luftwaffe hatte ihr erstes Serienmodell Ende September erhalten. Beim A400M als auch beim Eurofighter und beim NH90 handelt es sich um Produkte des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS.

          Dessen Chef Tom Enders hat unterdessen mitgeteilt, die Profitabilität der Rüstungssparte seines Konzerns trotz schlechter Geschäftsaussichten in Deutschland weiter steigern zu wollen. Enders kündigte gegenüber der Süddeutschen Zeitung (Montagsausgabe)„harte Maßnahmen“ an. Kosten und Mitarbeiterzahl müssten reduziert werden. Über die Probleme mit den Rüstungsprojekten seines Hauses sagte Enders nichts.

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