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Bundeswehr in Afghanistan : Im Krieg

  • -Aktualisiert am

Deutschland muss die in Afghanistan kämpfenden Soldaten gut ausbilden und ihnen die beste Ausrüstung mitgeben. Wenn im Bundestag über den Verteidigungshaushalt debattiert wird, sollten sich die Kritiker daran erinnern, dass alle Appelle der Nato diesbezüglich bisher ihre Wirkung verfehlt haben.

          Mit jedem gefallenen Bundeswehrsoldaten, aber auch mit jedem tragischen Vorfall, bei dem Unbeteiligte oder verbündete Soldaten ums Leben kommen, wird den Deutschen klarer, wie die Lage am Hindukusch zu beschreiben ist: als Krieg. Die einschränkende Bemerkung des Verteidigungsministers zu Guttenberg, so könne man das „umgangssprachlich“ nennen, hat verfassungs- und völkerrechtliche Bedenken im Blick; an der Tatsache, dass die neue Strategie die Bundeswehr (und andere Isaf-Streitkräfte, ebenso wie die im Aufbau befindliche afghanische Armee) immer öfter in immer schwerere Gefechte verwickeln wird, ändert sie nichts.

          Geändert hat sich nur, dass die ausländischen Soldaten wegen der Anweisungen des amerikanischen Oberkommandierenden McChrystal und insbesondere nach dem Vorfall von Kundus den Kampf gewissermaßen mit einem auf den Rücken gebundenen Arm führen müssen. Massive Luftunterstützung gibt es nur noch in engem Rahmen, um Opfer unter Zivilisten so weit wie möglich auszuschließen oder in Grenzen zu halten. Das hat seine psychologisch-politische Berechtigung, militärischer Logik entspricht es nicht.

          Umso mehr muss sich die Politik verpflichtet fühlen, die in Afghanistan unter schwierigen Bedingungen kämpfenden Soldaten gut ausbilden zu lassen und ihnen die beste Ausrüstung mitzugeben, die zur Verfügung steht. Am Anfang des Einsatzes wurde ein Mangel an gepanzerten Fahrzeugen beklagt. Die Lage ist verbessert worden. Es gibt aber auch einen nicht aufzuhebenden Widerspruch zwischen schwerer Panzerung, Beweglichkeit und Schnelligkeit: Zur neuen Strategie gehören letztere Fähigkeiten. Sie sind mit einer größeren Gefährdung verbunden, genauso wie der Entschluss, sich nicht mehr in gesicherten Feldlagern zu verschanzen, sondern in die Dörfer zu gehen, offensiv zu werden - nicht zuletzt, um der afghanischen Bevölkerung ein Gefühl des Schutzes und damit größerer Sicherheit zu vermitteln.

          Der größte Mangel, und auch das wird schon lange beklagt, ist das Fehlen von Kampfhubschraubern. Da haben alle Appelle der Nato an die Bündnispartner bisher ihre Wirkung verfehlt. Nur die Amerikaner verfügen in nennenswertem Umfang über solches Gerät. Daran sollten sich die Kritiker von heute erinnern, wenn im Bundestag einmal wieder über den Verteidigungshaushalt debattiert wird.

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