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Bundeswehr : Gefallen in Afghanistan

  • -Aktualisiert am

Der Tod dreier Bundeswehrsoldaten bei Gefechten im Norden Afghanistans beweist den Zwiespalt des Einsatzes am Hindukusch. Doch so sehr die Soldaten wissen, was sie tun - wissen es auch die politisch Verantwortlichen und die Bürger?

          Der Tod dreier Bundeswehrsoldaten bei Gefechten im Norden Afghanistans beweist den Zwiespalt des Einsatzes am Hindukusch. Die Trauer um die Gefallenen und die Sorge um die Verwundeten verbieten es, sogleich die Frage nach dem Sinn des Einsatzes zu stellen. Dass wieder einmal nur die Befürchtungen aufrechter Frauen und Männer in der Heimat „bestätigt“ wurden, bedeutet nicht, dass jemandem ein besseres Vorgehen eingefallen wäre, um am Hindukusch „auch Deutschlands Sicherheit zu verteidigen“.

          Die abkommandierten Soldaten erfüllen die ihnen gestellten Aufgaben aus Pflichtgefühl, nicht aus Abenteuerlust oder Neigung zur Gewalttätigkeit. Das erheischt die Anerkennung, ja den Dank derer, die sie dorthin entsandt haben: der militärischen Führung, der Abgeordneten des Bundestages, der Bevölkerung insgesamt.

          Doch sosehr die Soldaten wissen, was sie tun, tun müssen - wissen es auch die politisch Verantwortlichen einschließlich der Bürger? „Am Hindukusch verteidigen“ hieß von Anfang an auch schießen, töten - mit der Gefahr, verwundet, verstümmelt, getötet zu werden. Der ehemalige Verteidigungsminister Rühe hat recht, dass die Regierungen der Kanzler Schröder und Merkel nie so recht mit der Wahrheit herausgerückt sind, obwohl die Zahl der Toten ständig gestiegen ist.

          So zu tun, als sei die Bundeswehr ein sich lediglich selbst schützendes Technisches Hilfswerk, wie es auch die UN-Resolutionen und die Mandatsdokumente des Bundestages suggerieren, war politisch unehrlich und militärisch ineffizient. Denn der Gegner wollte es nie zulassen, dass aus Afghanistan ein funktionierender Staat nach westlichen Vorgaben werde. Die Gefahr, die von ihm ausgeht und nach Strucks Worten bis nach Deutschland reicht, wirkt sich zuallererst im Lande selbst aus. Die Entschlossenheit des Feindes, den Aufbau des Landes zu verhindern, zwingt zum militärischen Kräftemessen, zu Kampfeinsätzen, zu Gefechten.

          Die neue Strategie, der Versuch, dem ein Ende zu machen, die Taliban nicht nur abzuwehren, sondern notfalls zu jagen, erhöht die Gefahr für die Soldaten - und für die Zivilbevölkerung, deren Schutz doch der Zweck des ganzen Aufwandes ist. Solange die Taliban da sind, wird der Einsatz zur unendlichen Geschichte; werden sie vertrieben, können sie alsbald zurückkommen. Niemand kennt das Mittel zum gleichzeitigen Schutz der Bundeswehrsoldaten und der afghanischen Zivilisten.

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