https://www.faz.net/-gpf-920tw

Merkels Nachfolge : Wer ist kanzlertauglich in der CDU?

Wer meldet sich freiwillig zur Nachfolge von Angela Merkel? Bild: dpa

Seit zwölf Jahren regiert Angela Merkel als Bundeskanzlerin, noch länger herrscht sie als Parteivorsitzende über die CDU. Wer könnte in der Partei ihr Erbe antreten? FAZ.NET stellt vier mögliche Nachfolger vor.

          5 Min.

          Mit großer Wahrscheinlichkeit werden CDU und CSU an diesem Wahlsonntag wieder mit Abstand die stärkste politische Kraft. Gegen die Union wird dann wie seit 2005 keine Regierungsbildung in Berlin möglich sein. Weder für Rot-Rot-Grün noch für eine Ampel-Koalition unter Führung von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ist in allen Umfragen eine Mehrheit vorhanden. Angela Merkel wird somit aller Voraussicht nach eine vierte Amtszeit als Kanzlerin absolvieren.

          Thomas Holl

          Redakteur in der Politik.

          Offen ist nur, ob die CDU-Vorsitzende über die volle Distanz regiert und damit den Rekord Helmut Kohls von 16 Jahren Kanzlerschaft einstellt. Und ob sie, wie in Berlin spekuliert wird, sogar 2021 für eine fünfte Amtszeit kandidiert. Bei allen Varianten ist jedoch die spannende Frage, ob es ihr gelingt, was noch keinem Kanzler vor ihr geglückt ist: einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zur Regierungshalbzeit aufzubauen und freiwillig, ohne Druck, einen parteiinternen Putsch oder eine Abwahl den Rückzug aus der Politik zu schaffen.

          Wen aus der CDU-Generation 35 Plus wird Merkel im Fall des Wahlsiegs und nach erfolgreichen Koalitionsverhandlungen mit SPD oder FDP und Grünen ins Kabinett holen oder ein hohes Parteiamt verschaffen?  Wer aus der CDU-Führung für die „Transformationsphase“ in die Post-Merkel-Ära geeignet ist, hängt auch von den Koalitionskonstellationen ab. Bei den klassischen Zweier-Bündnissen große Koalition, Schwarz-Gelb oder Schwarz-Grün, die mit Blick auf die CSU eigentlich Dreier-Koalitionen sind, ist Merkels Spielraum zur Berufung neuer CDU-Minister größer als in der Jamaika-Variante aus CDU, CSU, FDP und Grünen. „Merkel wird nach der Wahl über ihre Nachfolge nachdenken müssen. Über drei, vier Leute, die dafür in Frage kommen“, heißt es in der CDU. Wer sind diese vier, die in Partei und Öffentlichkeit für die Merkel-Nachfolge im Gespräch sind?

          Jens Spahn

          Jens Spahn

          Der Name des 37 Jahre alten CDU-Bundestagsabgeordneten aus dem Münsterland fällt in der Partei, aber auch in den Medien immer häufiger, wenn es um die aussichtsreichsten Bewerber um Merkels Nachfolge geht. Die Kanzlereigenschaften Ehrgeiz, Machtwillen und Selbstbewusstsein zeigt Spahn schon seit seinem ersten Wahlsieg 2002 als damals jüngster direkt gewählter Abgeordneter. Hinzu kommen geschicktes Netzwerken, rhetorisches Talent, Talkshow-Tauglichkeit und der Blick für zugespitzte medienaffine Botschaften, gerne zu Aufreger-Themen wie Islamisierung, Burkaverbot und Flüchtlingskrise. In seinen ersten zehn Jahren im Bundestag profilierte sich Spahn eher traditionell als Gesundheitsfachmann der Unions-Bundestagsfraktion, der mit boulevardtauglichen Vorschlägen für Schlagzeilen sorgte. So regte er an, Eltern von jugendlichen Komatrinkern an den Kosten für die Krankenhausbehandlung ihrer Kinder zu beteiligen. Doch bei der Vergabe von Kabinettsposten ging Spahn trotz Fleiß, Selbstbewusstein und Kompetenz leer aus, Gesundheitsminister wurde der Merkel-Vertraute Hermann Gröhe. Ihn verdrängte Spahn jedoch auch mit Hilfe seines Mentors Wolfgang Schäuble im Dezember 2014 auf dem Bundesparteitag bei der Kampfabstimmung um einen Sitz im CDU-Präsidium.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der türkische Präsident mit seiner Ehefrau Emine in der Hagia Sophia

          Zukunft der Türkei : Kommt jetzt das Kalifat?

          Versperrte Wege: Wofür die Türkei dem Westen nicht mehr zur Verfügung steht und wohin sie unter dem „neuen Sultan“ treibt. Ein Gastbeitrag.
          Der Hauptangeklagte Stephan E. mit seinem Verteidiger.

          Geständnis von Stephan E. : „Es war falsch, feige und grausam“

          Eine schwere Kindheit, Jähzorn und Ausländerhass, der vom Vater übernommen sein soll. Nach dem Geständnis von Stephan E., Walter Lübcke erschossen zu haben, ist dessen Familie empört.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.