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Bundestag nach der Wahl : Die Frauen und die Politik

CDU-Politikerinnen Ursula von der Leyen, Angela Merkel und Julia Klöckner Bild: dpa

Im neuen Bundestag werden voraussichtlich weniger Frauen vertreten sein als bisher. Das liegt an AfD, FDP und der Union. Doch ist das ein Beleg für Männer-Kumpanei?

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          Als der Bundeswahlleiter kürzlich eine Analyse der Landeslisten für die Bundestagswahl präsentierte, zog die CSU sogleich Kritik auf sich: „Nur 20 Kandidatinnen für eine ganze Partei“, klagte etwa die „Süddeutsche Zeitung“. Diesen 20 Frauen auf der CSU-Landesliste stehen 54 Männer gegenüber – das macht einen Frauenanteil von 27 Prozent. Ist das (zu) wenig?

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Die nüchterne Antwort lautet: Das hängt vom Maßstab ab. Gemessen an der Gesamtbevölkerung mit einer ungefähren Gleichverteilung von Frauen und Männern ist es wenig. Gemessen an der Parteimitgliedschaft ist es aber viel. Denn nur 20 Prozent der CSU-Mitglieder sind weiblich. Man kann aus den Zahlen also auch diesen Schluss ziehen: Auf der Landesliste sind CSU-Frauen deutlich stärker repräsentiert als männliche Parteimitglieder.

          Anders formuliert: Wenn sich eine Frau dazu entschließt, in die CSU einzutreten, hat sie eine deutlich größere Chance, es als Bundestagskandidatin auf die Landesliste zu schaffen – an sich erst einmal kein schlechter Anreiz, um sich in der Parteipolitik zu engagieren. Dasselbe gilt übrigens bei CDU, SPD, den Grünen und der Linkspartei. In all diesen Parteien sind Frauen gefragte Listenkandidatinnen. Bei der FDP stimmen der Frauenanteil an den Mitgliedern und derjenige auf den Landeslisten exakt überein (23 Prozent); lediglich bei der AfD sind die ohnehin sehr schwach vertretenen Frauen (16 Prozent Mitgliederanteil) auch auf den Listen kürzer gekommen (13 Prozent).

          Direktkandidaten sind oft Männer

          Die Klage über zu wenige Frauen auf den Landeslisten ist also eine Klage über zu wenige Frauen in den Parteien. Denn wo keine sind, lassen sich auch keine aufstellen. Aber warum engagieren sich so wenige Frauen in der Parteipolitik?

          Feministinnen haben dazu allerhand Theorien parat, und gemein ist ihnen, dass Männer die Schuld an dem Missstand tragen. Demnach wollen sie unter sich bleiben. Männer verhindern systematisch den Aufstieg von Konkurrentinnen, indem sie eine „gläserne Decke“ einziehen. Und sie verschrecken Frauen durch Kungelrunden und eine rein männlich geprägte Diskussionskultur. Die Gegenposition lautet etwa so: Frauen haben einfach deutlich weniger Interesse an institutionalisierter Parteipolitik, wie Umfragen belegen. Sie setzen im Leben oft andere Prioritäten (Familie statt Karriere). Und womöglich fühlen sie sich durch Politiker ebenso gut vertreten wie durch Politikerinnen. Doch das sagen Feministinnen in der Regel nicht.

          Welcher Sichtweise man auch immer zuneigt – die Zahlen über eine Repräsentation von Frauen auf Landeslisten und in Parteien lassen hierüber kaum Schlüsse zu. Trotzdem lohnt sich ein Blick ins Detail, auf Listenplätze, Direktmandate und Erfolgsaussichten.

          So zeigt sich etwa: Sämtliche Parteien stellen in den Wahlkreisen deutlich mehr Männer als Direktkandidaten auf, als sie Frauen auf die Landeslisten setzen. Das gilt auch für die Grünen und die Linkspartei, bei denen auf der Liste zwar eine strikte Quotierung herrscht. Wenn es um die Auswahl eines Direktkandidaten geht, fällt die Entscheidung jedoch meist zugunsten eines Mannes. 51 Prozent aller Listenkandidaten der Linkspartei sind Frauen, aber nur 33 Prozent der Wahlkreisbewerber. So groß ist der Unterschied sonst nur noch bei der CDU. Dort belegen Frauen 40 Prozent aller Listenplätze, stellen aber nur 22 Prozent der Direktkandidaten.

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