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Konflikt in der AfD : Der Machtkampf zwischen Petry und Meuthen spitzt sich zu

Jörg Meuthen und Frauke Petry beim Bundesparteitag der AfD Bild: dpa

Seit Januar wird der Streit zwischen den AfD-Vorsitzenden Frauke Petry und Jörg Meuthen immer unversöhnlicher. Nun plaudert Alexander Gauland aus dem Nähkästchen: Mischte sich Petry in Meuthens Privatleben ein?

          Alexander Gauland versteht sein Handwerk. Besser als anderen AfD-Politikern gelingt es dem Spitzenkandidaten, politische Bomben mit spielerischer Leichtigkeit zu zünden. In einem Sommergespräch mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg etwa schlug Gauland kürzlich einen besonders harmlos klingenden Plauderton an. Ein wenig so, als könne er, wenn er schon einmal da sei, doch auch kurz über das Verhältnis der Parteivorsitzenden Frauke Petry und Jörg Meuthen sprechen.

          Die „Verschärfung des Konflikts“ an der Parteispitze habe mit den „beiden Persönlichkeiten an der Spitze zu tun“, sagte Gauland – was im Umkehrschluss wohl auch bedeuten sollte, dass er selbst zu den ganz Unschuldigen gehört. Es gehe bei Petry und Meuthen offenbar um „persönliche Konflikte“, sagte Gauland. Um diese These zu untermauern, fügte er eine Anekdote hinzu, die, sollte sie stimmen, mit großer Wahrscheinlichkeit den bisherigen Tiefpunkt im menschlichen Miteinander der Parteiführung markiert.

          „Meuthen hat mir mal gesagt, sie (Petry) habe versucht, seine neue Beziehung – nachdem er sich von seiner Frau getrennt hatte – durch Telefonanrufe kaputtzumachen. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Ich kann mir das eigentlich nicht vorstellen. Aber wenn so was im Spiel ist, dann ist die politische Auseinandersetzung harmlos, sondern dann sind das persönliche Konflikte, zu denen ich auch nicht Stellung nehme.“ Stellung genommen hatte Gauland tatsächlich nicht. Er hatte nur, vor tausenden Fernsehzuschauern, den Verdacht erwähnt, dass Petry ihren Widersacher Meuthen mit Intrigen bis in dessen Privatleben verfolgt. Das wiederum ist keine Privatsache bei Personen, die zwei Monate vor einer Bundestagswahl um das Vertrauen der Bevölkerung werben.

          Will Petry Meuthen privat schaden?

          Details aus dem Privatleben von Meuthen sind in der Angelegenheit nicht von Bedeutung, wohl aber, was Petry getan oder nicht getan hat. Tatsächlich entspricht die Version, die Gauland im Fernsehen erzählte, nicht der Fassung, von der dieser Zeitung aus Parteikreisen berichtet wurde. Petry soll demnach nicht versucht haben, Meuthens neue Beziehung durch Telefonanrufe kaputtzumachen. Sie soll stattdessen mit dem in Trennung lebenden Ehemann von Meuthens neuer Lebensgefährtin gesprochen haben, aber nicht um die neue Beziehung zu schädigen, sondern um diese in die Öffentlichkeit zu tragen.

          Die Lebensgefährtin war bis zu ihrer Beziehung mit Meuthen in der Bundesgeschäftsstelle der AfD angestellt, und beendete diese Anstellung Anfang 2017, um Interessenskonflikte zu vermeiden. In der AfD kursiert die Schilderung, Petry habe dem Mann geraten, in der Öffentlichkeit zu sagen, Meuthen sei in seine Familie eingedrungen. Es ist eine Erzählung, welche die moralische Integrität von Petry erschüttern soll: Ihre Wut auf Meuthen soll so groß sein, dass sie ihm auch im Privatleben schaden will, wo keine politische Relevanz zu finden ist. Diese Anekdote kursierte seit Monaten in der Partei, ohne dass Medien darüber berichteten – bis Gauland sie in seinem Sommerinterview als Ursache für die Zerstrittenheit der Parteivorsitzenden anführte.

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