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AfD-Hochburg : Das macht ihnen Angst

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Kaum Industrie und keine Aufträge für das Handwerk

Seine Hoffnung, die EU würde mit der Aufnahme der Osteuropäer auch etwas für die Preisangleichung in der Grenzregion tun, zerstob. „Wenn ich heute EU höre, sehe ich nur rote Tücher“, sagt Hempel. Die Insolvenz der Tankstelle kostete ihn seine private Altersvorsorge und beinahe auch das Elternhaus. Er habe sich schon in einer anonymen Plattenbauwohnung gesehen, sagt er. Jetzt steht er in seinem alten Tankstellenladen, angestellt vom neuen Besitzer, und arbeitet noch immer seinen Kredit ab. „Politiker“, sagt er, „reden viel. Ich höre immer nur ‚Wir müssen‘, aber keiner sagt ,So machen wir das jetzt‘.“ Die anderen beiden nicken. „Die reden nur und versprechen viel, aber keiner tut was“, sagt der Faschingsclub-Chef. „Außer der Wagenknecht und dem Gysi vielleicht.“ Die könne man auch wählen.

Im Kreis Bautzen gewann ein Polizist das Direktmandat für die AfD.
Im Kreis Bautzen gewann ein Polizist das Direktmandat für die AfD. : Bild: AP

Die Region um Oppach im Dreiländereck Deutschland–Polen–Tschechische Republik war nie eine reiche Gegend; mit der Ost-Erweiterung der EU rückte sie lediglich geographisch ins Zentrum. Es ist eine hügelig-liebliche Landschaft mit kleinen Orten und den hier typischen Umgebindehäusern, ideal zum Urlaub machen. Große Unternehmen siedelten sich hier auch nach der Wiedervereinigung nicht an, sie lassen in Polen oder noch weiter östlich produzieren. Nach dem Ende des Wiederaufbaubooms verschwand ein Handwerksbetrieb nach dem anderen. Die geblieben sind, übernehmen Aufträge meist im Westen. Sie pendeln über die Autobahn 4, die von Görlitz nach Dresden nun mitten durch AfD-Gebiet führt; sie ist wie eine Schneise der Globalisierung: Auf der rechten Spur reiht sich Lkw an Lkw, 90 Prozent aus Polen, die billig für westeuropäische Firmen fahren. Die Region links und rechts der A 4 hat außer ständigen Staus nichts davon.

„Wir sehen, was in den Städten los ist“

„Die Politik hat die Landbevölkerung vergessen“, sagt Hempel. Stattdessen kümmere sie sich um Flüchtlinge. Das ist sein zweiter Grund, AfD zu wählen. „Wir arbeiten hier wie verrückt und finanzieren damit Flüchtlinge.“ Immer habe die Politik gesagt, es sei kein Geld da: nicht für Polizei, als nach der EU-Ost-Erweiterung die Kriminalität zunahm, nicht für Rentner, die von Mindestrente lebten, nicht für Lehrer, die in Sachsen seit Jahren fehlen.

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Flüchtlinge kriegten „alles in den Arsch geblasen“. Markenklamotten, Handys, Geld vom Staat. Doch wer das kritisiere, werde gleich als „Nazi“ abgestempelt. Das sei unverschämt und sein dritter Grund für die AfD, sagt Hempel. Er habe nichts gegen Ausländer, der Tierarzt im Ort sei aus Syrien, der Dönermann aus Indien. „Alle fleißig und gut integriert“, sagt Hempel. Er wolle auch Kriegsflüchtlingen helfen, nur eine Million und mehr seien zu viel. „Wir leben hier ruhig, aber sehen im Fernsehen und auf dem Handy ständig, was in den Städten los ist“, sagt er. „Das macht mir Angst.“

Im Bundestag wird sie jetzt Tino Chrupalla vertreten, ein junger Malermeister aus der Region, verheiratet, drei Kinder. Kein Hardliner, kein Nazi, ein seriöser Mann, finden sie. Genauso wie im Nachbarkreis Bautzen, wo ein Polizist gewann, und in der Sächsischen Schweiz, wo Frauke Petry das dritte AfD-Direktmandat holte. Chrupalla hat Sachsens CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer aus dem Bundestag geworfen, er war nicht mal auf der Landesliste abgesichert. Auch darüber ist der Schock in der CDU groß. Die drei Männer aber sagen: „Wir sind zufrieden, jetzt erst mal.“

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