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Letzte Attacken der Kandidaten : „Jeder spürt, dass es in Deutschland brodelt“

  • Aktualisiert am

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz am Freitag auf dem Gendarmenmarkt in Berlin Bild: dpa

Zum Wahlkampfabschluss findet SPD-Herausforderer Martin Schulz noch einmal deutliche Worte gegen Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin demonstriert dagegen Gelassenheit – und ist sich bei einem Thema dennoch einig mit ihrem Kontrahenten.

          SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat im Wahlkampf-Endspurt vor einer vierten Amtszeit von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gewarnt. Der Union seien die Menschen egal. Der Wahlsonntag sei keiner wie jeder andere: „Es geht darum zu verhindern, dass unser Land eine Regierung der sozialen Kälte bekommt“, sagte Schulz beim offiziellen Wahlkampfabschluss der SPD am Freitag auf dem Berliner Gendarmenmarkt.

          Jeder spüre, „dass es in Deutschland brodelt“, so Schulz weiter. Er habe es satt zu akzeptieren, dass es einer Frau an der Spitze des Landes egal sei, dass Frauen schlechter bezahlt würden als Männer. Mit Merkel drohten vier Jahre Stillstand und Lethargie – er wolle ein Bundeskanzler sein, der mutig die Zukunft gestalte, sagte Schulz.

          Schulz zur AfD: „Ihr seid unsere Feinde“

          Viel deutlicher sagte Schulz der AfD den Kampf an: „Wenn die AfD in den Bundestag kommt, dann zieht dort zum ersten Mal seit 1945 wieder die Sprache der Totengräber der Demokratie ein“, sagte Schulz am Freitag bei seiner Abschlusskundgebung in Berlin. „Ihr seid unsere Feinde, und wir werden die Demokratie in Deutschland verteidigen.“ Bei der Bundestagswahl am Sonntag gehe es um viel.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist bei der Wahlkampfabschlusskundgebung der Union am Freitagabend in München anhaltend ausgepfiffen worden. Auf den Münchner Marienplatz kamen neben zahlreichen Anhängern auch viele Gegner der Kanzlerin, die mit Trillerpfeifen pfiffen oder „hau ab“ in Richtung der Kanzlerin riefen. Damit wiederholten sich auch am Wahlkampfende Szenen, die es vorher schon an verschiedenen Orten bei Kundgebungen mit Merkel gegeben hatte.

          Merkel sagte zu Beginn der Rede, sie sei mit CSU-Chef Horst Seehofer und dem CSU-Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl, Joachim Herrmann, einig, „mit Pfeifen und mit Brüllen wird man die Zukunft Deutschlands mit Sicherheit nicht gestalten.“

          Auch insgesamt demonstrierte Merkel Einigkeit mit Seehofer, der auch auf der Veranstaltung auftrat. Die Kanzlerin lobte mehrfach die Politik der CSU in Bayern – den Konflikt um eine feste Obergrenze für Flüchtlinge von 200.000 pro Jahr, die die CSU massiv fordert und Merkel klar ablehnt, blendeten die beiden Parteivorsitzenden in ihren Reden weitgehend aus. Im Rückblick auf die Flüchtlingskrise 2015 bekräftigte Merkel lediglich:  „Das, was 2015 war, das darf, das soll und das wird sich auch nicht wiederholen. Wir haben aus den Ereignissen von damals gelernt.“

          AfD könnte drittstärkste Kraft werden

          Seehofer sagte über die Abschlusskundgebung: „Das ist eine Veranstaltung der aufrechten Demokraten und nicht der linken und rechten Schreihälse.“ Der CSU-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, rief den Protestierenden zu: „Die Mehrheit zählt in einer Demokratie – und nicht die Lautstärke.“

          Merkel präsentierte in ihrer Rede zudem zentrale Wahlkampfversprechen der Union wie Steuersenkungen, die Abschaffung des Solidaritätsbeitrags, mehr Investitionen in Bildung und einen Ausbau der Digitalisierung. Außerdem bekräftigte sie, in der kommenden Legislaturperiode einen Schwerpunkt auf die Familienpolitik legen zu wollen.

          Die Union könnte wieder die mit Abstand stärkste Fraktion werden, in den Umfragen liegt sie zwischen 34 und 37 Prozent liegt. Die SPD muss darum kämpfen, nicht hinter ihr schlechtestes Wahlergebnis von 23,0 Prozent im Jahr 2009 zurückzufallen. Sie liegt in den Umfragen bei 20 bis 22 Prozent. Die rechtspopulistische AfD könnte als drittstärkste Kraft in den Bundestag einziehen.

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