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„Eine Frechheit“ : Martin Schulz empört die deutschen Golfspieler

„Mich interessieren die Golffahrer deutlich mehr als diese Golfspieler“: Martin Schulz, hier am Donnerstag bei einem Wahlkampfauftritt in Essen Bild: dpa

Ihn interessierten die „Golffahrer“ mehr als die „Golfspieler“, sagte Martin Schulz bei einem Wahlkampfauftritt in Bezug auf den Abgasskandal. Bei der Golf-Lobby hat er sich damit keine Freunde gemacht.

          Dass Golfspielen eine politische Dimension hat, konnte man bis Anfang dieser Woche vor allem in Amerika beobachten. Mitte Juli veröffentlichte eine Nachrichtenseite eine Sammlung aller Tweets von Donald Trump, in denen er sich darüber mokiert hatte, dass Barack Obama zu viel Zeit auf dem Golfplatz verbringe: 27 Tweets zählte „sbnation.com“, darunter zum Beispiel diesen: „Könnt Ihr es fassen, dass Obama bei all den Problemen, die Amerika gerade hat, einfach Golf spielen geht?“

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Diese alten Tweets von Donald Trump werden besonders gerne geteilt, seit er Präsident – und selbst ständig auf dem Golfplatz ist. Schon bevor er Anfang des Monats seine „Working Holidays“ auf seinem Landsitz in New Jersey begann, wo ihm ein Golfklub gehört, hatten amerikanische Medien berichtet, dass Trump seit seinem Amtsantritt 13 von 28 Wochenenden nicht in Washington verbracht habe – sondern fast immer in einem seiner Golfclubs.

          Die Frage ist: Was versprach sich Trump davon, seinem politischen Gegner das Image des Golfspielers zu verpassen? Die Antwort: Golf hat immer noch das Image, der Sport der Reichen zu sein, die sich in weißen Anzügen an der frischen Luft vergnügen, während andere für sie das Geld verdienen.

          Dieses Bild hat ganz offensichtlich auch ein deutscher Politiker, und auch er versucht es im Wahlkampf zu nutzen: Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sagte am Montagabend beim Auftakt seiner Wahlkampftour zum ersten Mal den Satz: „Mich interessieren Golffahrer mehr als die Golfspieler.“ Dabei ging es um die Dieselaffäre, mit der nicht nur Volkswagen gerade zu kämpfen hat. Auch am Dienstag sprach Schulz über dieses Thema, und weil ihm der Satz offenbar so gut gefällt, sagte er ihn direkt noch mal: „Ich will es deutlich sagen: Mich interessieren die Golffahrer deutlich mehr als diese Golfspieler. Die Arroganz dieser Leute gefährdet einen ganzen Industriezweig.“

          „Auch unter Golf-Spielern viele SPD-Sympathisanten“

          Bei dem Auftritt in Trier gab es für den Spruch Applaus, bei Claus Kobold sorgte er für großes Unverständnis. Der Präsident des Deutschen Golf Verbandes veröffentlichte am Mittwoch einen offenen Brief: „Als Verbandspräsident einer von Ihnen scheinbar wenig geschätzten olympischen Sportart möchte ich auf diesem Weg meinen Ärger über diese Aussage kundtun“, schrieb Kobold. In Deutschland spielten 1,8 Millionen Menschen Golf, die „durch ihre Sportausübung mit großer Sicherheit keinen ,ganzen Industriezweig'“ gefährdeten. „Und all diesen, sehr unterschiedlichen Menschen Arroganz vorzuwerfen, ist – gelinde gesagt – eine Frechheit.“

          Im Gegensatz zu Politikern hätten die allerwenigsten Golfspieler ursächlich etwas mit dem Abgasskandal zu tun. Es gebe unter Golfspielern übrigens auch Golffahrer. Und „überraschen wird Sie vielleicht, dass es im Golfsport sehr viele SPD-Sympathisanten gibt – oder jetzt möglicherweise gab.“ Er hoffe, dass Schulz seine „öffentliche Diffamierung offensichtlich vollkommen unbeteiligter Bevölkerungsgruppen“ bei einem seiner nächsten Wahlkampfauftritte richtig stelle, zürnte der Golf-Funktionär.

          Ob Martin Schulz selbst schon einmal Golf gespielt hat, ist übrigens nicht überliefert. Und wenn nicht, dürfte er damit jetzt auch noch mindestens bis nach der Bundestagswahl warten.

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