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Wahlkampagne der SPD : Mit Olaf Scholz auf rotem Grund

Die Sozialdemokraten setzen auf großflächige Wahlplakate mit ihrem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz. Bild: dpa

Die SPD schneidet ihre Kampagne ganz auf den Kanzlerkandidaten zu – die Wähler mögen ihn lieber als die Partei.

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          53 Tage vor der Bundestagswahl hat der SPD-Wahlkampfmanager Lars Klingbeil in Berlin die Kampagne der Sozialdemokraten präsentiert. Sie wird von zwei Elementen dominiert: der Farbe Rot und Scholz. „Wir setzen ganz klar auf Olaf Scholz“, sagt Klingbeil bei dem Termin, der am Mittwoch in einem rosarot eingefärbten Kinosaal im alten Westen der Hauptstadt stattfindet. Scholz sei, schwärmt Klingbeil, „der Richtige für Deutschland“.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Der Slogan der Partei lautete vor vier Jahren „Zeit für Gerechtigkeit“ und wurde später als nebulöse Aussage des glücklosen Kandidaten Martin Schulz empfunden. Diesmal machen die Sozialdemokraten schon im Slogan klar, dass sie auf einen Personalwahlkampf ums Kanzleramt setzen: „Scholz packt das an.“ Mit einer rasanten Hinwendung zum einst ungeliebten Kandidaten Scholz versucht die SPD dieser Tage, eine abermalige Wahlniederlage abzuwenden.

          Die enge Verbindung überrascht

          Klingbeil stellt etliche Plakatmotive vor, die in einer etwas ungewöhnlichen Weitwinkeloptik und schwarz-weiß den Kandidaten vor knallrotem Hintergrund zeigen. Verantwortlich für die neue Optik ist die Werbeagentur BrinkertLück Creatives. Die Kandidatenplakate seien, so der Generalsekretär, eine „Symbiose aus Scholz und SPD“. Diese enge Verbindung hat noch immer etwas Überraschendes, denn Scholz war nicht nur in etlichen politischen Fragen anderer Meinung als viele in seiner Partei, etwa bei der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, bei Mieten und Schuldenbremse. Er stand bis zuletzt auch für die Durchsetzung der missliebigen Hartz-IV-Reformen aus der Ära Schröder.

          Seine Kandidatur zum Parteivorsitz endete vor zwei Jahren in einer schweren Niederlage. Scholz und seine Mitkandidatin Klara Geywitz wurden von weniger als 15 Prozent der damaligen Parteimitglieder gewählt. Doch die beiden Sieger, Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, erkannten rasch, dass es nicht reicht, mit massiver Juso-Hilfe und Kevin Kühnert eine innerparteiliche Auseinandersetzung zu gewinnen: Die Partei verlor weitere Zehntausende Mitglieder. Die aktuellen Zahlen werden geheim gehalten. Statt des angepeilten Umfrageziels von 30 Prozent lag die SPD im vorigen Sommer bei knapp 15 Prozent. Deshalb Scholz.

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          Inzwischen gilt in der SPD all das, was ihn damals zum Verlierer und abzuhalfternden Halb-Sozialdemokraten stempelte, in der Partei als großartig: seine Erfahrung in diversen Regierungen, seine Geradlinigkeit, seine bis ans Langweilige grenzende Gelassenheit. Auf die großen Wahlplakate kommen nun weder freundliche Senioren noch lerneifrige Kinder oder zufriedene Arbeiter wie bei früheren Kampagnen aus der SPD-Gefühlswelt, sondern ausschließlich Scholz auf rotem Grund.

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          Ganz weg von den medialen Fenstern und sehr sparsam mit Auftritten sind hingegen die zu kontroversen Aussagen neigende Esken und auch Walter-Borjans. Letzterer strebt nicht einmal nach einem Bundestagsmandat. Beide sind allerdings der Auffassung, dass Scholz ohne seine Niederlage und ihren Erfolg bei der Mitgliederbefragung 2019 niemals Kandidat der ganzen SPD geworden wäre.

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