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Wahlforscher : Nächster Bundestag könnte mehr als 900 Abgeordnete zählen

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Derzeit zählt der Bundestag 709 Abgeordnete und ist damit schon so groß wie nie zuvor. Bild: dpa

Robert Vehrkamp von der Bertelsmann Stiftung hat Berechnungen auf Grundlage des ZDF-„Politbarometers“ angestellt. Die meisten Bundesbürger halten den Bundestag schon jetzt – mit 709 Mitgliedern – für zu groß.

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          Der nächste Bundestag, der an diesem Sonntag gewählt wird, könnte nach Berechnungen des Wahlforschers Robert Vehrkamp mehr als 900 Abgeordnete groß werden. Auf der Basis des letzten ZDF-„Politbarometers“ vor der Wahl vom Donnerstag berechnete der Fachmann von der Bertelsmann Stiftung eine Bandbreite von 672 bis 912 Mandaten. In einem mittleren Szenario kommt er auf 810 Abgeordnete. Derzeit zählt der Bundestag 709 Abgeordnete und ist damit schon so groß wie nie zuvor.

          Die Forschungsgruppe Wahlen ermittelte für das „Politbarometer“ zuletzt folgende Umfragewerte: SPD 25 Prozent, CDU/CSU 23, Grüne 16,5, FDP 11, AfD 10 und Linke 6 Prozent.

          Die drei Szenarien unterschieden sich ausschließlich durch unterschiedliche Annahmen zum Splitting von Erst- und Zweitstimmen, sagte Vehrkamp der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Dieses Splitting-Verhalten lasse sich nur sehr schwer prognostizieren.

          Das mittlere Szenario mit 810 Abgeordneten ist Vehrkamp zufolge aber keineswegs extrem. Es geht nach seiner Darstellung davon aus, dass knapp die Hälfte derjenigen Wählerinnen und Wähler, die mit der Zweitstimme FDP wählen, ihre Erststimme der Union geben, und dass gleichzeitig die Unions-Wähler dies wie üblich zu mehr als 80 Prozent mit beiden Stimmen tun. Bei der Bundestagswahl 2013 hätten 63 Prozent aller FDP-Wählerinnen und -Wähler zugunsten der Union gesplittet.

          Normgröße bei 598 Mitgliedern

          Die Normgröße des Bundestags liegt bei 598 Abgeordneten – 299 per Erststimme in den Wahlkreisen direkt gewählte Parlamentarier und 299 über die Landeslisten einziehende Abgeordnete. Durch Überhang- und Ausgleichsmandate steigt diese Zahl jedoch.

          Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei mehr Direktmandate erzielt, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen. Das war zuletzt vor allem bei CSU und CDU der Fall. Die Parteien dürfen dann diese Überhangmandate behalten, die anderen Parteien bekommen jedoch Ausgleichsmandate.

          Mehr als zwei Drittel der Deutschen halten den Bundestag mit seinen jetzt 709 Mitgliedern bereits für zu groß. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagten 71 Prozent, dass dem Parlament zu viele Abgeordnete angehören. 11 Prozent sagten, sie halten die Anzahl der Sitze für genau richtig. Nur 3 Prozent meinten, der Bundestag müsse vergrößert werden.

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