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Einzug ins Parlament : Die drei Retter der Linkspartei

Gregor Gysi am Sonntagabend in Berlin Bild: AFP

Die Linke ist bei der Bundestagswahl unter die Fünf-Prozent-Hürde gefallen. Trotzdem darf sie mit 39 Abgeordneten ins neue Parlament. Das hat sie drei Kandidaten zu verdanken, die ihre Wahlkreise gewonnen haben.

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          Gregor Gysi ahnte vielleicht schon etwas. „Ich will nicht, dass wir uns gegenseitig beschimpfen“, sagte der wohl bekannteste Linken-Politiker am Sonntagabend auf der Wahlparty seiner Partei in Kreuzberg. Die Linke müsse sich ihrer Verantwortung nach dieser krachenden Niederlage bewusst sein, dürfe sich nicht in Grabenkämpfen verlieren. Da stand die Partei in den Hochrechnungen noch bei 5,0 Prozent, am Ende waren es nur 4,9. Normalerweise wäre die Linke wegen der Fünf-Prozent-Hürde nun nicht mehr im Bundestag vertreten.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Gäbe es nicht eine Besonderheit im Wahlrecht. Denn drei gewonnene Direktmandate heben die Fünf-Prozent-Hürde sozusagen auf. Die Partei kann dann gemäß ihrer Zweitstimmenzahl wie jede andere Partei in den Bundestag einziehen. Gysi hat damit unmittelbar zu tun. Denn der Veteran der Linkspartei, der schon Parteivorsitzender und dann lange Fraktionsvorsitzender im Bundestag war, hat sein Direktmandat in Treptow-Köpenick schon mehrfach gewonnen. Und dass er es diesmal wieder schaffen würde, galt schon als ausgemacht. Gysi erreichte 35,5 Prozent, einen deutlichen Vorsprung vor der CDU-Kandidatin, der Eisschnellläuferin und Olympiasiegerin Claudia Pechstein, die 13,5 Prozent erzielte.

          Die Verteidigung des Direktmandats gelang auch Gesine Lötzsch im Bezirk Lichtenberg wieder. Mit 25,8 Prozent lag sie deutlich vor der SPD-Kandidatin Anja Ingenbleek, die 19,6 Prozent erreichte. Lötzsch sitzt seit 2002 im Bundestag. Die 60 Jahre alte Berlinerin, die 2010 bis 2012 auch einmal Parteivorsitzende war, hat seitdem jedes Mal ein Direktmandat gewonnen, nun zum sechsten Mal.

          Zwei Direktmandate der vorigen Bundestagswahl gingen der Linkspartei aber in der Hauptstadt verloren. Die langjährige Vizepräsidentin des Bundestags, Petra Pau, verlor ihr Mandat in Marzahn-Hellersdorf an den früheren Berliner CDU-Sozialsenator Mario Czaja, und auch Udo Wolf, zuvor Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus, konnte das Mandat in Pankow nicht verteidigen, das der nun aus dem Bundestag ausgeschiedene Stefan Liebich mehrfach errungen hatte.

          Dafür aber konnte der 44 Jahre alte Sören Pellmann im Leipziger Süden sein Direktmandat verteidigen. Er erreichte 22,8 Prozent, lag damit deutlich vor Sachsens Grünen-Spitzenkandidatin Paula Piechotta, die auf 18,4 Prozent kam. Um 23.56 Uhr hatte der Grundschullehrer seinen Sieg in dem Wahlkreis schwarz auf weiß. Damit hatte die „Lebensversicherung“ der Linken, die drei Direktmandate, funktioniert.

          Das war nicht das erste Mal in der Geschichte der Partei. Die PDS, Vorläuferpartei der Linken, hatte bei der Bundestagswahl 1994 nur 4,4 Prozent erreicht, war aber durch vier Direktmandate mit 30 Abgeordneten in den Bundestag einzog. Diesmal werden es 39 Abgeordnete sein.

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