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TV-Duell Merkel gegen Schulz : Wird die Rente wie die Maut?

  • -Aktualisiert am

„Die Bessere solle gewinnen“

Das fünfte Duell dieser Art ist - zwei gab es bei der ersten Aufführung 2002 (Schröder gegen Edmund Stoiber von der CSU) und dann je eins vor den nachfolgenden Bundestagswahlen. Draußen vor den Toren Berlins findet es statt. In Adlershof. Am Studio 20 lautet die Adresse. 700 Journalisten haben sich akkreditiert – obwohl sie auch nicht mehr sehen, als der gewöhnliche Fernsehkonsument auch. Dafür aber gibt es ein Stelldichein der sogenannten politischen Klasse, deren Mitglieder an diesem Abend vor allem als Spin-Doktoren auftreten, als Leute also, die den anderen beibringen wollen, wie das Duell, wie die Äußerungen, wie das Auftreten der beiden Kandidaten zu bewerten sei: Fraktions- und Parteivorsitzende, Minister, Ministerpräsidenten auch - parteiübergreifend. Und draußen vor der Tür übten sich die jungen Leute der CDU und der SPD in Schlachtengesängen. „Die Bessere soll gewinnen“, rufen die von der Jungen Union – siegesgewiss.

Vier Themen waren vorab zwischen den Kandidaten und den vier Fernsehsendern (ARD, ZDF, RTL, Sat1) verabredet worden: Migrationspolitik, Außenpolitik, soziale Gerechtigkeit, innere Sicherheit. Und siehe da. Merkel und Schulz blieben bei dem, was sie in den vergangenen Tagen und Wochen in Dutzenden Interviews und in Wahlkampfreden gesagt hatten. Wie denn auch hätte es anders sein können - gehört Glaubwürdigkeit doch zum höchsten Gut der Wahlkämpfer.

Schulz attackiert

Merkel verteidigt ihre Flüchtlingspolitik. „Ich halte es nach wie vor für absolut richtig.“ Sie gibt aber zugleich zu, sie habe sich zu wenig um die Flüchtlingslager gekümmert, die den Schleppern das Geschäft erleichtert hätten. „Das wird so nie wieder passieren.“  Schulz attackiert. Merkel habe ihr Vorgehen 2015 nicht mit den europäischen Partnern abgestimmt. Merkel sucht es wegzulächeln. Ob der Islam zu Deutschland gehöre, wird Merkel nicht zum ersten Male gefragt. Sie verstehe die Bedenken. Doch gebe es vier Millionen Muslime in Deutschland, die zum Erfolg des Landes beitrügen. Schulz warnt vor einem Antisemitismus mancher Zuwanderer. „Integration findet nicht auf dem Papier statt.“ Gegen die sogenannten Hassprediger sind sie beide. Wenn er Kanzler würde, würde er die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abbrechen, sagt Schulz. Merkel spricht von wirtschaftlichem Druck gegen die Türkei, lehnt aber den Abbruch der Beitrittsverhandlungen ab. Schulz aber versichert: „Ich werde kämpfen dafür.“ Und: „Ich würde diesen Antrag stellen.“ Merkel sagt, die Verhandlungen kämen ohnehin nicht voran. Und: Es gebe 50 Millionen Menschen in der Türkei - „die hoffen auf uns“.

Martin Schulz trifft zum Fernsehduell mit Angela Merkel ein. Deren Anhänger bilden hinter ihm den größten Block der Zuschauer.

In Sachen Rentenpolitik brachte Schulz die Bundeskanzlerin in die Defensive. Schulz verwies darauf, einige CDU-Politiker wollten die „Rente ab 70“ einführen. Merkel antwortete, man solle sich nicht „Untergruppen“ gegenseitig vorhalten, die Forderungen erhöben, die in der Partei nicht die Mehrheit bildeten. Schulz hakte nach. Merkel sagte, es bleibe bei der „Rente ab 67“. Ein „ganz sicher“ fügte sie an. Schulz lobte die Kanzlerin: „Ganz toll.“ Und: „Wir wissen jetzt: Bis 67.“ Und: „Beim letzten Mal war es die Maut.“ Sodann: „Frau Merkel hat sich jetzt festgelegt.“ Die wiederum bat, man solle ihr keine Minderheitsmeinungen vorhalten. Schulz verwies auf Jens Spahn, ein CDU-Präsidiumsmitglied, und auf den CDU-Wirtschaftsrat. Das seien ja wohl keine Minderheitsmeinungen, hielt er Merkel vor.

Und die Koalitionsfrage? Merkel sagt wie stets, mit der AfD und der Linkspartei werde es keine Koalition geben. So solle es wohl die SPD sein.

Schulz sollte als erster sein Schlussplädoyer abgeben dürfen: Soziale Gerechtigkeit, die Zukunft gestalten und nicht die Vergangenheit verwalten, am besten mit unseren Freunden in Europa. Kanzler wolle er werden. Dienend für unser Volk. Merkel hatte sich ebenfalls präpariert – in ihren Wahlkampfreden zum Beispiel. Nichts sei sicher. Mit der Mischung aus Erfahrung und der Neugier aufs Neue wolle sie weiter als Kanzlerin arbeiten. „Für Sie und mit Ihnen.“ Zwei Stimmen für die CDU. Der Wahlkampf geht weiter.

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