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TV-Duell : Schulz punktet, Merkel gewinnt

Das TV-Duell war das erste und einzige direkte Aufeinandertreffen von Angela Merkel und Martin Schulz Bild: Reuters

Selten waren sich zwei Kontrahenten bei einem TV-Duell so einig wie Merkel und Schulz. Trotzdem gibt sich der SPD-Herausforderer angriffslustiger und kann die Kanzlerin bei der Innenpolitik in Bedrängnis bringen. Aber reicht das, um das Rennen noch zu drehen?

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          So viel Dankbarkeit war selten bei einem TV-Duell. „Ich bin Herrn Schulz dankbar, dass er von Krieg und Frieden gesprochen hat“, sagt Angela Merkel, als es um Nordkorea und die Bedrohung durch den Diktator Kim Jong-un und seine Raketentests geht. Auch Martin Schulz ist an diesem Sonntagabend voller Dankbarkeit für die Kanzlerin, weil sie „das noch einmal angesprochen hat“, und Merkel nickt oft zustimmend mit dem Kopf, wenn Schulz von der SPD spricht.

          Oliver Georgi
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Manchmal wendet sie sich bei ihren Antworten auch zuerst an ihn und sagt: „Wir haben oft gedacht...-“ Spätestens da dürfte sich mancher Zuschauer fragen, ob Merkel wirklich gegen Schulz antritt oder ob die große Koalition gerade gemeinsam um ihre Fortsetzung wirbt. Schnell wird klar, dass sich im Berliner Adlershof zwei langjährige europäische (Außen-)Politiker treffen, die sich und ihre Positionen aus unzähligen Verhandlungsrunden in- und auswendig kennen und einander sehr schätzen. In weiten Teilen ist das Duell denn auch eher ein öffentlicher Koalitionsgipfel unter Regierungspartnern als ein heftiger Schlagabtausch.

          Das zeigt sich vor allem in der ersten Stunde, in der es fast ausschließlich um die Außenpolitik geht und in der sich Merkel und Schulz in etlichen Punkten höchstens in der Rhetorik, nicht aber fundamental in ihrer Haltung unterscheiden, die die Union und die SPD in vier Regierungsjahren oft gemeinsam vertreten haben.

          Beispiel Flüchtlingspolitik: Zwar greift Schulz die Kanzlerin heftig für ihre Entscheidung im Spätsommer 2015 an, die in Ungarn festsitzenden Flüchtlinge nach Deutschland einreisen zu lassen, ohne sich vorher mit den anderen EU-Staaten beraten zu haben. 2015 aber fand eben jener Martin Schulz noch, Merkel hätte „sicher mehr mit Franzosen und Polen kommunizieren können“, aber die humanitäre Ausnahmesituation habe eben ein schnelles Handeln erfordert. „Es gibt im Leben einer Bundeskanzlerin Momente, da müssen Sie entscheiden“, sagt Merkel am Sonntagabend – und so richtig kann Schulz dem nicht widersprechen. Zumal er Merkels Entscheidung grundsätzlich weiter richtig findet. Selbst das Bekenntnis der Kanzlerin, die Bundesregierung habe sich in der Krise zu wenig um Flüchtlingslager in der Türkei und Jordanien gekümmert, ändert nichts an der großen Gemeinsamkeit – zumal es nicht neu ist.

          Differenzen muss man mit der Lupe suchen

          Auch bei anderen außenpolitischen Themen müssen die Zuschauer große Differenzen mit der Lupe suchen. Schulz wie Merkel finden, ein „verfassungskonformer Islam“ (Merkel) habe Platz in Deutschland, Islamisten und gewaltbereite Gefährder aber nicht; beide wollen straffällig gewordene Flüchtlinge schnell abschieben und stärker als bisher gegen Hassprediger und fanatische Imame vorgehen. Spannend wird es höchstens beim Thema Türkei, bei dem Schulz eine deutlich klarere Sprache als Merkel spricht: Als Kanzler will er dem europäischen Rat empfehlen, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei sofort zu beenden, weil Ankara längst „alle roten Linien überschritten“ habe.

          So dezidiert hat Schulz das bislang nicht gesagt – und setzt die Kanzlerin damit unter Zugzwang. Merkel ist zu einer so klaren Aussage denn zunächst auch nicht bereit, weil ein Stopp der Verhandlungen nur einstimmig von allen EU-Staaten beschlossen werden müsse und sie im Vorhinein keine so „klare deutsche Position“ (Schulz) benennen will. Kurz darauf erklärt sie dann plötzlich doch, sie werde mit ihren „Kollegen noch einmal reden, ob wir die Beitrittsverhandlungen auch beenden können“. Das wirkt, als habe sie sich von Schulz zu dieser Aussage drängen lassen – und der SPD-Kandidat kann sich als Mann der klaren Kante präsentieren, der die Kanzlerin vor sich hertreibt.

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