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TV-Duell : Der angeblich entscheidende Abend

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Das Duell, das keines war: Peer Steinbrück und Angela Merkel polarisierten beim Fernsehduell nicht Bild: dpa

Beim Fernsehduell besticht Bundeskanzlerin Merkel durch „Personenklau“. SPD-Spitzenkandidat Steinbrück warnt die Zuschauer, sich nicht einlullen zu lassen. Auf persönliche Attacken verzichteten beide.

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          Das Gespräch plätschert dahin. Die Stimmung im Saal ist gediegen langweilig, und selbst Stefan Raab, der Neue in der Runde der bedeutenden Fragesteller der vier Fernsehsender, hat sich schon schwer damit getan, abseits eines Witzes für neue Formen politischer Fragestellung zu sorgen. Zwischen Grundsätzlichem und Kleinteiligen mäandert die Talkrunde von Titelverteidigerin und Herausforderer. Angela Merkel redet mehr als Peer Steinbrück, weshalb – den Regeln der Runde zufolge – Steinbrück immer wieder einmal einige Fragen am Stück zu beantworten hat. Eine Frage kommt daher, ob Steinbrück finde, dass Politiker „genug“ verdienten.

          Ein Hin und her: Was das denn solle? Ja, doch, eine wichtige Frage. „Glauben Sie im Ernst“, sagt dann der SPD-Kanzlerkandidat, „dass ich je im Leben noch mal auf eine solche Frage antworte?“ Ausnahmsweise fasst sich Merkel kurz. „Ja“, sagt sie, Politiker verdienten genug.

          Merkel lobt ihren Vorgänger

          Gegen 21 Uhr an diesem angeblich entscheidenden Abend – draußen in Berlin-Adlershof – in den Fernsehstudios, aus denen das sogenannte Duell gesendet wurde, hat Angela Merkel einen klassischen Merkel-Satz untergebracht. Es ging um Wachstum, um Schuldenabbau, um Konsolidierung. Ihr Kontrahent, der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, hatte soeben mit Blick auf Griechenland gesagt, er hätte als Kanzler eine „andere Krisenstrategie“ als Merkel gewählt.

          Merkel returniert – das nicht zum ersten Male in den vergangenen Wochen – mit einem Lob für ihren Vorgänger. Sie spricht von der Agenda 2010 und deren Wirkungen. Sie sagt: „Gerhard Schröder hat sich um Deutschland verdient gemacht.“ Die SPD-Ecke im Saal schwieg. Dabei war es nicht mehr nur „Themenklau“, den die Union im Allgemeinen und Angela Merkel im Besonderen seit nun vielen Jahren erfolgreich betreiben – es grenzt an Personenklau.

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          Diese Art der Politik spielte dann später noch eine Rolle. Ob er nicht der CDU auch Themen „klauen“ könne, wird Steinbrück gefragt, was er dann mit der Bemerkung beantwortet, Merkel stelle bloß bunte Schachteln ins Schaufenster, und er als Wahlkämpfer wolle dafür sorgen, dass die „Wählerinnen und Wähler“ in diese Schachteln hineinschauten. Also: Die „Lohnuntergrenze“ der CDU sei nicht mit dem „Mindestlohn“ der SPD zu verwechseln. Der Wähler solle sich nicht einlullen lassen. Merkel wiederum hatte sich des fragenden Vorwurfs zu erwehren, ob sie eigentlich SPD-nah sei. Was wohl herauskomme, wenn sie Antworten in einen „Wahl-O-Mat“ gäbe? „Ich glaube, dass da gut CDU rauskommen kann“, sagt sie. Immerhin: Der Schnickschnack in der Sendung hielt sich in Grenzen. Merkel und Steinbrück waren auch nicht die Richtigen für Politspielchen.

          „Public Viewing“ und Prominente

          Schon in früheren Jahren, sogar in den längst vergangenen Zeiten der Moderatorin Sabine Christiansen, hatten überzeugte Parlamentarier, und in dieser Funktion auch Bundestagspräsidenten, darüber geklagt, unverbindliche Talkrunden würden an die Stelle ordentlicher und mit Entscheidungsbefugnissen versehene Bundestagsdebatten treten. Das sogenannte TV-Duell der beiden Spitzenkandidaten war, so gesehen, ein Extrakt politischer Talkshows – mit dem Unterschied natürlich, dass dieses Mal wieder mehr Moderatoren ihrer Pflicht nachgingen als Diskutanten eingeladen waren. Zu einem politischen Medienereignis wurde die Sache stilisiert, als handele es sich um ein Fußball-Entscheidungsspiel. Beispiel I: In Hannover veranstaltete die niedersächsische CDU ein „Public Viewing“. CDU-Bundestagskandidaten wollten mit dabei sein.

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