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Jasper von Altenbockum (kum.)

Merkel gegen Schulz : Duell zum Chillen

Gähnen statt Spannung bis zum Schluss: SPD-Fraktionsführer Thomas Oppermann beobachtet das Fernsehduell. Bild: KOALL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

War das Fernsehduell die erhoffte Wende für den Herausforderer? Sicher nicht. Vielmehr war es Ausdruck der großen Koalition. Schulz und Merkel sind gefangen im Kreislauf der Kompromisse.

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          Was von den Fernsehduellen der Spitzenkandidaten zu halten ist, zeigte die etwas verfrühte Feststellung der SPD, Martin Schulz sei der eindeutige Sieger – da hatte die Sendung noch gar nicht begonnen. Aber auch bei CDU und CSU stand das Ergebnis natürlich schon vorher fest. Die SPD lag mit ihrer Einschätzung allerdings gar nicht so schlecht. Schulz brachte Merkel gleich zu Beginn des Schlagabtauschs in Verlegenheit, als er ankündigte, als Kanzler darauf hinwirken zu wollen, dass die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abgebrochen werden.

          Merkel musste, nachdem sie noch zu erklären versuchte, warum sie ohnehin gegen den Beitritt ist, aber die Verhandlungen dennoch als Faustpfand behalten wolle, nachziehen. Wenn Schulz die Wehrpflicht wieder eingeführt hätte, wäre es wohl nicht anders gewesen. So schnell kann das gehen bei Frau Merkel.

          Nicht die erhoffte Wende für Schulz

          Aber ist das deshalb schon die erhoffte Wende für Schulz? Sicher nicht. Selbst dieses Duell gab nicht viel mehr als die großen Koalition zu erkennen. Die Konflikte, auf die Merkel und Schulz angesprochen wurden, waren zum großen Teil auch die Konflikte dieser Koalition, und die daran gewöhnte Phantasie der Wähler wird ausreichen, um sich auszumalen, wie sie enden, wenn es wieder dazu kommt. Selbst Unvorhersehbares wie die Flüchtlingskrise gehorcht den Regeln eines berechenbaren Korridors. Merkel und Schulz sind gefangen in diesem Kreislauf der Kompromisse, auch wenn sie sich noch so sehr duellieren wollten. Angela Merkel nutzt das als Panzer, Schulz hingegen begehrt dagegen auf, weil es für ihn wie ein Gefängnis ist.

          Darin liegt wohl der tiefere Grund für „den unpolitischen Geist dieses Sommers“, den der Grünen-Politiker Robert Habeck jetzt entdeckte: Die Deutschen wollten lieber chillen. Als es noch ideologische Duelle gab, in denen die Grünen den Takt vorgaben, war das ganz anders. Es war die Zeit, in der an Fernsehduelle in der Bundesrepublik gar nicht zu denken war. Die kamen erst, als der unpolitische Geist aus der Flasche war: die Hegemonie einer Konsenskultur, in der mittlerweile eine CDU/CSU-Kanzlerin von Grünen, FDP und SPD nur noch rechts überholt werden kann, damit so etwas wie Konfrontation aufkommt. Aber da ist ja nun die AfD, am anderen Ende nur noch die Ex-DDR. Fernsehduelle der Spitzenkandidaten sind deshalb zum Ersatz für die verlorenen Gegensätze längst vergangener Wahlkämpfe geworden. Es sind Duelle zum Chillen.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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