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FAZ.NET-Countdown : Warum Merkel Stückchen in ihrer Suppe braucht

Angela Merkel und Armin Laschet beim Wahlkampf in Bergisch-Gladbach Bild: dpa

Die Kanzlerin geht im Wahlkampf dahin, wo das Potential der Unionsparteien am größten ist. Mit diesem Konzept siegte Armin Laschet schon in NRW. Denn wenn die treuen CDU-Anhänger zur Wahl gehen, ist der Sieg sicher.

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          Oops, she did it again. Als Angela Merkel im Herbst vergangenen Jahres nach „unendlich“ langem Nachdenken ihre abermalige Kandidatur für das Kanzleramt verkündete, sagte sie einen Wahlkampf voraus, der nicht einfach werde. So sah das damals tatsächlich aus. Eines schien sicher: Nicht noch einmal würde sie davon kommen mit kleinen Einblicken in ihr Privatleben wie jenem aus dem August 2013: „Mein Mann beschwert sich selten. Nur auf dem Kuchen sind ihm immer zu wenig Streusel.“

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          In einem Interview mit der Illustrierten „Bunte“ hat sie es nun tatsächlich wieder getan. In einer „Vorabmeldung“ heißt es, trotz ihres stressigen Wahlkampfprogramms blicke die Bundeskanzlerin zuversichtlich auf die bevorstehende Kartoffelernte im eigenen Garten (Merkel besitzt eine Datsche in der Uckermark). „Es sieht gut aus. Aber die Ernte ist noch nicht eingebracht“, sagte sie. Man könnte das als politische Prognose für den 24. September lesen. Und auch ihr Geheimnis für ihre Kartoffelsuppe („Ich zerstampfe die Kartoffeln immer selbst mit einem Kartoffelstampfer und nicht mit der Püriermaschine - so bleiben in der Konsistenz noch immer kleine Stückchen übrig.“) lässt sich parteipolitisch deuten, sind doch in der Konsistenz der CDU noch immer kleine Stückchen des Konservativen übrig.

          An diesem Donnerstag tourt Merkel durch Thüringen und Franken und spricht auf Kundgebungen in Vacha und Bayreuth. Die CDU-Vorsitzende geht dahin, wo das Potential der Unionsparteien liegt: Stammwähler-Mobilisierung ist alles. So lief das schon im NRW-Wahlkampf unter Armin Laschet. SPD-Gegenkandidat Martin Schulz wird daran am Donnerstag erinnert. Er wird dann an den Ort der bitteren Niederlage bei der Landtagswahl am 14. Mai zurückkehren, den manche in der Partei als politischen Genickbruch des Kanzlerkandidaten bezeichnen. Am Nachmittag wird er in Essen auf einer Kundgebung sprechen. Vorher besucht er ein Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt in Leverkusen.

          Was sonst noch wichtig wird

          Auch in Washington neigt sich die politische Sommerpause, die dort freilich eher ein erbärmliches Sommertheater war, dem Ende zu. Wenn Donald Trump gesetzgeberisch noch etwas zu Wege bringen will, dann bleiben ihm die Monate bis Weihnachten. Danach blickt das Land auf die „midterms“, die Kongresswahlen im Herbst 2018. Der Lektüre der „New York Times“ ist allerdings zu entnehmen, dass es schwer werden wird für den Präsidenten. Sein Verhältnis zum republikanischen Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, habe einen desaströsen Zustand erreicht. Beide hätten seit Wochen nicht mehr miteinander gesprochen, schreibt das Blatt. Zudem habe McConnell im privaten Kreis Zweifel geäußert, dass Trump nach diversen Krisen in diesem Sommer noch in der Lage sei, seine Regierung zu retten. 

          Leseempfehlung

          Mein Moskauer Kollege Friedrich Schmidt  ist ins westsibirische Tomsk aufgebrochen und hat die  Reportage „Ungesühnt, doch nicht vergessen“ nach Frankfurt geschickt. Die Geschichte über einen jungen Russen, der die Schuldigen am Mord seines Urgroßvaters in Stalins Großem Terror ermittelt hat, lesen sie auf FAZ.plus.

          Mit meinen Balkon-Tomaten sieht es übrigens gar nicht gut aus. Da wird nicht viel an Ernte einzubringen sein. Zumindest beschwert sich auch meine Frau eher selten.

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