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SPD-Parteitag  : Gerd macht Mut

Eine Heldenlegende, die den Genossen Mut machen soll: Altbundeskanzler Gerhard Schröder und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz am Sonntag in Dortmund. Bild: dpa

In Dortmund versuchen die Sozialdemokraten trotz verheerender Umfragewerte neuen Optimismus für die Bundestagswahl zu schöpfen. Martin Schulz greift die Kanzlerin scharf an – mehr Begeisterung löst aber fast ein alter Bekannter aus.

          Als Gerhard Schröder aufs Podium tritt, ist die Hoffnung urplötzlich wieder da. Es ist Sonntagvormittag, die SPD hat den Altkanzler als Gastredner auf den Parteitag nach Dortmund geladen, bei dem eigentlich Martin Schulz und sein Regierungsprogramm gefeiert werden sollen. Aber vielen im Saal ist kaum nach Feiern zumute angesichts der Umfragen, in denen die SPD immer weiter zurückfällt. Die Wahl ist schon gelaufen, fürchten viele. Deshalb also Schröder: Wenn einer Attacke kann, dann er.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          „Wir haben 2005 in wenigen Wochen über 20 Prozentpunkte aufgeholt“, ruft der Altkanzler unter dem großen Applaus der Genossen. „Wir haben gekämpft, wir haben aufgeholt, und was damals ging, das geht heute auch.“ Das ist die Botschaft, die Schröder in Dortmund verkünden soll. Er soll der Partei wieder Mut machen. Man könnte auch sagen: Er soll sie an ein Wunder glauben lassen.

          An ein Wunder wie im Sommer 2005, als die SPD in den Umfragen vor der Bundestagswahl hoffnungslos hinter der Union lag und dann, dank der Verve eines plötzlich wie befreit aufspielenden Schröders, binnen Wochen so rasant zulegte, dass sie am Wahlabend um ein Haar noch gesiegt hätte. Seither gilt Schröders Aufholjagd in der SPD als Heldenlegende, die Unmögliches möglich gemacht hat. Und wenn Schröder das geschafft hat, warum dann nicht auch Schulz? War das nicht auch das Thema im Eröffnungssong des Parteitags? „Ich lass die Zweifel hinter mir, volle Kraft voraus, alles auf Start“, gab Sänger Sebastian Hämer da zum Besten.

          Die SPD will endlich wieder nicht mehr zweifeln müssen, zumindest an diesem Sonntag nicht, also berauscht sie sich in einem großen autosuggestiven Akt an der belebenden Kraft des Möglichen – und auch an Gerhard Schröder. Von Kampfeswillen und aufgekrempelten Ärmeln spricht der Altkanzler, von Disziplin und Geschlossenheit, vor allem aber von den Selbstzweifeln, die es jetzt gerade nicht geben dürfe, nicht beim Kandidaten und nicht in der Partei. „Nur wer das Amt des Bundeskanzlers unbedingt will, kann es auch bekommen“, ruft Schröder, was man durchaus als Spitze gegen Schulz verstehen kann. Und: „Nichts ist entschieden. Wenn wir alle Kräfte mobilisieren, um jede Stimme kämpfen, dann können wir unser Ziel erreichen: die SPD zur stärksten Partei zu machen.“

          Eine Heldenlegende, die den Genossen Mut machen soll: Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Sonntag in Dortmund

          Lauter Applaus im Saal, solche Sätze kommen an. Und auch, dass Schröder die Kanzlerin und ihre Amerika-Politik in einer Deutlichkeit kritisiert, die mancher Genosse bei Martin Schulz womöglich schmerzlich vermisst. Er wundere sich über „Auftritte in bayerischen Bierzelten", sagt Schröder in Anspielung auf die Erklärung der Kanzlerin, dass sich Deutschland und Europa nicht mehr auf die Vereinigten Staaten verlassen könnten. „Das waren doch immer diejenigen, die den Amerikanern in jedem, auch in den Irakkrieg folgen wollten.“

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