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SPD nominiert Parteilinke : Wer ist Bärbel Bas?

Bärbel Bas Bild: Picture-Alliance

Die SPD nominiert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Bas für das Amt der Bundestagspräsidentin. Ihr Weg führt aus der Mitte der Fraktion an die Spitze des Parlaments.

          2 Min.

          Als Kommunalpolitikerin in Duisburg, als Bürogehilfin in einem kommunalen Verkehrsbetrieb und dann als Angestellte einer Betriebskrankenkasse hat Bärbel Bas das politische Handwerk von Grund auf erlernt und dabei lange noch ein festes Standbein im Berufsleben behalten.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Die heute 53 Jahre alte Sozialdemokratin stammt aus einer kinderreichen Familie, fünf Geschwister hat sie, und ist früh eigene Wege gegangen. Jugendbilder zeigen sie auf dem Motorrad, und Bas spielte schon Fußball, als dies noch als Männersache galt. Ihre damalige Position als Libero beschreibt auch das Ergebnis einer etwas mühseligen Kandidatenfindung für das Amt einer Bundestagspräsidentin. Bas war anspielbar und bereit, Verantwortung zu übernehmen.

          Das hohe Staatsamt hätte eigentlich im SPD-Fraktionsvorsitzenden Rolf Mützenich eine respektable Besetzung gefunden, doch der profilierte Parteilinke will offenbar lieber weiter in die aktive Regierungspolitik eingreifen, sein derzeitiges Amt bietet ihm dafür weitreichende Möglichkeiten, denn ohne die Fraktion und deren Vorsitzenden kann selbst der führungsstärkste Bundeskanzler wenig ausrichten.

          Krimifan mit Sinn für Comedy

          Mützenichs Verzicht hatte aber auch damit zu tun, dass die Frauen in der SPD und Frauen und Männer darüber hinaus sehr nachdrücklich darauf bestanden haben, der Bundestag brauche eine weibliche Präsidentin, schon um einen rein männlichen Eindruck an den Spitzen des Staates zu vermeiden.

          Die Duisburgerin, Krimifan mit Sinn für Comedy und schrägen Witz, ist auch Mitglied der Duisburger Karnevalsgesellschaft Rote Funken sowie der Gewerkschaft ver.di.

          Ihr beruflicher Aufstieg vom Hauptschulabschluss bis zur Krankenkassenbetriebswirtin und Personalmanagerin mit großer Führungsverantwortung zeigen eine Frau in dem Bestreben, etwas aus ihrem Leben zu machen. Aber nicht nur für sich selbst.

          Seit 2009 Abgeordnete im Deutschen Bundestag

          Mit 20 Jahren ist Bärbel Bas in die SPD eingetreten und war bei den Jusos aktiv. Im traditionsreichen SPD-Unterbezirk Duisburg schaffte sie es bald in die Führung, seit 2009 gehört sie dem Deutschen Bundestag an und hat ihr Direktmandat seither dreimal erfolgreich verteidigt.

          Nach ihrer beruflichen Vorerfahrung war der Gesundheitsausschuss im Parlament das Betätigungsfeld der Wahl, als eine der Parlamentarischen Geschäftsführerinnen sammelte Bas fraktionsübergreifend Erfahrungen, im Bundestag trat sie als sachlich-fachliche Rednerin auf.

          Bas gehört in der Fraktion zur Richtungsgemeinschaft der Parlamentarischen Linken (PL), deren Schatzmeisterin sie zuletzt war. Das Amt, für das ihre Fraktion sie nun vorschlägt, ist gleichwohl ein gewaltiger Schritt für Bas.

          Ihre beiden Vorgänger, Norbert Lammert und Wolfgang Schäuble (beide CDU), verbanden Charisma und Redekunst zu einem recht leuchtenden Gesamtbild parlamentarischer Kunst. Dies kann, dies wird Bas nicht imitieren wollen. Eine eigene Art der Amtsführung zu finden, den Bundestag als würdiges, aber auch volksnahes Zentrum der parlamentarischen Demokratie zu repräsentieren, das muss ihr gleichwohl gelingen.

          Dazu gehört auch die Zustimmung möglichst vieler im Parlament, denn Bärbel Bas wird nun zwar als Vorschlag der SPD-Fraktion in die Wahl gehen, sie wird aber Bundestagspräsidentin aller frei gewählten Abgeordneten des deutschen Volkes sein wollen, zumindest fast aller.

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