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SPD nach der Wahl : In der Schwebe

  • -Aktualisiert am

Peer Steinbrück: „Wir haben nicht das Ergebnis erreicht, was wir wollten.“ Bild: dpa

Die SPD ist von den Ergebnissen der Bundestagswahl enttäuscht – und plant doch bereits für die große Koalition. Dabei wollen sich alle Beteiligen bis zuletzt alle Optionen offen halten.

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          Der entscheidende Satz kommt von Peer Steinbrück. Er hat schon einige Minuten geredet, Sigmar Gabriel für seine warmherzige Rede gedankt, ebenso den im Willy-Brandt-Haus versammelten Genossen für den warmherzigen Applaus. Der Kanzlerkandidat hat der Union gratuliert zu einem „guten Ergebnis“, das für Bundeskanzlerin Angela Merkel „viel Verantwortung“ bedeute. Auch hat Steinbrück gesagt: „Es gehört zum Klartext: Wir haben nicht das Ergebnis erreicht, was wir wollten.“

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Nun sagt er endlich: Vor dem vorläufigen amtlichen Endergebnis möge man nicht darüber reden, welche Gespräche in nächster Zeit geführt werden müssten. Es ist die an diesem Abend weitestgehende Formulierung zu dem Thema, über das führende Genossen bis dahin nur geflüstert haben: die mögliche Bildung einer großen Koalition. Es sind auch Worte der Mahnung. Denn es könnte am Ende, das wird an diesem Abend im Willy-Brandt-Haus befürchtet, auch eine absolute Mandatsmehrheit für die Union werden.

          „Der Ball liegt bei Frau Merkel“

          Zuvor hatte Steinbrück wiederholt, was der Parteivorsitzende Gabriel, die Generalsekretärin Andrea Nahles und Thomas Oppermann, der Fraktionsgeschäftsführer, geäußert hatten: Die Lage sei unklar. Im Übrigen liege der Balle „im Spielfeld von Frau Merkel“. Steinbrück sagt, er schulde der SPD Dank und werde sich auch künftig für sie einsetzen. Er ist gerührt. Gabriel hat ihn einen Pfundskerl genannt, der einen „phantastisches Wahlkampf“ geführt habe. Die Menge applaudiert. Und Steinbrück gibt den Applaus zurück. Es ist eine Art Abschied.

          Wenige Stunden zuvor: In den oberen Etagen des Willy-Brandt-Hauses sitzt die engere SPD-Führung zusammen. Die frühen Zahlen, welche die demoskopischen Institute intern vermelden, versetzen die Partei in einen Schwebezustand. Zugewinne ja, aber weniger als zuletzt erwartet. Offen zudem, ob die Partei wieder in Regierungsverantwortung ist. Es wird gar nicht soviel geredet in der Runde, heißt es später. Man überlegt, mit welcher Kommentierung man nach 18 Uhr an die Öffentlichkeit gehen soll. Die Absicht ist klar, es fehlt nur noch die Formulierung. „Der Ball liegt bei Frau Merkel“, sagt einer.

          Kein anderer Satz wird an diesem Abend so oft zitiert werden. So will man fürs Erste Fragen nach einer eventuellen großen Koalition beantworten – beziehungsweise abblocken. Schon Tage zuvor hat sich die SPD-Führung auf diesen Fall vorbereitet: Ist das Ergebnis zwar keine Katastrophe, aber trotzdem eine Enttäuschung, müsse man die Partei behutsam auf das vorbereiten, was nun kommen könnte. Erst müsse man an diesem Montag in den Parteivorstand einbinden. Fühle der sich übergangen, könnte ein Sturm losbrechen. Bei einem besseren Ergebnis hätte man schon am Wahlabend gesagt: Wir führen Sondierungsgespräche, dann sehen wir weiter.

          Aufwind trug nicht lange

          Unten im Foyer herrscht um 18 Uhr Enttäuschung. Man habe mehr erwartet, sagen Vertreter der Parteilinken noch, als die Prognose bekannt wird. Das Gerede über eine große Koalition habe geschadet. Die Partei hatte zuletzt im Wahlkampf an Fahrt gewonnen, seit dem Fernsehduell Steinbrücks mit Merkel spürte man leichten Aufwind. Doch der trug nicht lange. „Der Weg zurück zur Stärke ist länger als wir gedacht haben“, sagte Gabriel. Ein bemerkenswerter Satz, keine wirklich neue Erkenntnis – manche sagten vor einem Jahr, dies sei der Grund dafür gewesen, dass die Partei sich so schwertat auf der Suche nach einem Kanzlerkandidaten. Viele offene Fragen werden nun bierselig in der Parteizentrale und den Partyzelten auf der Stresemannstraße diskutiert.

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