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Seehofer über seine Zukunft : „Ich will nicht vom Hof gejagt werden“

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Wirklich hin und her gerissen?: Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer Bild: dpa

Horst Seehofer macht es spannend. Wenige Wochen, bevor er sich öffentlich über seine politische Zukunft erklären will, spricht der CSU-Chef in einem Interview über seine Zweifel.

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          Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat sich nach eigener Aussage noch nicht entschieden, ob er nach der Landtagswahl 2018 seine politischen Führungsämter abgibt. „Glauben Sie mir: Ich bin wirklich noch hin- und hergerissen. Ich weiß es einfach noch nicht“, sagte der bayerische Ministerpräsident in einem Interview mit der Zeitschrift „Stern“ auf die Frage, ob er die Kraft hätte loszulassen.

          Einerseits wolle er „keine gescheiterte Mission hinterlassen“, so Seehofer. „Ich will aber auch nicht vom Hof gejagt werden, weil mich keiner mehr hören und sehen kann.“ Der 67 Jahre alte Seehofer hatte am Montag in einer Präsidiumssitzung der CSU angekündigt, sich am 24. April öffentlich zu erklären, ob er nach der Wahl in Bayern weiter Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender bleiben wolle. Ursprünglich wollte sich Seehofer erst am 6. Mai zu seinen politischen Zukunftsplänen äußern.

          In früheren Interviews hatte Seehofer zu erkennen gegeben, sich nach der bayerischen Landtagswahl 2018 aus der Politik zurückzuziehen. Inzwischen rechnen aber viele in der CSU offenbar damit, dass Seehofer doch noch weiter regieren und als Parteichef amtieren will. Über mögliche Nachfolger wie den bayerischen Finanzminister Markus Söder hatte sich Seehofer in den vergangenen Jahren kritisch bis abfällig geäußert.

          In den kommenden zwei, drei Wochen werde er einen ausführlichen Gesundheitscheck machen, sich mit Freunden und Familie beraten und auch „noch mal reinhorchen in die Bevölkerung, ob die CSU mit mir die besten Wahlchancen hat“, sagte er in dem Interview. Danach werde die Entscheidung fallen.

          Auch der vom Parteivorsitz zugunsten von Martin Schulz zurückgetretene SPD-Politiker und heutige Außenminister Sigmar Gabriel hatte im „Stern“ in einem Interview vor seinem Rückzug und dem Verzicht auf die Kanzlerkandidatur im Januar ausführlich über seine Zweifel gesprochen, weiter im Amt zu bleiben.  

          „Wir müssen hellwach sein“

          Über den bevorstehenden Bundestagswahlkampf sagte Seehofer: „Wir müssen hellwach sein.“ Die SPD sei durch ihren neuen Kanzlerkandidaten Martin Schulz „enorm motiviert und beflügelt“. Auch nach dem CDU-Wahlerfolg im Saarland dürfe die Union Schulz „keinesfalls unterschätzen“.

          Die CSU wolle geschlossen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Wahlkampf ziehen: „Wir stehen hinter dieser Kanzlerin. Ohne wenn und aber.“ Nach dem erbitterten Streit mit Merkel in der Flüchtlingskrise sei er „sehr froh, dass sich unser Verhältnis jetzt ehrlich normalisiert hat. Das ist keine Inszenierung.“ Trotzdem hält Seehofer an seiner Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge fest. Die von Merkel abgelehnte Obergrenze werde „ein zentraler Punkt im Wahlprogramm der CSU“ sein. Seehofer: „Dafür stehe ich. Ein Mann ein Wort.“ In der CSU gebe es den „starken Wunsch“, dass die Basis auf einem Parteitag über einen neuen Koalitionsvertrag abstimmen könne.

          Als ein wichtiges Ziel für den Wahlkampf kündigte Seehofer die Bekämpfung der AfD an: „Ich will, dass die AfD nicht in den Bundestag kommt“, so Seehofer. „Wenn wir das Land vernünftig regieren und uns im Wahlkampf nicht persönlich herabsetzen, können wir die AfD unter fünf Prozent drücken. Das wäre eine historische Leistung.“

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