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SPD-Wahlkampffinale in Aachen : Er rettet, was zu retten ist

Dringend angewiesen wäre Schulz auf ein Landtagswahl-Ergebnis seiner Partei im bevölkerungsreichsten Bundesland gewesen, das man als Schub für ihn hätte interpretieren können. So aber geriet die Schulz-Kampagne nach dem NRW-Debakel der SPD endgültig aus dem Tritt. Gleich darauf ging es auch bei der Bundestagswahl-Sonntagsfrage wieder bergab für die Sozialdemokraten. Schon seit geraumer Zeit befinden sie sich in den Umfragen nun wieder im Vor-Schulz-Tief. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Partei am Sonntag sogar die niedrigen 23 Prozent, die der damalige Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier holte, unterbietet.

Schulz gibt sich weiter kämpferisch

Zuletzt klammerte man sich bei der SPD noch an die Erwartung, dass es auf das TV-Duell mit Kanzlerin Merkel ankomme. Das Rennen werde sowieso erst in den letzten Wochen entschieden. Aber anders als Steinmeier 2009 und Peer Steinbrück 2013, die dann trotzdem gegen Merkel keine Chance hatten, verlor Schulz das Duell, weil es ihm nicht gelang, Merkel inhaltlich herauszufordern und Unterschiede deutlich zu machen. Es war kein Duell, es war ein Duett.

Hätte sich Schulz doch nur so kämpferisch gegeben wie am Samstag auf dem Aachener Katschhof. Angela Merkel stehe für Lethargie und Stillstand, ruft er seinen Anhängern zu. „Sie will die Vergangenheit verwalten, ich die Zukunft gestalten.“ Merkel sei die Weltmeisterin des Ungefähren. Immer lasse sich alle Hintertürchen auf und betreibe Demobilisierung durch Verweigerung der Debatte. Ziemlich resigniert klingt Schulz dabei – um dann seinen zwischenzeitlich relativierten Vorwurf nun doch noch einmal kraftvoll über den Katschof schallen zu lassen: „Ich bleibe dabei: Das schadet der Demokratie.“

Monatelang ist Schulz durch Deutschland getourt. Seit Wochen absolvierte er in der Regel zwei Kundgebungen pro Tag. Stets sagte er den Satz: „Wenn ich Bundeskanzler bin.“ Wahlkämpfer müssen sich unverdrossen geben. Am Samstag hat Schulz seinen aufreibenden Tour-Kalender abgearbeitet. Und bei diesem letzten Auftritt dauert es lange, bis er den Kanzler-Satz wiederholt. „Egal, was morgen herauskommt: Es war ein großer, wundervoller Wahlkampf“, sagt er stattdessen zunächst. Er kämpfe nicht für sich, für Zahlen oder für Meinungsforscher, sagt Schulz offenbar in Anspielung auf die erste wenige Stunden alte, besonders ernüchternde Umfrage, wonach die SPD ihr historisches Tief von 2009 noch einmal unterbieten und nur noch auf 21,5 Prozent kommen soll. „Ich kämpfe für meine Prinzipien, dafür dass es gerechter zugeht in Deutschland, für ein starkes Europa“. Seine Anhänger auf dem Aachener Katschhof jubeln dankbar. Dann erst sagt Schulz: „Dafür will ich Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden.“

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