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Besuch beim Wähler (13) : Gruß aus der Vergangenheit

Jürgen Rausch (rechts) betrieb das Bundesbüdchen, Harald Ganns berät heute die UN. Bild: Patrick Junker

Joschka Fischer kaufte hier Zeitungen, Helmut Kohl ließ Frikadellen holen: Das Bundesbüdchen war fester Bestandteil der Bonner Republik. Wie denkt man an dem Kiosk nun über die aktuellen Entwicklungen in der Berliner Republik?

          3 Min.

          Als 2006 ein Kran kam, um das Bundesbüdchen auf einen Tieflader zu wuchten, weil Bonn das ehemalige Regierungsviertel zu einem kleinen, aber feinen Standort der Vereinten Nationen umgestalten wollte, dachte Jürgen Rausch, er würde seinen Kiosk nach spätestens zwei, drei Jahren wieder aufgestellt bekommen, wenn auch um wenige Hundert Meter versetzt. Es dauerte dann beinahe eineinhalb Jahrzehnte, bis das Bundesbüdchen im Frühjahr 2020 endlich ins Herz der „Bonner Republik“ zurückkehren konnte. „Irrwitzig lange“, stöhnt der 65 Jahre alte Rausch. „Es gab schon manchen Tag, an dem ich ohne Freunde wie diesen Herrn aufgegeben hätte.“ Rausch deutet auf Harald Ganns, der vom ehemaligen Abgeordnetenhochhaus „Langer Eugen“ herübergekommen ist, in dem heute zwei Dutzend UN-Organisationen untergebracht sind.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Das Bundesbüdchen ist ein ovaler Kiosk, Baujahr 1957, mit gekacheltem Brüstungssims und elegant-konvexen Scheiben. Weil der Kiosk ein „charakteristisches Merkmal für die Vielfalt und Gegensätzlichkeit der Bebauung im Regierungsviertel und Ausdruck des ,Provisoriums‘“ ist, steht er unter Denkmalschutz. Als Rausch die nur 20 Quadratmeter große, nierenförmige Bude 1984 von seiner Mutter übernahm, hatte er immer alles bestens im Blick: das Bundeskanzleramt, den Bundesrat, den Bundestag. Viele prominente Stammkunden versorgten sich am Bundesbüdchen mit Zigaretten oder Gummibärchen, einem schnellen Kaffee.

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