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Peer Steinbrück : Kämpfen bis zuletzt

  • -Aktualisiert am

Ein letztes Mal umjubelt? Peer Steinbrück am Sonntagvormittag in der Stadthalle Godesberg in Bonn Bild: dpa

Noch am Sonntagvormittag wirbt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in Bonn für Stimmen. Dass es für Rot-Grün reichen könnte, daran glaubt aber auch er nicht mehr. Die SPD bereitet sich schon auf eine große Koalition vor - auch ohne Peer Steinbrück.

          Ausschlafen konnte Peer Steinbrück auch am Sonntag nicht. Nachdem er am Morgen mit seiner Frau Gertrud im Friedrich-List-Kolleg in Bonn seine Stimme abgegeben hatte, begab er sich auf seinen letzten Wahlkampftermin. Das hat er noch nie gemacht, am Wahlsonntag selbst noch auf Stimmenfang gehen. Doch diesmal hat ihn Ulrich Kelber, der SPD-Direktkandidat in seiner Wahlheimat, gebeten, sich für ihn ins Zeug zu legen. So begibt sich Steinbrück am Sonntagvormittag noch einmal in die Stadthalle in Bad Godesberg. Der Bundestagsabgeordnete Kelber ist diesmal nicht über seine Liste abgesichert und muss deshalb den Wahlkreis gewinnen.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Anders als vor vier Jahren haben CDU und FDP eine Absprache getroffen: Außenminister Guido Westerwelle, der hier ebenfalls antritt und 2009 fast 20 Prozent der Erststimmen erhielt, rief diesmal dazu auf, dem CDU-Kandidaten die erste Stimme zu geben, dieser warb im Gegenzug unter potentiellen CDU-Wählern dafür, der FDP die Zweitstimme zu schenken. Für Kelber könnte es also knapp werden. Die Frage, ob die von der FDP geführte und von der CDU- und CSU-Führung in Berlin und München abgelehnte Zweitstimmenkampagne am Ende funktioniert, hat auch Einfluss auf die SPD, die sich im Falle eines Scheiterns der Liberalen beziehungsweise eines Einzugs der „Alternative für Deutschland“ in den Bundestag in einer großen Koalition wiederfinden dürfte.

          Rot-Grün erscheint Steinbrück illusorisch

          Steinbrück selbst hat bis zuletzt ausgeschlossen, in diesem Fall in ein drittes Kabinett unter Angela Merkel einzutreten, obschon die früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder kürzlich geäußert hatten, dass sie diese Entscheidung nicht für klug hielten. In den letzten Auftritten Steinbrücks, der am Wochenende in Kassel und Frankfurt um Stimmen warb (in Hessen wird am Sonntag parallel ein neuer Landtag gewählt), sprach der Kanzlerkandidat nicht mehr viel über Rot-Grün. Die Wunschkoalition erschien ihm selbst illusorisch, zumal die Grünen zuletzt auch noch in den Umfragen schwächelten.

          Im Willy-Brandt-Haus bereitete man sich in den vergangenen Wochen auf eine große Koalition vor. Dabei wurde folgende Rechnung aufgemacht: Je besser das Ergebnis der SPD, umso leichter würde es für die SPD-Führung, die Parteibasis von der Notwendigkeit eines abermaligen Bündnisses mit der Union zu überzeugen. Gedanklich wurden bereits Namenslisten für Verhandlungskommissionen und das Kabinett aufgestellt. Freilich gab es auch Stimmen, die mahnten, man möge sich einer großen Koalition nicht zu sicher sein, am Ende könnte es auch wieder für Schwarz-Gelb reichen.

          Steinbrück kann wohl so oder so für ruhigere Zeiten planen. In der „Bild am Sonntag“ gab er zu erkennen, dass er sich darauf einstellt: Die erste freie Zeit nach dem Ende des Wahlkampfs werde er wohl „für dringende Einkäufe nutzen“. Er müsse sich „unbedingt ein paar Bücher und CDs kaufen“, sagte er. Außerdem benötige er Regale für seine Berliner Wohnung „und ein paar neue Klamotten“. Nach dem Wahlkampftritt in Bad Godesberg will Steinbrück ins Flugzeug nach Berlin steigen.

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