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Seehofer bleibt : Er ist dann mal so frei

  • -Aktualisiert am

Er kennt die Abkürzungen: Horst Seehofer am Montag in München Bild: EPA

Horst Seehofer will es wieder wissen. Weil er fit sei – und die Herausforderungen groß. Markus Söder dürfte das nicht schmecken. Und was sagt eigentlich die Schwesterpartei CDU dazu?

          Horst Seehofer nimmt sich die Freiheit. Er sei nun 67 Jahre alt, sagt Bayerns Ministerpräsident. In dem Alter also, in dem die Bevölkerung in Rente gehe. „Und die meisten würden gerne weiterarbeiten.“ Seehofer macht es einfach. Macht weiter als Ministerpräsident und als Parteivorsitzender. Frühere Ankündigungen hin oder her. Seehofer steht am Pult in der CSU-Landesleitung im Norden Münchens. Aufrecht. Immer wieder schmunzelnd. Das Fernsehen überträgt live. So voll war es hier schon lange nicht mehr. Neben ihm Landesinnenminister Joachim Herrmann. Der soll Spitzenkandidat der CSU für die Bundestagswahl werden. Er sollte im Falle eines Wahlsieges Bundesinnenminister werden. Ein „Angebot“, nennt ihn Seehofer. Später darf das Angebot dann auch mal was sagen.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Zuerst aber spricht Seehofer. Er sei bereit, sich auch in den kommenden Jahren Ministerpräsident und Parteivorsitzender zu sein. Betonung auf dem Plural. Man lerne eben dazu, auch in seinem Alter. Seit 2008 ist Seehofer Parteivorsitzender und bayerischer Ministerpräsident. Seit 2013 hatte er mehrfach angekündigt, sich 2018 aus den Spitzenämtern zurückzuziehen. Schnell wären manch andere so eine lahme Ente geworden. Jemand also, dem keiner mehr folgt, weil klar ist, dass er bald weg ist. „Lame Duck“, sagt Seehofer am Montag – das sei ja nun nicht eingetreten. Im Gegenteil: Seehofer drehte die Gesetzmäßigkeit um und machte daraus ein Spiel zu seinen Gunsten. Dabei bestimmte er über die Spielfiguren und schob – in wechselnder Reihenfolge – die Namen möglicher Nachfolger vor und wieder zurück: Ilse Aigner, Alexander Dobrindt, manchmal auch Manfred Weber, zuletzt eben Herrmann und immer wieder auch Karl-Theodor zu Guttenberg. Alle als mögliche Gegenspieler des selbsternannten Kronprinzen Landesfinanzminister Markus Söder, den Seehofer unbedingt verhindern will.

          Äußerst knappe Entscheidung

          Am Montag deutet Seehofer seine Entscheidung weiterzumachen als Erlösung aus diesem Spiel. Die Angabe, aufhören zu wollen, gehöre „nicht zu den klügsten Aussagen seiner Karriere“. Dass er nun weitermache, sei das Ende eines von ihm „selbst veranstalteten Fehlers“. Drei Dinge seien die Voraussetzung gewesen: Dass die Bevölkerung noch wolle. Dass er selbst noch wolle. Und dass er gesundheitlich noch dazu in der Lage sei. Hinter allem setzt Seehofer nun ein Häkchen. Spricht von „Leidenschaft“, die er noch habe, zudem sei er – nach „eingehender körperlicher Untersuchung“ – in der Lage, weiterzumachen. Auch seien die Herausforderungen in den vergangenen zwei Jahren noch gewachsen. Stichwort internationale Kriminalität, Terrorismus, Einwanderung. Vielleicht war es von Anfang an Seehofers Plan, sich selbst am Ende als einzig möglichen Kandidaten zu präsentieren, um so seine potentiellen Nachfolger in Schach zu halten. Zumindest im Rückblick liest sich Seehofers Agieren wie das große Anti-Söder-Spiel. „Die Jungen laufen schneller. Aber ich kenne die Abkürzungen“, ließ Seehofer unlängst in einem Interview wissen.

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