https://www.faz.net/-hpp-8zlc4

Update für Deutschland : Die FDP träumt sich in die Zukunft

  • -Aktualisiert am

Zeigt sich nicht immer so analog: der FDP-Vorsitzende Christian Lindner. Bild: Thomas Gutschker

Politiker aller Parteien reden über die Zukunft. Nur eine Partei redet davon, dass sie ganz allein daran denkt. Ihre Politiker verordnen Deutschland ein Update. Wovon spricht die FDP eigentlich?

          Die FDP hat eine Idee. Sie ist eigentlich ganz gut, wenn man es vermag, sich Deutschland als ein großes Smartphone vorzustellen. Darauf viele Apps. Alle veraltet. Die FDP sagt, Deutschland brauche ein „Update“. Zugleich würden weitere Updates gebraucht. So steht es auf den Internetseiten der Partei. Beispielsweise brauche man dringend ein Update für die Meinungsfreiheit, ein Update im Denken, ein Update für Deutschlands Sozialsystem sowie Updates für Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, den Landkreis Gießen, die Innenstadt von Bremen, Nienhagen bei Celle, den Berliner Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain sowie überhaupt für Berlin, wobei der Vorsitzende der dortigen FDP-Fraktion verspricht: „Die FDP hat dafür die notwendige Software.“

          Was zunächst bloß wie der Versuch erscheint, sich im Vergleich mit anderen Parteien als zeitgemäß darzustellen, indem man zeitlose Wörter wie „Modernisierung“ durch „Update“ ersetzt und „Idee“ durch „Software“, ist in Wirklichkeit Ausdruck eines hysterischen Zustandes, in den die FDP sich vor Jahrzehnten schon hineingeschraubt hat. Die Partei verehrt den Fortschritt so, wie junge Mädchen Bibi verehren, das ist diese Youtuberin: als eine schöne Oberfläche, in der man sich spiegeln kann.

          Unser Angebot für Erstwähler
          Unser Angebot für Erstwähler

          Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

          Zum Angebot

          Welche Zukunft meint die FDP?

          Keine andere Partei in Deutschland spricht so oft und gern von „Fortschritt“ und „Zukunft“ wie die FDP. Dabei nimmt sie für sich in Anspruch, dies auch deshalb zu tun, weil alle anderen Politiker sich für die Zukunft nicht interessierten. So betonte Generalsekretärin Nicola Beer, die FDP sei die einzige Partei, die Bildung als Zukunftsthema behandle, und Lindner gab kürzlich zu Protokoll, die FDP sei die einzige Partei, die die Frage danach stelle, wovon wir in Zukunft leben wollten. Der FDP-Generalsekretär in Nordrhein-Westfalen, Johannes Vogel, behauptete gar, seine Partei sei überhaupt die einzige, die sich über Deutschlands Zukunft Gedanken mache.

          Aussagen dieser Art zeugen von einem speziellen Verständnis von Zukunft. Offensichtlich ist damit nicht einfach die Zeit gemeint, die noch vor uns liegt. Denn unschwer ist zu erkennen, dass alle Parteien sich mit dem Künftigen beschäftigen. Die einen wollen Windräder, um bald ohne Kohle leben zu können, die anderen den Euro abschaffen, um bald mit noch mehr Kohle leben zu können. Es gibt schlicht kein politisches Vorhaben, das nicht auf die Zukunft zielen würde, egal, ob Freihandelsabkommen, schwarze Null, Mindestlohn oder Umgehungsstraße für Marktoberdorf-Bertoldshofen. Die FDP meint also eine andere Zukunft. Nur welche?

          Lindner zeigt sich gerne fortschrittlich

          Der Bundestagswahlkampf gibt Einblicke. Die FDP will jetzt als „politischer Fortschrittsbeschleuniger“ gesehen werden. So sagt es der Parteivorsitzende Christian Lindner gern. Lindner ist es auch, der das Smartphone zum Kultobjekt der Fortschrittsverehrung erkoren hat. Er selbst zeigt sich mit Smartphone auf Werbebildern, mal im Anzug, dann wieder im Unterhemd. So, als wäre es nicht selbstverständlich, dass heute jeder Politiker regelmäßig auf sein Telefon schaut. So, als könnte Lindner im ionen-gestärkten Glas des Displays die Zukunft sehen wie ein Wahrsager in einer Glaskugel.

          Weitere Themen

          Zehntausende trotzen Demo-Verbot Video-Seite öffnen

          Hongkong : Zehntausende trotzen Demo-Verbot

          In Hongkong sind erneut zehntausende Menschen für ihre demokratischen Rechte auf die Straße gegangen. Die Aktivisten setzten sich wie in der Vergangenheit über ein Demonstrationsverbot hinweg.

          Topmeldungen

          Proteste vor IAA : Blockade mit drei farbigen Fingern

          Hunderte Demonstranten der Aktion „Sand im Getriebe“ haben zwei der fünf Eingänge der Messe blockiert. Ihr Protest richte sich nur gegen die Konzerne, sagen sie. Das empfinden viele Besucher anders.
          Denkmal des Anstoßes: Bürgermeister Roberto Dipiazza (links) weiht die Statue Gabriele D’Annunzios in Triest ein.

          Denkmal für D’Annunzio : Dichter des Anstoßes

          In Triest ist ein Denkmal für den italienischen Dichter Gabriele D’Annunzio aufgestellt worden. Einige der Anwesenden trugen faschistische Schwarzhemden. Im benachbarten Kroatien sorgte nicht nur das für Empörung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.