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Alternative für Deutschland : Wer sind die Bundestagskandidaten der AfD?

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Mitglieder der AfD auf dem Parteitag der AfD Niedersachsen, auf dem Podium der Landesvorsitzende Armin Paul Hampel. Bild: dpa

Die Standpunkte der AfD-Spitzenkandidaten sind bekannt. Laut Hochrechnungen erhält die Partei zwischen 80 und 90 Sitze im Bundestag. Wer sind die anderen Kandidaten und wofür stehen sie?

          Beatrix von Storch, Spitzenkandidatin Berlin

          Sie ist die stellvertretende Bundesvorsitzende und die Landesvorsitzende in Berlin. Zuvor war sie Mitglied der FDP, 2013 folgte der Beitritt in die AfD. Die ehemalige Rechtsanwältin ist in mehreren Vereinen und Initiativen aktiv, von denen viele als konservativ oder gar „christlich-fundamentalistisch“ bezeichnet werden. Sie setzte sich gegen die Ehe für Alle ein und steht für ein konservatives Familienbild. Nach der Abstimmung des Bundestags zugunsten der Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Paaren warf sie der  Bundeskanzlerin Verlogenheit und „moralischen Bankrott“ vor. Während des Flüchtlingsstroms erlangte sie  Aufmerksamkeit mit ihrer Aussage zum Einsatz von Schusswaffen gegen Flüchtlinge an den Grenzen, auch gegen Frauen und Kinder.

          Beatrix von Storch

          Wilhelm von Gottberg, Listenplatz vier in Niedersachsen

          Der 1940 geborene Politiker wäre im Falle eines Einzugs in den Bundestag der älteste Abgeordnete und hätte somit Chancen auf den Posten des Alterspräsidenten. Der frühere Polizeibeamte ist 2011 aus der CDU ausgetreten. Von Gottberg ist in Ostpreußen geboren und floh vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit seiner Familie nach Deutschland.

          Er sorgte mit zahlreichen umstrittenen Aussagen für Schlagzeilen. Darunter: „Der Holocaust muss ein Mythos bleiben.“ In einer Rede zitierte er den italienischen Neofaschisten Mario Consoli. Zwar waren dies bloß Zitate, von Gottberg kommentierte jedoch danach: „Wir haben dem nichts hinzuzufügen.“ Zu den Zitaten gehören: „Die Propaganda-Dampfwalze wird mit den Jahren nicht etwa schwächer, sondern stärker, und in immer mehr Staaten wird die jüdische 'Wahrheit' über den Holocaust unter gesetzlichen Schutz gestellt.“ Außerdem: „Als wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen (…)  wird immer noch der Völkermord am europäischen Judentum herangezogen."

          Wilhelm von Gottberg

          Jens Maier, Listenplatz zwei in Sachsen

          Maier ist seit 1997 Richter am Landgericht Dresden und war bis 1986 Mitglied der SPD. 2013 trat er der AfD bei. Maiers Karriere in der Partei war holprig: Zweimal wurde ein Ausschlussverfahren gegen ihn wegen parteischädigenden Verhaltens vom AfD-Landesvorstand Sachsen beantragt. Wegen seiner großen Anhängerschaft innerhalb der Partei, blieb das jedoch aus. Maier nennt sich selber „Kleiner Höcke“ und fordert beispielsweise ein Ende der „Herstellung von Mischvölkern, um die nationalen Identitäten auszulöschen“. Nach einer aufsehenerregenden Rede in Dresden als Höckes Vorsprecher, wurde ihm vom Landgericht Dresden ein Verweis erteilt und Zuständigkeiten für Presse- und Medienrecht entzogen. Ihm wurde vorgeworfen, gegen das Mäßigungsgebot nach dem Deutschen Richtergesetz verstoßen zu haben.

          Am Tag vor der Bundestagswahl verdeutlichte Maier abermals seine politische Positionen auf einer Kundgebung der AfD Sachsen. „Ich bin dafür, dass wir mit Pegida und der Identitären Bewegung zusammenarbeiten“ und „Zu einem Schwarzen hat man früher Neger gesagt“, sagte Maier vor seinen Anhängern in Görlitz.

          Jens Maier

          Armin-Paul Hampel,  Spitzenkandidat in Niedersachsen

          Der ehemalige Journalist trat der AfD in ihrem Gründungsjahr 2013 bei und ist nun Landesvorsitzender in Niedersachsen. Er bekleidet den Dienstgrad eines Kapitänleutnants der Reserve. Er war mehrere Jahre als ARD-Korrespondent in Indien tätig und bezieht sich deshalb betont oft auf sein Weltwissen. Er glaubt, dass sich die Lebensumstände in Deutschland durch Muslime stetig verschlechtern und wirft den Medien Parteilichkeit und zu große Minderheitenfreundlichkeit vor.

          Hampel sorgte wegen Anzeigen aus der eigenen Partei für Aufsehen. Zunächst wurde er wegen des Verdachts auf Untreue angezeigt, dabei ging es um Überweisungen von Geldern der AfD auf Hampels privates Konto. Danach folgte eine weitere Anzeige von AfD-Bundessschatzmeister Bodo Suhren wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung  gegen Personen des politischen Lebens.

          Armin Paul Hampel

          Sebastian Münzenmaier, Spitzenkandidat in Rheinland Pfalz

          Münzenmaier ist erst 28 Jahre alt und kandidiert bereits als Spitzenkandidat für die AfD Rheinland-Pfalz. Er ist Fraktions-Geschäftsführer im rheinland-pfälzischen Landtag. Seine politische Karriere begann als Mitglied in der islamfeindlichen Partei „Die Freiheit“. Sie stand unter Beobachtung des bayerischen Verfassungsschutzes. Im Gründungsjahr trat Münzenmaier der AfD bei. Die Zeiten von Trump und Brexit seien eine „historischen Zeitenwende“.

          Seit Juli dieses Jahres steht der Spitzenkandidat in Mainz vor Gericht. Er soll an gefährlicher Körperverletzung und versuchten Raubes gegen Fans des 1. MSV Mainz beteiligt gewesen sein. Die Angreifer waren Fans des 1. FC Kaiserslautern, die der Hooliganszene zugeordnet werden. Drei Mitangeklagte bekannten sich bereits schuldig, Münzenmaier schwieg bislang. Im Falle einer Verurteilung kann ihm die Wählbarkeit aberkannt werden.

          Sebastian Münzenmaier

          Martin Hohmann, Listenplatz sechs in Hessen

          Hohmann war einst 24 Jahre Mitglied der CDU. Nach einer  Rede im Jahr 2003 wurde ihm Antisemitismus vorgeworfen, die Angelegenheit ist als „Hohmann“-Affäre bekannt. Er wurde 2004 schließlich aus der Bundestagsfraktion und der CDU Hessen ausgeschlossen. Er sagte damals beispielsweise: „Auf diesem Hintergrund stelle ich die provozierende Frage: Gibt es auch beim jüdischen Volk, das wir ausschließlich in der Opferrolle wahrnehmen, eine dunkle Seite in der neueren Geschichte oder waren Juden ausschließlich die Opfer, die Leidtragenden?“

          Im Jahr 2016 erst wurde Hohmann Mitglied der AfD. Dort kritisiert er vor allem die Flüchtlingspolitik. Deutschland gehe an der „Merkelschen Zuwanderungspolitik“ zugrunde und es bestehe eine „reelle Gefahr, dass unser Volk schleichend ausgetauscht wird“.  Außerdem  ist er gegen die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens, denn es führe ja „fast zu einer paradiesischen Welt“. Zudem findet Hohmann, der Volksverhetzungsparagraph schränke die Meinungsfreiheit ein.

          Martin Hohmann

          Marc Jongen, Listenplatz drei in Baden Württemberg

          Der sogenannte Parteiphilosoph scheint auf den ersten Blick ein AfD-Mitglied der anderen Art. Er trat der Partei im Jahr 2013 bei. Der gebürtige Italiener aus Südtirol wurde 2011 in Deutschland eingebürgert und ist Doktor der Philosophie. Er besticht mit seiner Eloquenz und Intellektualität und gehört nicht zu den lauten, brüllenden Mitgliedern der Partei. Im Gedankengut unterscheidet er sich jedoch nicht und bekennt auch offen, dass er „kein Gegner“ Björn Höckes sei, der zu den Rechtsradikalen der Partei gehört.

          Jongen bezeichnet die zunehmende Migration als einen „Angriff“, „Migranteninvasion“ und die Entscheidungen der Kanzlerin als „historisches Verbrechen“. Flüchtlinge seien „Schutzsuchende, wie sie genannt werden“. Merkels Politik ziele auf eine Abschaffung der eigenen Kultur und des eigenen Volkes ab. In psychopolitischer Hinsicht habe das deutsche Volk einen „Akt der Gewalt, wie er in vergleichbarer Größenordnung nur in Kriegszeiten vorkommt“, zu  verarbeiten. Die psychischen Folgen der Migration seien so traumatisch wie ein Wohnungseinbruch.

          Marc Jongen

          Markus Cornel Frohnmaier, Listenplatz vier in Baden-Württemberg

          Der 26 Jahre alte Politiker ist  Bundesvorsitzender der Jungen Alternativen und Sprecher der Spitzenkandidatin Alice Weidel. Das rumänische Waisenkind wurde von einem deutschen Ehepaar adoptiert. Zunächst Fan von Gregor Gysi, fand Frohnmaier schließlich seinen Platz in der AfD, wo er schnell Karriere machte. In der Vergangenheit wurde er bekannt durch Zitate wie „Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet“ oder „Unsere Generation wird am meisten darunter leiden, dass Merkel dieses Land gerade mit dem Lumpenproletariat Afrikas und des Orients überschwemmt.“ Frohnmaier wurden Verbindungen zur „German Defence League“ unterstellt, einer rechtsextremen und islamfeindlichen Organisation. Er selbst bestreitet eine Mitgliedschaft, gibt jedoch zu, es gebe „Dinge“ der Organisation, mit denen er „konform“ gehe.

          Obwohl Frohnmaier nach eigenen Angaben nicht möchte, dass Deutschland ein arabisch-islamisch geprägtes Land wird, ist er Stammkunde in Shisha-Bars. Seine Aktivität in der AfD solle dort jedoch nicht bekannt werden, sagte Frohnmaier in einem Gespräch mit „Stern Neo“.

          Markus Frohnmaier

          Stephan Brandner, Spitzenkandidat in Thüringen

          Brandner war zuerst abwechselnd Mitglied der CDU und CSU, 2013 folgte die Mitgliedschaft in der AfD. Der Spitzenpolitiker fiel mit zahlreichen beleidigenden Bezeichnung gegen Politiker und Bürger auf, die unter seinen Anhängern für Jubel sorgten. Eine seiner Lieblingsphrasen ist „Schande für Deutschland“. Gegendemonstranten einer AfD-Veranstaltung in Jena hätten „hässliche aufgequollene Gesichter“, sie seien das Ergebnis von Inzucht. Die anderen Parteien wie die Linke, Grüne und FDP seien Sekten. Grüne seien „Koksnasen“ und „Kinderschänder“. Laut Brandner gehört Merkel – die „Kampf-Fuchtel“ – ins Gefängnis wegen Beihilfe zur Bandenkriminalität, zu Sexualdelikten, Körperverletzung, Asylmissbrauch und zum Mord, außerdem wegen Beihilfe zur Sachbeschädigung der deutschen Landschaften wegen des Ausbaus der Windenergie. 35 Jahre Gefängnis für die Bundeskanzlerin wären für ihn „ein schöner Traum“.

          Stephan Brandner

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