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Alternative für Deutschland : Wer sind die Bundestagskandidaten der AfD?

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Der sogenannte Parteiphilosoph scheint auf den ersten Blick ein AfD-Mitglied der anderen Art. Er trat der Partei im Jahr 2013 bei. Der gebürtige Italiener aus Südtirol wurde 2011 in Deutschland eingebürgert und ist Doktor der Philosophie. Er besticht mit seiner Eloquenz und Intellektualität und gehört nicht zu den lauten, brüllenden Mitgliedern der Partei. Im Gedankengut unterscheidet er sich jedoch nicht und bekennt auch offen, dass er „kein Gegner“ Björn Höckes sei, der zu den Rechtsradikalen der Partei gehört.

Jongen bezeichnet die zunehmende Migration als einen „Angriff“, „Migranteninvasion“ und die Entscheidungen der Kanzlerin als „historisches Verbrechen“. Flüchtlinge seien „Schutzsuchende, wie sie genannt werden“. Merkels Politik ziele auf eine Abschaffung der eigenen Kultur und des eigenen Volkes ab. In psychopolitischer Hinsicht habe das deutsche Volk einen „Akt der Gewalt, wie er in vergleichbarer Größenordnung nur in Kriegszeiten vorkommt“, zu  verarbeiten. Die psychischen Folgen der Migration seien so traumatisch wie ein Wohnungseinbruch.

Marc Jongen

Markus Cornel Frohnmaier, Listenplatz vier in Baden-Württemberg

Der 26 Jahre alte Politiker ist  Bundesvorsitzender der Jungen Alternativen und Sprecher der Spitzenkandidatin Alice Weidel. Das rumänische Waisenkind wurde von einem deutschen Ehepaar adoptiert. Zunächst Fan von Gregor Gysi, fand Frohnmaier schließlich seinen Platz in der AfD, wo er schnell Karriere machte. In der Vergangenheit wurde er bekannt durch Zitate wie „Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet“ oder „Unsere Generation wird am meisten darunter leiden, dass Merkel dieses Land gerade mit dem Lumpenproletariat Afrikas und des Orients überschwemmt.“ Frohnmaier wurden Verbindungen zur „German Defence League“ unterstellt, einer rechtsextremen und islamfeindlichen Organisation. Er selbst bestreitet eine Mitgliedschaft, gibt jedoch zu, es gebe „Dinge“ der Organisation, mit denen er „konform“ gehe.

Obwohl Frohnmaier nach eigenen Angaben nicht möchte, dass Deutschland ein arabisch-islamisch geprägtes Land wird, ist er Stammkunde in Shisha-Bars. Seine Aktivität in der AfD solle dort jedoch nicht bekannt werden, sagte Frohnmaier in einem Gespräch mit „Stern Neo“.

Markus Frohnmaier

Stephan Brandner, Spitzenkandidat in Thüringen

Brandner war zuerst abwechselnd Mitglied der CDU und CSU, 2013 folgte die Mitgliedschaft in der AfD. Der Spitzenpolitiker fiel mit zahlreichen beleidigenden Bezeichnung gegen Politiker und Bürger auf, die unter seinen Anhängern für Jubel sorgten. Eine seiner Lieblingsphrasen ist „Schande für Deutschland“. Gegendemonstranten einer AfD-Veranstaltung in Jena hätten „hässliche aufgequollene Gesichter“, sie seien das Ergebnis von Inzucht. Die anderen Parteien wie die Linke, Grüne und FDP seien Sekten. Grüne seien „Koksnasen“ und „Kinderschänder“. Laut Brandner gehört Merkel – die „Kampf-Fuchtel“ – ins Gefängnis wegen Beihilfe zur Bandenkriminalität, zu Sexualdelikten, Körperverletzung, Asylmissbrauch und zum Mord, außerdem wegen Beihilfe zur Sachbeschädigung der deutschen Landschaften wegen des Ausbaus der Windenergie. 35 Jahre Gefängnis für die Bundeskanzlerin wären für ihn „ein schöner Traum“.

Stephan Brandner

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